The Divine Comedy sind nach Neil Hannons Ausflug in die Soundtrack-Komposition für den Warner Bros. Blockbuster „Wonka“ zurück mit ihrem nächsten formidablen Album. Es ist ihr 13.
Seit den 80ern schreiben Neil Hannon und seine Band an barocken, oft ironischen Popsongs mit Ensemble, seit den 90ern sind die Briten damit erfolgreich. Ausgefeilte Orchestrierung, Wortwitz und Hannons markante Stimme gelten als Garanten.
Statt klassischem Britpop der Marken Blur, Oasis oder Pulp setzt Hannon seit jeher viel mehr auf Eleganz und Theatralik, zischen Chanson und Kammerpop. So auch bei „Rainy Sunday Afternoon“, der erste Longplayer seit „Office Politics“ von 2019.
Zwischen Filmmusik und Songwriterstory steckt Hanson hier die kleinen Geschichten und großen Gesten mühelos ineinander. Er singt von verregneten Sonntagen, Mar-A-Lago By The Sea und dem Herz als einsamen Jäger.
Sein musikalisches Schaffen sei im Guten wie im weniger Guten ein Spiegelbild seiner Persönlichkeit. Ein großer Teil dieser Persönlichkeit genießt die Ausgelassenheit, zelebriert die Albernheit, so Hannon über seine Arbeitsweise. Davon hat er bei den Wonka-Liedern reichlich Gebrauch gemacht.
Für „Rainy Sunday Afternoon“ hat jetzt allerdings die dunkle, melancholische Seite übernommen. Sterblichkeit, Erinnerungen, Beziehungen, politische und soziale Umwälzungen stecken in den Zeilen, die von erheiternden bis tieftraurigen Gitarrenharmonien und wundervollen Streichersätzen untermauert sind.
Für den Dandy Hannon ist das nicht nur ein Ventil, sondern ein Sozialprojekt. Er ist der Auffassung, dass jeder hin und wieder die Gelegenheit bekommen sollte, ein orchestrales Pop-Album zu machen. Es sollte nach seiner Auffassung Teil der Grundversorgung sein durch den National Health Service.
In den mannigfaltigen Facetten der Gefühlslagen geht dieses Album allerdings deutlich über eine Grundversorgung hinaus.
