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Algiers – Shook

Algiers sind das Trommelfeuer des postmodernen Gospels und Souls, mit so viel Leidenschaft und Ehrgeiz gespielt, dass auch die weitläufigere Konkurrenz im Indie-Rock alt ausschaut.

Nachdem Young Fathers just ein überschäumendes Album des Eklektizismus frei ließen, kochen Algiers mit derselben Finesse Protestsongs über. Zwischen Marvin Gaye und angriffslustigem Gospel-Rock klaffen die Wunden der Welt gen Himmel. Die Band zeigt sich unwillens, sich damit abzufinden.

In dieser Disziplin haben Ryan Mahan, Lee Tesche und Franklin James Fisher bereits mit ihrem Debütalbum stark begonnen und werden doch seit vier Alben stetig besser. Seit 2015 verstärkt außerdem der frühere Bloc-Party-Schlagzeuger Matt Tong das Trio.

Die Geschichte der Band pendelt zwischen den US-Südstaaten und London. Genug Wegstrecke, um ordentlich transnationale Wut anzustauen und jetzt vom „Irreversible Damage“ zu singen, wo Zack de la Rocha mit einstimmt. Nur ein Beispiel für die kulturelle Vielseitigkeit in der Algiers zu Klagen in der Lage sind.

Einerseits very british im rastlosen Postpunk von “A Good Man” oder “73%”. Andererseits in dunklem Südstaaten-Tenor mit Southern-Soul und Industrial-Gospel. Vor allem jedoch in Zeilen wie „They are talking about a nuclear war” aus dem vortrefflichen Klagelied „Out Of Our Style Tragedy“ mit Mark Cisneros.

„Shook“ entstand, als Fisher und Mahan für einige Monate in ihre Heimatstadt Atlanta zurückkehrten, wo sie unter dem wachsenden Druck und dem Burnout als tourende Musiker litten. Die Band stand in Begriff, sich aufzulösen. Stattdessen steht Atlanta jetzt im Mittelpunkt, auch und gerade mit seinen Schattenseiten: „Police at the door, knocking again and again”.

An ihre musikalische Pforte klopfen hingegen immer wieder auch TV On The Radio, wenngleich diese heute viel handzahmer klingen als Algiers. Und womöglich liegt hier auch das Geheimnis dieser Band.

Die Vermengung traditioneller schwarzer Musikstile mit einem gegen den Strich gebürsteten Nonkonformismus gestalten „Shook“ zeitlos  – und doch könnte die Platte nicht näher am Puls der Zeit angesiedelt sein und Algiers widerum nicht weiter weg vom Epilog in “Momentary”: „The community centres and union halls were swelled with songs that were old before we were born”.

Die Spielfreude und der Ideenreichtum, die Samples und die Slogans könnten „Shook“ vielmehr – ähnlich wie bei Young Fathers – zu einem einzigen Fest anstacheln, wären die Lyrics nicht derart schneidend, dass das Feiern in den Knochen erstarrt und sich das Fest zum Manifest umkehrt.

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