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Ja, Panik – Don´t Play With The Rich Kids

Der Quintessenz der Textur vergangener Werke folgend, ist die Drift, die Andreas Spechtl eingangs von „Lost“ besingt, die Konsequenz einer Verweigerung gegenüber einem System, dem Ja, Panik seit ihrer Gründung kontrovers gegenüber stehen.

„Eigentlich Wissen Es Alle“, dass das Arrangement mit gesellschafts- und geopolitischer Logik pragmatischer scheint, als sich mit Visionen von Selbstbestimmung an Ignoranz und Genügsamkeit immer neu aufzureiben.

„Don’t Play With The Rich Kids“ hört sich auch nach einer rationalen Bestandsaufnahme der Möglichkeiten an, die sich Freigeistern in diesem Rahmen noch erschließen können.

In diesem Sinn raus aus der verhaltenen Akustik zu Beginn des Openers, hinein in ein glitzerndes Stück Indie-Pop, mit dem einem marodierenden Weltgefüge individueller Glanz und Esprit entgegengestellt wird, in seiner druckvollen Euphorie tauglich, das Tuch, in welches sich das Quartett auf dem Cover hüllt, zu einem Segel gen „Libertatia“ aufzublasen.

„The Maestro says its Mozart but it sounds like Bubblegum..“ sang einst Leonard Cohen, „Sie sagen sie spielen etwas von Beethoven, für mich klingt`s nach Bubblegum“ dichtet Andreas Spechtl in „Teuferl”.

Aber selbst, wenn „Mama Made This Boy“ von der Unmöglichkeit singt, die Mauern der Unvereinbarkeit individueller Wahrnehmung einzureißen, verfallen die Protagonist*innen nicht in die nihilistischen Abgründe von „DMD KIU LIDT“.

Vom musikalisch Eperimentellen der letzte Ausgabe ist nichts mehr übrig, die Band strotzt vor Spielfreude, präsentiert hymnische Melodien und semi-melancholische Einkehr in einem stilistischen Best-Off der Alternativ-Musik vergangener Dekaden.

Es rocken obsessive Gitarren, gniedeln die Elektrischen ausgangs von „USHUAIA” am Ende der Platte minutenlang selbstvergessen im Neil-Young-Konsens.

Cool schimmert „Hey Reina“; die erste Silbe des Titelworts von „Changes“ repetiert adäquat der des gleichnamigen David-Bowie-Klassiker; es konstatiert „Fascism Is Invisible (Why Not You?)“ im lagerfeuer-tauglichen Ohrwurm-Kanon: „Legal, Illegal, Scheissegal“, und sitzen die im lakonischen Austro-Denglish vorgetragenen Lyrics hier wie im Rest der Aufnahmen wie ein Maßanzug für Weltzweifler.

Ist „Don’t Play With The Rich Kids“ eine Tendenz für die Jahrescharts in 11 Monaten? Ja, Panik!

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