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Vacations – No Place Like Home

Australiens beste Boyband. Das ist mal ‘ne Catchphrase. Naja, irgendwer muss die Nachfolge von AC/DC ja antreten. Die Vacations jedenfalls werden das musikalisch sicherlich nicht tun, dafür ist der Indie-Rock-Sound des Quartetts zu locker-poppig.

Das hingegen passt super zum Bandnamen, denn was gibt es Schöneres als einen lauen Sommerabend bei schwungvoller Gitarrenmusik? Die Australier haben sich mit ihrem dritten Longplayer selbst eine vierjährige Auszeit genommen, was sie wohl auch zum Titel “No Place Like Home” inspiriert hat.

Fidele unaufgeregte Akkorde, ein wenig Keyboard-Klimpern und ein Refrain, der selbst an verregneten Tagen noch die Sonne aus dem Arsch scheinen lässt, ist das Grundrezept, welches Titeln wie “Next Exit” und “Slow Motion” innewohnt.

Letzterer kratzt mit rumpelnden Saiten und effektbelegter Stimme etwas am Posterboy-Image. Auch die mäandernde, hohe Stimme von Campbell Burns braucht ab und an eine Leadgitarre, um ihr den richtigen Weg in den Gehörgang zu weisen.

“I Can´t See No Other Way Out Of This” stellt Burns fest und so wird auch der sphärisch verhangene Lo-Fi-Pop des Titeltracks “No Place Like Home” lediglich zur Hymne an die Leichtigkeit des Müßiggangs.

Liebeskummer verarbeitet sich am besten mit keyboardlastigem Pop, dazu schräger, synapsenverdrehender Gagasound aus der Effektschublade und ein bestens aufgelegter Leadsänger sorgen für leider viel zu kurze Hörfreuden bei “Over You”.

Kurze Hörfreude erwartet uns auch beim folgenden “Midwest”. Einem unentschlossen dahinsiechenden Werk, dessen Refrain aber die Fenster zur Glückseligkeit öffnet und gleich noch einen sehnsüchtig erwarteten Vogel mit Saitenakkord im Gepäck hereinlässt.

Verträumt instrumental gleitet “Arizona” klimpernd zum beliebigen Klangteppich von “Close Quarters”, einem instrumental überlagertem Dream-Pop, der ebenso wie das wurstig dahingleitende “Off-Season” Höhepunkte vermissen lässt.

Letzterer Titel nagt speziell am bräsigen Gesang, welcher nölend gefühlt auf jedem Ton erstmal eine Runde Schaukeln geht. Die Nebensaison mag ja Verdruss spenden, aber deswegen muss man sich ja nicht gleich eine Valium einwerfen.

“Terms & Conditions” ist glücklicherweise kein Herunterbeten irgendwelcher langweiliger AGBs, sondern eine verträumt beginnende Akustikballade, die sich an Beziehungen abarbeitet und letztendlich doch “Lost In Translation” ist.

Der letzte Titel des Albums lässt sich nicht mehr aus der Ruhe bringen. Verspielte, sommerliche Soundeffekte reigen sich um einen unaufgeregt perlenden Saitenanschlag, dem Burns seine besondere Note Elegie verleiht.

Vacations haben mit “No Place Like Home” ein ganz eigenes Statement dazu abgeben, wie diese Heimat denn klingen kann. Das ist zunächst indie-pop-orientiert, gleitet in seinen Lo-Fi Momenten aber auch schnell ab in Beliebigkeit.

Burns selten wirklich energischer Gesang watet dann vollends durch einen valiumgetränkten Sumpf. Derweil haben Titel wie das herrlich verquere “Over You” oder das poppige “Slow Motion” durchaus die Qualität, um Vacations zumindest am Indie-Rock-Boyband-Thron rütteln zu lassen.

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