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Sam Burton – Dear Departed

Selten ist die Arbeitsanweisung so deutlich bei einem Album formuliert wie bei Sam Burtons „Dear Departed“. Oder genauer gesagt, dem siebten Song auf diesem neuen Werk des Singer/Songwriters, der den Namen „Go To Sleep“ trägt. Wer diesem Hinweis nicht folgt, hat Nerven aus Drahtseil.

Melancholie ist schön, Folk sowieso und über Streicher müssen wir gar nicht erst reden. An und für sich steht dieses Album damit auf recht sicherem Boden und sollte für den kleinen Anflug von Summertime Sadness wie gerufen kommen. Nur: das mit dem Songwriting haut hier nur semi hin.

Zehn Songs lang dürfen sich Hörer*innen von dem schönen, aber auch wenig auffälligen Timbre des Musikers aus Salt Lake City umgarnen lassen. Dazu gibt es im Hintergrund soundtrack-fähige Orchesterbögen und Arrangements, die Folk-Liebhaber*innen Herz und Seele wärmen. Davon hängen bleibt aber nicht viel.

Denn der Fokus scheint hier nicht auf dem Song an sich zu liegen. Melodien sind zwar vorhanden, aber wenig begeisternd. Storytelling ist vorhanden, aber zu unaufdringlich. Gesang ist vorhanden, aber schnell nervig.

In Songs wie „Pale Blue Night“ klingt das wie affektierter Achtziger-Jahre-Kuschelrock-Pop für Radiosender mit „Das Beste von früher und heute“ als Slogan. Bei anderen Songs wie „I Don’t Blame You“ oder „Empty Handed“ schwingen sich die Streicher wiederum in malerische Höhen. Das klingt, optimistisch, ausgedrückt wie Father John Misty, der Charme-Faktor ist aber nicht ganz so hoch.

Damit gehört das Album zu der Kategorie „Potential für mehr“, denn sehr häufig sind die Arrangements wirklich schön. Gerade im mehrschichtigen und lieblichen „My Love“ lässt sich erahnen, dass hier auch etwas richtig Großes hätte entstehen können.

Bis auf den fulminanten Closer „A Place To Stay“ bleibt das Album aber weit hinter seinen Möglichkeiten und ist leider vor allem: langweilig. Als Einschlaf-Hilfe ist die Platte bestens geeignet. Darüber hinaus wird es aber angesichts dieses hemmungslose Trübsalblasens eng.

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