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Helmet – LEFT

Lautstärke war angesagt, wenn Helmet in den Neunzigern zur Tat schritten, Bandleader Page Hamilton Avancen an seine Role-Models Gang Of Four in ihre Tracks einpreiste und ein unüberhörbares Sprachrohr gesellschafts- und sozialkritischer Inhalte war.

Am eindrucksvollsten gelang das 1992 auf dem Gold-Album „Meantime“, später auch auf „Betty“ (1994) und „Aftertaste“ (1997), mit denen das Quartett aus New York City den Weg für die NuMetal-Szene bereitete, für einige derer Protagonisten Hamilton schließlich als Produzent tätig war.

1997 ging die erfolgreiche Besetzung auseinander. Die nach der Reunion 2004 – mit neuem, von Anthrax bis White Zombie genre-erfahrenem, Personal – eingespielten Longplayer konnten nur selten an den Esprit der ersten Schaffens-Dekade anknüpfen, obwohl zuletzt auf „Dead To The World“ (2016) die Formkurve wieder nach oben zeigte.

Der neue 11-Teiler “Left” will nun die Tugenden noch einmal bündeln, jene Parameter bedienen, mit denen Maßstäbe gesetzt wurden: im Stakkato abgefeuerte Riffs, die sich – angetrieben vom brettharten Schlagzeug –  in groovende Melodien einfügten. Dazu Gesang, der die Kommentare zur Zeit so dringlich wie distanziert spiegelt.

„Holiday“ und „Gun Fluf“ gaben im Vorfeld die Marschroute vor, fand erstere Nummer zwischen ihren Noiseausbrüchen eine poppige Linie und pendelte sich schließlich, wie auch die knackige Zweitauskopplung, im Helmet-Klangkonstrukt ein.

Eine intensive Begegnung mit einem weiteren guten alten Bekannten aus der eigenen Asservatenkammer, dem schneidenden Gitarrensolo, erfolgt in „NYC Tough Guy“, werden im Verlauf von „Make-Up“ schlängelnde Gitarrenlinien latente Aggressivität verbreiten, der Stampfer „Big Shot“ versucht, sich Ärger vom Leib zu brüllen.

Lustvoll lärmt „Bombastic”, mit „Reprise“ wird es psychedelisch, sorgt später die Unwucht von „Dislocated“ für Aufruhr: „Destroy“ ist hier eine Schlüsselvokabel, mit der die prägenden Themen dieser Platte in einem Wort abgebildet werden.

Außer dem akustischen, mit Streichern verzierten, „Tell Me Again“, gibt es ganz am Schluss noch einmal Kontrastprogramm: via „Resolution“ frönt Page Hamilton seiner Affinität zum Jazz, den er einst mit der Musik von Miles Davis oder Charlie Parker schätzen lernte.

„Free“ ist ein solides Helmet-Spätwerk im charakteristischen Design – Überraschungen wären überraschend gewesen.

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