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Nina Hagen – UNITY

„Ick bin die Mutter des Punk, na Gott sei Dank“ konstatierte Nina Hagen einst in „Prima Nina In Ekstase“ – nur eine von vielen Rollen, mit der eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Showgeschäfts präsent blieb.

Ihre unbequeme Attitüde war schon den Staatsorganen der DDR suspekt: egal, ob als systemübergreifender Bürgerschreck, Botschafterin des Spirituellen, Ufo-Sichterin oder Jesus-Verehrerin: „Wer Bistn Du?“ – Frage aus ihrem Feature-Gastspiel für die Beginner – dachten sich sicher nicht wenige bei den schrillen Auftritten in der langen Karriere der Protagonistin.

11 Jahre nach „Volksbeat“ ist „UNITY“, dessen Titeltrack als Black-Lives-Matter-Support entstand, ein Soundtrack für die Protestbewegungen in aller Welt. Mit dem Album-Vorboten „United Women Of The World“ wurde diesbezüglich bereits ein deutliches Statement gegen die willkürliche Unterdrückung von empowerment formuliert.

Daneben erzählt die Platte Geschichten aus der Bibel, befasst sich mit sicherheitspolitischen Aspekten und lässt auch Platz für die Liebe, und passt musikalisch, auf einer Tour de Force durch Funk, Rock, Folk und Country, in keine Schublade.

Beeindruckend, wie vital die 67-Jährige den schleifenden Opener „Shadrack“ intoniert. Es verstärken ihre schneidende Agitation, ihre Stimmsamples und latente Unruhe die beunruhigende Thematik von „Atomwaffensperrvertrag“, geistern durch das überdrehte „Gib Mir Deine Liebe“ Fragmente einer romantischen Melodie durch den Hintergrund, rockt die „Venusfliegenfalle“ straight durchs Weltall.

Intensiv Nina Hagens Visionen eines „Redemption Day“, über dessen psychedelisch angehauchtes Klangfundament staubige Gitarren brummen, bis sich Himmeltüren öffnen, hinter denen „Freedom“ wartet, beleuchtet das elektro-poppige „Geld, Geld, Geld“ die negativen Folgen von Kapitalkonzentration, groovt „Open My Heart (Dinner Time)“ lasziv durch die Szenerie.

Wenn mit „Die Antwort Weiß Ganz Allein Der Wind“ der Bob-Dylan-Klassiker auf Deutsch vorgetragen wird, fällt einmal mehr mit Unbehagen auf, wie sehr sich die geopolitische Gemengelage von heute jener, in der der Literaturnobelpreisträger dieses Stück schrieb, ähnelt.

„Wir leben in einer dunklen Zeit, ich spüre unsere große Einsamkeit“ singt Nina Hagen dato – ein starkes Argument pro „UNITY“.

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