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Emiliana Torrini And The Colorist Orchestra – Racing The Storm

1994 erschien ihr Debütalbum, 2004 eine Grammy-Nominierung für die Produktion von Kylie Minogues Song “Slow”, etliche Soundtrack-Aufträge, etwa für “Der Herr der Ringe” – und natürlich der Über-Hit “Jungle Drum”. Emilíana Torrini gehört seit Jahrzehnten zu den international erfolgreichsten isländischen Künstler*innen. “Racing The Storm” zeigt – zurecht.

Es mit dem Sturm, einer Naturgewalt aufnehmen zu wollen, ist da nicht mal zu hochgegriffen. Diese Platte wäre in jedem Naturreservat, Feen-Horst oder Hexenzirkel zuhause, so urig-mystisch ist der Atmosphäre der verschiedenen Stücke.

Die Gesichter hinter diesem scheinbar unmenschlichen Sound sind zum einen Torrini selbst, die mal als weise Storytellerin entrückt über den Dingen schwebt, mal in intensiver Ernsthaftigkeit Intimität beschwört. Zum anderen kleidet das belgische Avant-Klassik-Kollektiv The Colorist Orchestra die Wände dieser Welt mit der feinsten Ware aus. Mehr Hörgenuss geht kaum.

Insbesondere nicht, wenn man ein Herz für die feinfühlige Exzentrik einer Björk auf der einen und für die Folk-Pop-Note einer Aurora auf der anderen Seite hat. Gerade Personen, die diesen Sweet Spot bei sich selbst kennen, werden “Racing The Storm” ohne großes Murren in die eigene Jahresbestenliste schieben.

Denn hier warten die ganz großen Momente, die Torrinis Leinwand-Erfahrung untermalen. Besonders cineastisch wird es etwa im unheilvollen “The Illusion Curse”, dessen Waldlichtung voller Streicher immer enger und düsterer zu werden scheint. Eine vertonte Abwärtsspirale, in die man gerne hineingesogen wird.

Auch die unscheinbareren Momente, wie etwa im malerischen, Klavier getragenen “Right Here” oder dem instrumentalen Track “A Scene From A Movie”, entfalten bei genauerem Hinhören eine beeindruckende Schönheit. Diese entsteht in einer diffusen Zwischenwelt von eleganten Melodiebögen und feinfühlig akzentuierten Arrangements.

Und damit sind noch längst nicht alle Gegensätze von “Racing The Storm” entdeckt. Schon die Reibung zwischen den Hand Claps und Zupf-Instrumenten machen aus “You Left Me In Bloom” eine mystische Traumreise und die verschachtelten Strukturen von “Hilton” bieten genug Stoff für 100 Wiederholungsknopf-Anlässe.

Was Torrini und The Colorist Orchestra hier alles gezaubert haben, ist beeindruckend. Und damit auch eine perfekte Audio-Begleitung, um aus jedem Spaziergang eine außerirdische Erfahrung zu machen.

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