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Neufundland – GRIND

Die Pandemie hat die Berlin-Kölner Band Neufundland zerrieben. Und „Grind“ ist das passgenau betitelte Abschiedsgeschenk.

Das Erliegen des Kulturbetriebes während der Lockdownzeiten wirkt bis heute nach, lässt sich bei oberflächlicher Betrachtung aber nur allzu leicht übersehen. Große Tourneen sind zu horrenden Ticketpreisen frühzeitig ausverkauft, kleinere Acts canceln hingegen reihenweise Tourpläne, wegen schleppender Vorverkaufszahlen.

Auch bei Neufundland fühlte sich der Betrieb einer Band vor diesem Hintergrund mehr denn je als Nebenjob, denn als Vergnügen an. Die Konsequenz: Ihr drittes Album ist das letzte, gefolgt von drei Abschiedsshows. Danach ist Schluss.

„Ich bin ein Streiflicht in der Nacht/ Du streifst mich einfach ab“, singt Frontmann Fabian Langer. Ein Satz, der mit dem Abschied der Band an Wehmütigkeit zulegt, ohne larmoyant zu wirken. Abgestreift haben Neufundland nebenbei auch die Tasten.

Nach dem Ausstieg von Matthias Lüken, der mit Synthesizer und Klavier wesentlich für den Klangteppich verantwortlich zeichnete, ist die Band zum Quartett geschrumpft. Der Fokus liegt jetzt ganz auf Gitarren und einer neuen Geradlinigkeit, verliert dadurch aber auch ein Stück Eigenständigkeit.

Schrottgrenze, Bakushan, Die Höchste Eisenbahn. Auf der Strecke vom treibenden Opener „Kein Scherz“ bis zum windschiefen Indie-Abschluss „Schnee“ klingt vieles an, aber längst nicht alles durch.

In der Grauzone zwischen Post-Punk und Hamburger Schule weichen Neufundlands Absichten viel häufiger in Beliebigkeit auf. Mit Sätzen wie „Du bringst die Trauer in Tüten heim“, trifft Langer zwar eine schöne Bildsprache, aber nicht immer den Ton.

Denn die mitschwingende Melancholie wird bei ihm so sehr “gechearleadet”, dass sie auf Dauer ermüdet. Und so bleibt‘s dabei: Die beste deutschsprachige Platte 2022 kommt von Die Nerven. Da hilft auch kein Abschiedsbonus.

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