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Odetta Hartman – Swansongs

Möchte man Odetta Hartman und ihre Musik in eine Schublade stecken, muss diese erst erfunden werden. Sie selbst beschreibt ihre einzigartige Mischung aus Klängen als “Cowboy Soul” und “Future Folk”, und diese Bezeichnungen fangen die faszinierende Natur ihrer Werke treffend ein. Mit ihrem dritten Album “Swansongs” entfaltet die New Yorker Multiinstrumentalistin ihre kreative Vielfalt, wenn auch nicht ohne einige bemerkenswerte Schönheitsfehler.

Hartman ist bekannt für ihre experimentelle Fusion aus traditionellen Folk- und Country-Instrumenten wie Gitarre, Banjo und Violine mit modernen elektronischen Beats, Samples und Synthesizern.

Ein charakteristisches Element ihrer Musik sind die vielfältigen Sounds, die aus alltäglichen Geräuschaufnahmen stammen, die Hartman mit ihrem Handy festhält. Inspiriert durch den amerikanischen Musikforscher Alan Lomax, den Odetta Hartman auch zum Thema ihrer Universitätsabschlussarbeit machte, nutzt sie Field Recordings, um ihren Songs eine einzigartige Textur zu verleihen.

“Swansongs” knüpft an den Erfolg ihres 2018 erschienenen Albums “Old Rockhounds Never Die” an, auf dem sie Folktronica und Gothic Country mit einem authentischen DIY-Charakter und ihrem charismatischen Gesang vermischte.

Trotz der Innovationsfreude offenbaren sich in ihrem Schwanengesang jedoch einige hässliche Entlein. Insbesondere die sonst so prägenden Samples wirken wie Stolpersteine und beeinträchtigen das Hörerlebnis.

Tracks wie “Good Socks (Happy)” und “Wacky”, die mit einer Fülle an Stimmensamples gespickt sind, verlieren an Zugänglichkeit. Ebenso wirken Lieder wie “Mother / Child” und das chaotische “Shea”, in denen die New Yorkerin ihre innere Rockgöre präsentiert, deplatziert und überladen.

Das Album beginnt vielversprechend mit dem Eröffnungstrack “Rise Above” und der Single “Goldilocks”. Letztere wird durch ein Musikvideo ergänzt, das meisterhaft von Bao Ngo inszeniert, seine Inspiration aus der Technicolor-Nutzung in “Der Zauberer von Oz” schöpft.

Trotz eines hoffnungsvollen Beginns mündet das Werk jedoch in einen verwirrenden Genre-Mix, der die Zuhörerschaft in einen klangvollen Taumel stürzt, aus dem auch ein visuell eindrucksvolles Musikvideo nicht retten kann.

Odetta Hartman schien während des Aufnahmeprozesses einem “All you can eat”-Buffet der experimentellen Klänge nicht widerstehen zu können und hat ihren musikalischen Teller überladen.

Obwohl die visuellen Komponenten und ihr musikalisches Können durchaus Anerkennung verdienen, bleibt der Gesamteindruck des Albums hinter den Erwartungen zurück.

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