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LGoony – sad sad story

Teenager mögen wieder Schlager. Vorbei die wilden Neunziger, wo die Heranwachsenden in Flanellhemden zu den krachigen Gitarren von Nirvana und Co. ihre Nackenmuskeln mit ausgiebigem Headbangen trainierten. Stattdessen schaffen es sogar die Flippers und Wolfang Petry wieder auf die Playlisten der hormonverwirrten Pubertären.

Findet sich hier die Erklärung, warum dieses Genre nun sogar auch im Hip-Hop Einzug hält? Oder liegt das einfach nur daran, dass diese Musikrichtung wunderbar zu LGoony‘s Oberthema von „sad sad story“ passt?

Man kann es am Titel erahnen – es geht um Gefühle. Und das fast ausschließlich, denn „sad sad story“ ist ein lupenreines Trennungsalbum, bei dem der Kölner sein Innerstes kaum gefiltert oder reflektiert nach außen kehrt.

Dabei geht es nicht immer unbedingt nett zu. Bezeichnungen wie „dumme bitch“, „menschlicher Abfall“ und Titel wie „trashgirl“ legen nahe, bei wem die Schuld für LGoonys Einsamkeit zu suchen ist – offensichtlich nicht bei ihm selbst.

Er erzählt mal rappend, mal singsangend moderne Trennungsgeschichten, mit denen sich jeder identifizieren kann. Es lässt sich sicher hervorragend mitleiden, wenn man sich gerade in einer ähnlichen Situation wiederfindet.

Dabei sind manche Songs, die sich musikalisch alle zwischen Schlager, Trap und R&B bewegen, sogar tanzbar:

Da ist zum Beispiel „geist“, das erstmal mit warmen Synthieflächen und der Standard-Portion Auto-Tune loslegt, bis plötzlich besagter Schlager-Einschlag um die Ecke kommt. Zu stampfendem Disko-Beat lässt es sich nach dem zehnten Drink hervorragend auf der Tanzfläche rumtorkeln und im Selbstmitleid ertrinken, während man die simplen Lyrics „Überall bist du“ in Dauerschleife mitgröhlen kann.

„baum“ kommt dem Schlager sogar noch einen Schritt näher. Irgendwie beängstigend was hier passiert: „Oh ich vermisse das Gefühl von meiner Haut an meiner Haut / Doch du verdienst mich nicht / Das weiß mein Kopf, wann weiß mein Herz das auch / Wo bist du? / Ich brauch dich / Ich fühl‘ mich so allein / So schön wie damals in deinen Armen wird es nie wieder sein“, singt LGoony in schwindelerregenden Höhen auf einer musikalischen Schlagerpalette.

LGoony hält mit seinem Albumtitel „sad sad story“ das, was er verspricht, denn etwas anderes lässt sich auf dieser Platte wirklich nicht finden. In Sachen Authentizität ist es schön, dass LGooney seine Gefühle ungefiltert und unreflektiert nach außen trägt.

Als Konsument*in ist das in diesem geballtem Maße, zumindest wenn man gerade nicht selbst verlassen wurde, dann doch ein etwas einseitiger Hörgenuss.

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