Nach sechs Jahren Funkstille melden sich ClickClickDecker zurück – und tun so, als wären sie nie weg gewesen. „Wir Waren Schon Immer Da“ heißt das neue Album der Band um Kevin Hamann, entsprechend und dieser trotzige Titel ist Programm.
Was als kurzes Atemholen nach dem Erfolg von „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ von 2018 gedacht war, wurde durch Pandemie und Lebensumbrüche zu einem „endlos scheinenden Seufzer“ – bis das Seufzen wieder zu Gesang wurde. Knapp 30 Minuten lang beweisen die Musiker nun, dass deutsche Popmusik auch ohne Gimmicks und Trends funktioniert, wenn sie nur ehrlich genug ist.
Das Album beginnt mit „Am Ende“ und der Zeile „Das hier ist ein Heimspiel“ – ein Statement, das sofort klar macht: Hier ist eine Band angekommen. Was als reduzierte Akustikgitarre startet, entwickelt sich zum Mitsing-Moment, bei dem man unwillkürlich die Handy-Taschenlampe anmachen und in die Luft schwenken möchte.
Diese Dynamik zieht sich durch die gesamte Platte: ClickClickDecker haben das rare Talent, aus minimalistischen Arrangements maximale Emotionen herauszuholen.
Gitarre, Piano und zurückhaltende Schlagzeug-Beats schaffen eine verträumte Atmosphäre, als würden die Songs aus fernen Erinnerungen aufsteigen. Die reduzierten Rhythmen erinnern dabei an Indie-Hip-Hop-Acts wie OK KID – nur, dass hier statt Rap melancholische Liedermacher-Texte transportiert werden.
Hamanns Gesang, mal in charmanten Kopfstimme-Passagen, mal in lässigem Sprechgesang à la Von Wegen Lisbeth, trägt bittersüße Botschaften. Besonders in „Dysfunktional“ zeigt sich eine gesangliche Leidenschaft, die auf anderen Tracks eher zurückhaltend daherkommt.
Der Albumtitel stammt aus „Trampelpfad“, einem Track über das Vergehen der Zeit. Hier zeigt sich exemplarisch, was das ganze Album auszeichnet: eine stille Hoffnung trotz melancholischer Grundstimmung.
Die Band hat den „Abrieb des Lebens ab Vierzig“ im Blick, aber ohne Verbitterung. Stattdessen herrscht eine sachte Gelassenheit vor.
Songs wie „Baustellen umfahren“ mit seinen kindlichen Vocal-Einlagen und dem treibenden Beat zaubern trotz nachdenklicher Texte ein Lächeln ins Gesicht – ein kleines Wunder in Zeiten, in denen Optimismus oft wie naive Verdrängung wirkt.
Besonders charmant ist der asymmetrische Gesang in „Rumours & Prospekte“, der über dem Beat her taumelt und doch perfekt sitzt. Diese leichte Schräglage zieht sich durch das gesamte Album und verleiht ihm seinen unverwechselbaren Charakter.
„Feststellen“ als Album-Closer ist viel zu schnell vorbei – wie übrigens viele Songs auf dem Album. Aber vielleicht ist genau das der Punkt: ClickClickDecker wissen, dass nicht alles endlos dauern muss, um zu wirken. Manchmal reicht ein sachter Gleichmut, um große Gefühle zu transportieren.
