„Moo“. Nein, mit Kühen haben wir es auf King Tuffs neuem Album nicht zu tun. Wahrscheinlich hat ihn seine Rückkehr ins beschauliche Vermont im Nordosten der USA zu dem Albumtitel inspiriert, denn in seiner Wahlheimat Los Angeles bekam er sicherlich weniger Kühe zu sehen.
Der äußerst umtriebige Kyle Thomas, der neben seinem Soloprojekt King Tuff noch in weiteren Bands wie Witch und den Feathers aktiv ist und früher in Ty Segall’s Band, the Muggers gespielt hat, hat sich für „Moo“ die Parole „it should sound even worse“ auf die Fahne geschrieben.
Ganz so runter gerotzt klingt das Album glücklicherweise nicht, aber der Psych-Garage-Rock kommt geerdet daher. Auch, wenn der Opener „Twisted On A Train“ zunächst mal vom „High-Sein“ in Bahnzügen bräsig singt und dazu die Akkorde tanzen lässt.
Die folgenden neun Titel bleiben dem stilbildenden Gitarrensound treu, und besingen mit eindringlichem 60s Hippietouch den „Stairway To Nowhere“ oder geben sich bei „Invisible Ink“ dem rhythmischen Folksound hin.
King Tuff berichtet vom Scheitern, räumt Beziehungskisten auf und findet, dass trinkfest zu sein kein Nachteil ist. So sind seine Songs mitten aus dem Leben gegriffen, was den rohen Gitarrensound nur verstärkt.
Die Suche nach Freundschaft „Landline“ wird zum Duett aus Saitenspiel und seinem johlendem Bitten, das schlurfende „Crosseye Critters“ zum puristischen Folkdrama und der „Oil Change“ zum dynamischen Rock’n’Roller.
King Tuff bringt sein Motto am besten bei „East Of Ordinary“ zum Ausdruck. Das klingt, als wäre Bob Dylan als Bahnhofspoet gescheitert und nölt mit gniedelnden Gitarrensaiten übers Normalsein.
Das folgende „Unglued“ hingegen schüttelt sich vor guter Laune, spielt launig den Tom Petty und begeistert mit einer Leichtigkeit, die dem Rest des Albums auch gut gestanden hätte.
„Delusions“ irrlichtert zwischen 60s Folkrock und psychedelischem Saitenspiel aus der scheppernden Verstärkerkiste umher, um auf die abschließenden „Backroads“ abzubiegen. Nach dem akustischen Intro, nimmt der Song etwas Fahrt auf und hängt an Thomas‘ näselndem, kehligen Gesang. Der Refrain bleibt, wie die sägenden Gitarren, im Ohr und macht den letzten Titel des Albums zum versöhnlichen Ende.
Roh, puristisch krähen die Verstärker mit King Tuff um die Wette. Doch „Moo“ ist auch eine klangtechnische Wohltat. So runtergebrochen wurde Garage-Rock lange nicht mehr.
Dass King Tuff dabei verschiedene Jahrzehnte klanglich bereist und auch stilistisch sicher zwischen Folk und Rock spielt, macht „Moo“ zu einem kurzweiligen und äußerst unterhaltsamen Werk für Freunde erdigen Rocks.
