Mit „Island Of Way Back“ erweckt die Schweizer Musikerin Andrina Bollinger Bilder von Erinnerung, Rückzug und inneren Landschaften zum Leben. Das Album eröffnet eine Klangwelt, die gleichzeitig intim und leicht entrückt wirkt. Von Beginn an wird klar, dass hier eher Stimmungen als klare Dramaturgien im Mittelpunkt stehen.
Bollinger ist in verschiedenen künstlerischen Kontexten aktiv, von Bandprojekten bis zu Theaterproduktionen. Ihre Musik bewegt sich zwischen Art-Pop, Jazz, Electronica und experimentellem Songwriting. Dieser offene Ansatz prägt auch ihr zweites Soloalbum deutlich.
„Island Of Way Back“ wirkt insgesamt selbstbewusster als frühere Arbeiten. Gleichzeitig bleibt der Sound bewusst eigenwillig und entzieht sich einfachen Kategorien. Gerade diese Spannung bestimmt den Charakter der gesamten Platte, die über sechs Jahre hinweg gereift ist.
Die Stimme steht zwar im Zentrum, funktioniert aber nicht wie im klassischen Pop als dominierende Leitlinie. Bollinger setzt sie vielmehr als klangliches Element innerhalb eines größeren musikalischen Gefüges ein. Mal wirkt sie zerbrechlich und nah, dann wieder fast distanziert.
Diese Vielschichtigkeit gehört zu den reizvollsten Seiten des Albums. Die Musik erzeugt Bilder und Emotionen, ohne sie vollständig auszuerzählen. Gerade dadurch entsteht ein gewisser Sog.
Allerdings verlangt diese Art des Songwritings auch Geduld. Manche Ideen bleiben eher angedeutet als konsequent entwickelt. Dadurch verliert das Werk stellenweise an Spannung.
Auch das Tempo der musikalischen Entwicklung bleibt häufig sehr ruhig. Die Stücke verweilen lange in ähnlichen Klangräumen und Stimmungen. Das kann hypnotisch wirken, manchmal aber auch etwas zu gleichförmig.
Trotzdem besitzt das Album eine klare künstlerische Handschrift. Die Verbindung aus experimentellem Pop und kammermusikalischer Intimität wirkt ungewöhnlich. Gerade diese Eigenständigkeit hebt Bollinger von vielen Indie-Produktionen ab.
Im Gesamtbild bleibt der Eindruck, dass einige Ideen noch stärker hätten zugespitzt werden können. Mehr Kontraste hätten der Dramaturgie gut getan. So bleibt manches im vagen Schwebezustand.
Am Ende ist „Island Of Way Back“ ein mutiges, stellenweise faszinierendes Album. Es zeigt eine Künstlerin mit klarer Vision und großem Gespür für Klangfarben. Gleichzeitig wirkt das Ergebnis nicht in jeder Phase vollkommen ausgereift.
