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Warhaus – Ha Ha Heartbreak

Man muss schon drei mal hinschauen, um den Start des Warhaus-Projekts mit seinem Sound auf einen Nenner zu bringen. Aber doch, es stimmt: Mit “We Fucked A Flame Into Being” veröffentlichte Maarten Devoldere sein Debütalbum tatsächlich erst 2016.

Klar, als Frontmann von Balthazar durfte die Welt sich schon zuvor an dieser sonoren Stimme ergötzen. “Ha Ha Heartbreak” kippt sich nun so viel Patina über den Schädel, dass man Warhaus doch ein paar Jahrzehnte mehr auf dem Buckel anrechnet. Im Guten, wie im Schlechten.

Am Zahn der Zeit ist Devoldere mit dieser Platte nämlich nicht nur eine Zahnseiden-Breite vorbeigeschlittert. Die zehn neuen Songs baden viel lieber in schwelgerischem Jam-Charakter, streuen noch einen Ticken zu viel Melancholie ins Wasser – und riechen am Ende vor allem nach einem Pathos-Overload.

Immerhin – daraus macht schon der Opener “Open Window” keinen Hehl und hört gar nicht damit auf, immer mehr Streicher an Bord zu holen. Ein bisschen Art-Pop-Vibes hier, ein paar Jazz-Harmonien da und dazu hüpft das Klavier nur so über seine Oktaven hinweg. Devolderes unverkennbares Timbre verleiht dem Ganzen immer Gewicht und Ernsthaftigkeit.

An manchen Stellen durchaus zu viel. Dabei geht das durchaus mitreißender. Zum Beispiel im Melancholie-Schmachter “I’ll Miss You, Baby”, in dem zum großen Finale sogar mal die Stimme vor Emotionalität bricht.

Oder im ungewöhnlich melodiösen “When I Am With You”, wo das Zusammentreffen mit Kopfstimmen-Chören etwas Schwung in das Sound-Gespann bringt. Und auch “Shallow Play” könnte mit seinen dick aufgetragenen Streicher durchaus als Soundtrack für die besonders epischen Momente alter Filme taugen. Cineastisch und Warhaus, das passt eben zusammen.

Aber nicht nur das, wie der Closer “Best I Ever Had” unterstreicht, in dem Devoldere plötzlich mehr nach The National klingt als zuvor. Vor den sanften Akustik-Arrangements kommt das Storytelling mehr zur Geltung, darf auch mal im Rampenlicht stehen.

Ein paar Lichtblicke gibt es also doch in diesem Werk, das mit all seiner Opulenz sonst ähnlich schwer verdaulich ist wie ein dreifacher Espresso. Das muss man schon wollen.

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