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Fiona Brice – And You Know I Care

Wann war das letzte Mal, dass du dich von der Flut an Informationen, Eindrücken und Content überrollt gefühlt hast? Im heutigen Zeitalter scheint es nur den wenigsten zu gelingen, sich völlig aus dem unendlichen Strom an Neuigkeiten zurückzuziehen. Einige versuchen sich daher an dem Buzzword ‘Entschleunigung’. Und wer dieses bisher vergeblich in Yoga, Meditation & Co. gesucht hat, sollte “And You Know I Care” von Fiona Brice eine Chance geben.

In acht Stücken zimmert die britische Künstlerin einen Horizont aus weichen Farben, die mal düster, mal hoffnungsvoll, immer aber vollkommen klingen. Brice selbst ist dabei alles andere als ein unbeschriebenes Blatt, kann auf Auftritte und Co-Songwritings mit Acts wie Placebo, Gorillaz, Boy George, Kanye West und vielen anderen zurückblicken.

Mit “And You Know I Care” erscheint nun aber eine Platte, in der Fiona Brice selbst im Zentrum des Raums steht, den sie mit tiefgründigen Klavier- und Streicherarrangements auskleidet. Diese erinnern in ihrem sanften Minimalismus teils an Ludovico Einaudi, gewinnen dank ihrer Mischung aus Repetition und Melodie jedoch einen ganz eigenen Vibe.

Dieses vollmundige Erlebnis lässt in “We Rise We Fall” diverse Stimmfarben übereinander herfallen und schließlich als Welle warmer Milch über die runden Hügel der Streicher hinweggleiten. Und auch der Titeltrack basiert viel mehr auf einem Gefühl denn auf einer eindeutigen Struktur, lässt die Stimme in unkenntlichen Höhen verschwimmen, während das analoge Klavier noch etwas Bodenhaftung verspricht.

Die braucht man beim Hören dieses Werks auch sicherlich, viel zu schnell schwebt man sonst in andere Sphären und lässt die Sache mit dem irdischen Brimborium hinter sich. Selbst wenn Songs wie “Through Her Eyes” oder “Today Will Be Different” mit akzentuiertem Gesang und eindringlicheren Taktgebungen ausgestattet sind, ist der Sound doch immer entrückt, verträumt und sanft.

So bleibt von “And You Know I Care” nicht viel im Kopf, außer das Gefühl eines wattigen Eskapismus, der zwar Platz für Sehnsucht und Kummer lässt, aber doch vor allem abschalten will. Dass erst der letzte Track dieser Platte “Retreat”, zu Deutsch also “Rückzug” heißt, ist deswegen etwas irreführend. Denn das ist dieses Album in seiner Gänze.

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