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DITZ – Live im Molotow, Hamburg

Spektakulär gutes Wetter ist nicht immer ein Segen. Einlass für DITZ am gestrigen Montag um 19:00 Uhr, um 19:30 Uhr gerade mal 10 Leute da. An den ersten Sonnentagen ruft die Außengastronomie wohl lauter als ein dunkler Club.

Immerhin schon etwas mehr Trubel, als TV Cult aus Köln um 20:00 Uhr anfangen. Solider Punk, geht direkt in die Beine. Die sehr wütenden Stücke ziehen fast in Richtung Core. Am besten die etwas zurückgenommenen Tracks. Post-Punk-Sound mit zuerst verwirrend metal-lastig klingender Stimme. Musik und Gestik am Mikro gehen konstant nach vorne, zurück ist keine Option.

Während der Umbaupause füllt sich das Molotow dann doch noch angenehm. Puuuh. DITZ-Sänger Cal Francis ist geschminkt in Tiger-Minirock, gehäkeltem Top und Jäckchen. Gender ist immer noch ganz vorne bei ihren Themen. Kurz vor Beginn schmiert Cal mit Edding „Kate“ an Stelle 7 der Setlist. Zweites, erleichtertes Puuuuh. Das wäre sehr schade gewesen.

Düster-schwarzes Wummern, alle Licher aus. Die Taschenlampe leuchtet den Weg hinters Schlagzeug. Bierflaschen werden strategisch über die Bühne verteilt.

„Seeking Arrangement“ zerrt los. Bei weitem nicht ihr frischester Song, dafür ein kräftiger Einstieg. „Gayboy“ kommt danach durchdachter daher, aber kein bisschen zurückhaltender. Hibbelig eingestreut, repetitives Quietschen. Das Markenzeichen von DITZ. Das Jäckchen fliegt in die Ecke, der Lippenstift jetzt schon komplett verschmiert. Harmoniert perfekt mit dem leicht irren „matter of fact“ Blick.

Der Rest der Band um Cal könnte nicht bunter und kontrastreicher sein. Am Bass wuchtige Männlichkeit mit viel Tattoos und wildem Bart in Basketball-Trikot. An den Drums schwitzt ein drahtig-muskulöser Oberkörper ohne ein Gramm zuviel. Und an den Gitarren dominiert die vermeintliche Unscheinbarkeit.

Konsequenter Wechsel der Dynamik und Bruch zwischen komplex ungewohnten Klängen und fetter Energie. Nie still wandert Cal unaufhörlich zwischen seinen deponierten Bierflaschen, den Bandkollegen und dem Publikum hin- und her.

„Dead Würst“ zwischen minimalistischem Hüpfer mit Sprechgesang und Maschinengewehrsalven. Disharmonien beginnen zu überwiegen.

Langsam schleppender Bass. Brutal trockene Drums. „I’ve got a striking figure…I’ve got a striking figure”. Dimensionen intensiver und verständlicher als die Studio-Version. “I Am Kate Moss“. Divergenz zwischen innerer und äußerer Persönlichkeit schmerzhaft in Musik gegossen.

Passend zur Stimmung direkt gefolgt vom schleppend zerrenden „Instinct“ mit Noise Gewittern. Musikalisch die stärkste Passage des Abends.

Stoisch lärmen die Kollegen auf der Bühne weiter, Cal selbst immer wieder auf der Suche nach Unsinn. Langsam aber sicher findet er alles, was er im Molotow unsicher machen kann. Leider nicht mehr zum Klettern als das DJ Pult. Die Vorhangstange über der Bühne hält ihn nicht, aber man kann zumindest ein Mikro drüber einfädeln und hängend reinsingen. Die Stimmung ist schon lange explodiert. Die Sonne vergessen und der dunkle Club der perfekte Ort im Hier und Jetzt.

Traditionell beenden DITZ den Abend mit dem nie enden wollenden Noise-Inferno „No Thanks, I’m Full“. Der alte Trick, den Moshpit hinknien zu lassen, klappt wieder hervorragend. Der Laden tobt sich in die Ekstase der endlosen Verzerrungen hinein. Auf der Bühne ebenfalls alle erschöpft über den Effekten kniend…

Inhaltlich und musikalisch sehr dicht. Unterhaltungswert ganz groß. Kein Wunder, dass die fünf Briten so oft auf der Bühne stehen. Einfach nur konsequent.

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