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Karl Bartos – The Cabinet Of Dr. Caligari

Karl Bartos restauriert den Klang eines deutschen Stummfilmklassikers auf seine Weise. Bedacht, minimalistisch und – synthetisch. Letzteres wird ihm zum Verhängnis.

Er gilt als einer der einflussreichsten deutschen Stummfilme aller Zeiten. Als „Das Cabinet des Dr. Caligari“ von Robert Wienes 1920 in die Kinos kommt, überschlagen sich die Filmkritiken. Vom modernsten und gewagtesten Film, den die Welt je gesehen hat, ist die Rede.

In der Nachschau geht der Streifen als erster Psychothriller in die Filmgeschichte ein. Entsprechend spannungsgeladen und verwunschen fällt die Originalmusik aus, die sich aus klassischen Mitteln rekrutiert.

Karl Bartos, ehemaliges Mitglied von Kraftwerk, Filmmusikkenner, klassisch ausgebildeter Komponist und Elektropionier – seine Vita spricht klar für den Restaurationsauftrag, sein musikalischer Horizont dafür umso weniger. Der scheint nämlich auf der Zeit seiner höchsten Prominenz eingefroren zu sein.

Als bestimmendes Element der Überarbeitung wählt Bartos antiquierte Synthesizer-Sounds, die auch Streicher, Chöre und Orgeln simulieren. Die Simulation wird dabei bewusst überbetont und schwächt den Spannungsbogen des Originals reichlich ab. Mehr noch, sie entzieht ihm seine Lebendigkeit.

Sicher gestaltet sich die Überarbeitung ein Stück weit moderner, aber eben auch plastischer. Von Zeitgenössisch kann keine Rede sein, wenn Bartos die Filmmusik von 1920 maximal in die 70er Jahre geschaukelt bekommt. Ohne die Bilder bleibt das Unterfangen noch farbloser.

Für Stummfilmcineasten empfiehlt sich daher weiterhin das Original.

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