Das Geschwisterteam Eva und Philipp Milner (plus Schlagzeuger Florian Wienczny) alias Hundreds köchelt bereits seit circa fünf Jahren am Nachfolgealbum zu „The Current“. „Sirens“ heißt es nun, und trotz einiger Unterschiede bleibt die DNA der Hamburger darauf wieder klar erkennbar.

Erneut umschließen sich elektronische und orchestrale Instrumente zu einem Klangbild, das nach zeitloser Vergangenheit klingt. Der Fokus liegt diesmal jedoch stärker auf den reinen Kompositionen und noch weniger auf treibenden Synth-Pop-Beats.

Und die sind vielfältig: Mal verspielt, mal mit mechanischer Präzision tickend, mal mit kathedralischem Hall, filmreifem Sounddesign und steilen Spannungskurven.

Eva Milners Gesang schwebt über alledem – weniger sirenenhaft, als der Albumtitel vermuten lässt, sondern stets klar, präsent und mindestens genauso samtig wie die harmonische Grundlage.

Im direkten Vergleich zum Vorgänger erscheint „Sirens“ jedoch weniger experimentierfreudig. Das ist kein Mangel, denn grobe Stilbrüche oder Kanten im Albumfluss bleiben somit aus. Die Hörerfahrung läuft rund, und wer will, kann sich ganz den Texten hingeben.

„Sirens“ erzählt Geschichten „von Gestaltwandler*innen, von Füchsen und schachbrettgemusterten Wesen, die miteinander tanzen. Von gläsernen Türmen, hohen Mauern und Wolken, die erklommen werden“.

Musikalisch wird die eigene Phantasie aktiviert; lyrisch wird sie in längst vergessene Zustände zurückversetzt. Hundreds lassen sich mit diesen Erzählungen nicht hetzen. Stets bleiben sie gelassen, strukturiert und entspannt. Und während sich vor den Fenstern der Schnee auftürmt, läuft die nun wieder alerte Innenwelt scheinbar im Zeitlupentempo.

Welche Emotionen die 12 Songs transportieren, oder was sie mit den eigenen Gefühlen anstellen, ist nicht immer einfach in Worte zu fassen. Zumindest bietet diese Komplexität wenig Platz für Schwere oder blanke Traurigkeit.

Das Potential, Erinnerungen zu wecken, scheinen Hundreds bewusst gesetzt zu haben. Welche Erinnerungen das sind, bleibt allerdings jedem selbst überlassen:

Lang vergessene Märchen aus Kindertagen? Unbeschwertere Zeiten? Oder vielleicht einfach nur Bands, an die man seit langer Zeit keinen Gedanken mehr verschwendet hat – so wie Chromatics, Kai Engel und Hidden Orchestra.

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