Nach “Must Have Been New“ folgt mit “1989“ die zweite Single, die dEUS nach 11 Jahren veröffentlichen und damit ihr neues Album „“How To Replace It“ anteasern – das hätte so wohl niemand gedacht. Aber auch, dass ein Sänger nach so vielen Jahren seinen Sound derart verändern würde.

Trotzdem ist es der Gruppe wichtig, zu betonen, dass dEUS nach einer derart langen Pause nie zu Ende war, und auch nie dazu bestimmt war, beendet zu werden. Während Hardcore-Fans natürlich wissen, dass die fünfköpfige Gruppe nicht vom Erdboden verschluckt war, sondern munter durch die ganze Welt tourte, mussten sich die restlichen, ratlosen Fans an dem letzten Album “Following Seas“ von 2012 erfreuen.

Als dann 2022 im November dieses anthrazite Cover auftauchte, wussten alle: jetzt geht es wieder los. Ein Album ist in der Mache, das am 17. Februar dieses Jahres via PIAS die Welt erblicken wird; 28 Jahre nach ihrem Indie-Rock-Debüt “Worst Case Scenario“.

dEUS sind nämlich schon lange Teil der Szene, die lieber eine Gitarre zu viel als zu wenig spielen. Und das nicht nur in ihrer Heimat im belgischen Antwerpen, sondern in der globalen Indie-Rock-Landschaft der 90er Jahre. Größen wie Weezer oder Pulp konnten sie ohne jegliche Anstrengung schon damals das Wasser reichen.

In ihren älteren Jahren scheinen sich nun auch die nachhaltigen Stärken der Band auszuspielen. Während der Mainstream-Rock der Nuller Jahre (oder das was davon übrig geblieben ist) nun entweder in schlecht abgemischtem Punk oder missgeleiteten Balladen mündet, entwickelt sich doch manch Pionier mit dem Zeitgeist.

Die neue Single “1989“ ist ein gutes Beispiel dafür, Altes mit Neuem zu verbinden: Thematisch schwelgt der Track in vergangenen Jahren sowie ihren Beziehungen, trauert ihnen nach. Untermalt von nachgiebigen Synthesizern und analogen Gitarren, wird das nostalgische 90er-Gefühl verstärkt, wobei warme, poppige Klangfarben hinzugefügt werden. Sie verleihen dem Song eine entgegengesetzte Aktualität.

Doch ist das wirklich die Stimme des Sängers Tom Barman? Der Sprechgesang, der vor all den tiefen Bässen kratzend vibriert, hat wenig mit dem lockeren, moderaten Gesang zu tun, den wir die letzten Jahre von ihm hören konnten.

Der treffendste Vergleich ist wohl der mit The one and only Leonard Cohen, der sich zum Indie-Rock verlaufen hat. Mit den Rock-Elementen entsteht dadurch eine beständige Reibung, die dem Song mit den mittelmäßigen Lyrics eine Spannung verleiht, welche den Hörer bis zuletzt packt.

Ob dEUS mit “How To Replace It“ dieses Novum aus poppigen Indie-Rock und Leonard-Cohen-Melancholie weiterverfolgen wird?

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