Es gibt Ereignisse, die über uns hereinbrechen. Ereignisse, mit denen wir nicht rechnen und die uns schlagartig die Zerbrechlichkeit des Lebens demonstrieren. Ein solches Ereignis spielt in Juliana Hatfields neuem Album „Lightning Might Strike“ eine initiale Rolle.

Konkret geht es um ein Stück lang zurückliegender Familiengeschichte, das die 1967 in Maine geborenen Künstlerin bei der Produktion der neuen Songs begleitete. Denn im Alter von 16 Jahren starb ihr Onkel durch einen Blitzschlag.

Neben jenem titelgebenden Blitzschlag verarbeitet die seit Ende der 80er aktive US-Musikerin auf „Lightning Might Strike“ auch andere schicksalhafte Einschläge. Es geht um Kontrollverlust, um Krankheit und Tod. Hatfield spart nichts aus.

Wer bei all den schweren Themen erwartet, auch musikalisch heruntergezogen zu werden, wird gleich im Opener „Fall Apart“ eines Besseren belehrt. Das lyrische Ich mag auseinander fallen, doch der Sound ist dicht, kompakt, eingängig.

Selbiges gilt auch für die zweite Nummer „Long Slow Nervous Breakdown“. Ohne Zeit zu verlieren, werden wir ins Geschehen geworfen. Was uns Juliana Hatfield hier bietet, ist Rockmusik ohne Schnickschnack, tolle Gesangspassagen inklusive.

Tragend auf der Tonspur von „Lightning Might Strike“ ist die von Hatfield kunstvoll beherrschte Gitarre. Sie gibt dem Album seinen charakteristischen roughen und zugleich melodiösen Klang und verleitet die Hörenden unwillkürlich zum Kopfnicken.

Spätestens auf „Popsicle“, dem dritten Stück des Albums, beweist Hatfield, dass sie sich trotz aller Heimsuchungen auf der Höhe ihres Schaffens befindet. Mit welch cooler Lässigkeit sie uns hier einen zeitlos-groovigen Rocksong präsentiert, ist faszinierend. Im dazugehörigen Video sehen wir die US-Amerikanerin übrigens Rasenmähen, ihren Hund striegeln und ein Wassereis essen. Dazu folgender Text: „My hopes and dreams are in decline / melting slowly like my mind” Ist das nicht große Kunst?

Auch auf den folgenden Songs, in denen Hatfield dem DIY-Ansatz ihrer musikalischen Anfänge treu bleibt und die meisten Instrumente selbst spielt, gibt es immer wieder solche besonderen Momente: Kollisionen zwischen Profanem und Existenziellem.

Mit „Lightning Might Strike“ legt die Indie-Rock-Ikone ihr 21. Studioalbum vor. Für ihre Fans eine Freude. Für alle anderen ein guter Grund, mit den Erkundungen des energiegeladenen Gesamtwerks Juliana Hatfields genau hier zu beginnen.

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