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Whispering Sons – Live im Nochtspeicher, Hamburg

Der Nochtspeicher, nicht nur eine der schöneren Club-Locations in Hamburg, gestern Abend ganz sicher auch eine der volleren. Whispering Sons sind ausverkauft und der Raum füllt sich früh.

Zuerst Swirlpool – Shoegaze aus Regensburg. Ihr Motto „sounds better with reverb and distortion“ nehmen sie ernst. Harmonisch zerrt ihr Sound schleppend durch den Raum. Sympathisch chilliger Start in den Abend.

Zärtliches Piano. Leise eröffnen Whispering Sons mit „Balm“ vom neuen Album „The Great Calm“. Fenne Kuppens bleibt ihren oversized Anzugsakkos treu.

So düster die Ballade, so düster der Blick. Fixiert das Publikum von rechts nach links schweifend. „So still. So cold. I close my eyes and let go. “. Durchdringend, fast bedrohlich die Mimik. Langsam verhaltene Düsterheit setzt die Tonalität für die nächsten 90 Minuten.

„Standstill“ hält das Tempo bei erhöhtem Druck. Die Gitarre, jetzt auch am Start, treibt in den ersten noisigen Teppich.

Bei „Something“ wacht Fenne auf, Mimik wird zu Bewegung.

„Dragging“ treibt die Energie auf Betriebslevel. Drums dominieren, Bewegung wird zu energischem Fegen über die Bühne. Deutliche Steigerung der Intensität im Vergleich zur Aufnahme. Aussichtslosigkeit und Verzweiflung prallen auf Wut. Fennes gefangen zwischen Distanziertheit und Verbundenheit mit dem Publikum.

„Satantango“, das erste Stück der Vorgängerscheibe „Several Others“. Perfekte Demonstration, wie viel mehr Wucht auch die neue Besetzung durch Reduktion erreicht. „And she cries. ‚Look at me.‘ …“ Endlose Spannung, brutal abruptes Ende ohne befreiende Klimax. Diese Minuten wird an dem Abend nichts mehr übertreffen.

„Hollow“ vom Debütalbum läutet eine Runde zum Verschnaufen ein. Was friedlich beginnt, endet trotzdem klaustrophobisch.

„Poor Girl“ spielt mit der Dynamik, bevor „Cold City“ ohne Gitarre, nur mit Bass, tief in die Melancholie abtaucht.

„Still, Disappearing“ hält die dunkle Dramatik. Ein Saxophon überrascht, leider etwas zu laut.

„The Talker“ beendet die Ruhepause. Auf der Bühne verzeiht man den fünf das ungewöhnliche Stück auch gerne.

Nicht ganz einfach, das Publikum nach dem Verschnaufen wieder zu aktivieren. So richtig gelingt das etwas später beim atemlosen „Surface“.

Zwei Zugaben. Dass der Bass den Geist aufgibt, überspielen Whispering Sons ungerührt. Der fliegende Wechsel zum Instrument von Swirlpool fällt fast nicht auf.

Tosender Applaus, bevor „Waste“ uns euphorisch, in düstere Gedanken versunken, in die Nacht entlässt.

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