Ich will gar nicht bewusst sperrig klingen – Sophia Kennedy im Interview

Vier Jahre nach ihrem gefeierten Zweitwerk „Monsters“ meldet sich Sophia Kennedy zurück. Mit im Gepäck hat in den USA geborene Wahl-Hamburgerin ihr drittes Studioalbum „Squeeze Me„. Zusammen mit ihrem langjährigen Kollaborator und Co-Writer Mense Reents (Egoexpress, Die Goldenen Zitronen) zelebriert Sophia Kennedy das große Einmaleins der künstlerischen Unangepasstheit. Kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Schaffens trafen wir https://naturheilpraxis-hauri.ch/ die Songwriterin zum Interview und sprachen über Vorfreude, strukturloses Arbeiten und die Magie der Heimarbeit.

MusikBlog: Sophia, wie ist es so kurz vor dem Release deines neuen Albums um die Stimmung bestellt?

Sophia Kennedy:  Die Motoren laufen heiß! Ich befinde mich in einem Wechselbad der Gefühle zwischen Euphorie und Panik. Ich nehme mir zwar bei jedem neuen Album vor, entspannter an die Sache ranzugehen, aber es klappt dann irgendwie doch nicht so. Aber dass es so viel zu tun gibt, ist großartig und ein schönes Zeichen. Ich bin natürlich aufgeregt und voller Vorfreude.

MusikBlog: Bist du jemand, der sich vorab schon mal aus dem engeren Umfeld die eine oder andere Meinung zu den neuen Songs einholt?

Sophia Kennedy: Klar, ich hab natürlich meine Vertrauenspersonen, befreundete Künstler*innenn oder enge Freund*innen, denen ich vorab mal was vorspiele. Ansonsten halte ich alles eher unter Verschluss. Wie bei einem Huhn, das so lange auf dem Ei sitzt bis es fertig ausgebrütet ist. (lacht)

MusikBlog: Dein letztes Album „Monsters“ steht nun schon seit vier Jahren im Regal. Wann hast du dich mit den ersten Ideen zum neuen Album befasst?

Sophia Kennedy: Ich brauche nach jedem Album erstmal eine lange Leerlauf-Phase. In der Zeit passiert nicht viel, es ist eher ein Dämmerzustand. Irgendwann kommt das Verlangen nach neuer Musik aber wieder zurück und dann stürze ich mich wieder in die Schaffensphase. Die beginnt dann meist erst bei mir zuhause und wird dann irgendwann im Studio mit Mense fortgesetzt.

MusikBlog: Wenn wir über den Sound des neuen Albums reden, dann muss man festhalten, dass sich das Ganze mal wieder sehr schwer einfangen und kategorisieren lässt, was ich persönlich sehr schön finde, da man irgendwie ständig das Gefühl hat, etwas Neues zu entdecken. Stecken da konzeptionelle Gedankengänge dahinter, oder entsteht diese Musik einfach ganz automatisch, wenn du und dein Kompagnon Mense gemeinsam arbeitet?

Sophia Kennedy: Wir folgen keinem Konzept, sondern arbeiten erstmal in alle Richtungen und schauen, was dann so passiert. Auf der anderen Seite sind wir aber auch streng und wissen schnell, wann es sich für uns nicht mehr richtig anfühlt. Wir versuchen, die Dinge immer ein bisschen ins Artifizielle zu treiben und suchen irgendwie auch immer nach Kontrasten, die sich ein bisschen fernab vom traditionellen Songstrukturen bewegen. Hinzu kommen die elektronischen Elemente, die alles leicht verfremden. Ich sample mich auch oft selbst. Meine Stimmen und Chöre zum Beispiel. Wir wollen aber gar nicht bewusst sperrig klingen, das ist nicht unser Anliegen. Nur, sobald wir in eine zu konventionelle Richtung rutschen, merken wir, dass das nicht unser Platz ist.

MusikBlog: Bist du im Privatleben ähnlich strukturlos unterwegs?

Sophia Kennedy: (lacht) Absolut. Wenn es die Situation erlaubt, gehe ich spät schlafen und stehe spät auf. Ich muss ja nicht morgens um 8:00 Uhr im Büro sein. Das ist für mich der größte Luxus. Klar, in Phasen wie jetzt, wo viel los ist, muss ich natürlich anders planen. Aber wenn nichts ansteht, dann stehe ich auch nicht auf. 

MusikBlog: Zurück zur Musik: Fühlst du dich innerhalb der Studioarbeit am wohlsten?

Sophia Kennedy: Eigentlich schon, ja. Am liebsten arbeite ich zuhause oder im Studio, also an Orten, wo ich mich von keinem beobachtet fühle. Aber irgendwann muss man natürlich das stille Kämmerlein verlassen, das gehört ja dazu. Live zu spielen ist toll, aber es ist auch eine ganz andere Ebene. Wenn man auf Tour in eine gewisse Routine kommt, kann es einen beflügeln, aber es kann eben auch sehr anstrengend sein.

MusikBlog: Wenn es dann auf die Bühne geht: Bevorzugst du die Show vor vielen tausend Festivalbesuchern oder eher den Gig in einem verschwitzen Club?

Sophia Kennedy: Ich spiele lieber drinnen als draußen. Irgendwie passt das besser zu unserer Musik. Kleinere Clubs, in denen die Leute nah an der Bühne stehen, finde ich am besten. Wir sind ja manchmal auch in Theater-Locations unterwegs. Da ist es oft bestuhlt, das ist dann etwas anderes. In einem engen, dunklen Club mag ich die Nähe zum Publikum. 

MusikBlog: Live ist man viel mit anderen Künstler*innen unterwegs. Man trifft auch auf Kolleg*innen, wenn es um Kollaborationen und Features geht. Welche Begegnung hat dich bis dato am meisten beeindruckt?

Sophia Kennedy: Das ist schwer zu sagen. Ich würde mich da auch gar nicht auf eine Begegnung festlegen wollen. Aber es ist immer spannend und bereichernd, wenn man sich auf andere Künstler*innen einlässt.

MusikBlog: Apropos: Du bist nicht nur mit deinem eigenen Soloschaffen, sondern auch mit dem Nebenprojekt unterwegs. Was steht diesbezüglich in Zukunft an?

Sophia Kennedy: Wir haben ja beide viel zu tun, Helena (Helena Ratka, die zweite Hälfte des Hamburger Pop-Duos Shari Vari, Anm. d. Red.) hat zwei Soloalben veröffentlicht und ein Kind bekommen. Ich bin stolze Patentante. Wenn wir zusammen sind, arbeiten wir immer an neuen Stücken, die irgendwann sicherlich zu hören sein werden. Viele davon spielen wir auch schon live. Im Juli, zum Beispiel. Da treten wir in Hamburg auf. 

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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