Die Musikgeschichte von New Orleans beherbigt Zydeco, Cajun, Bluegrass, Ragtime, Creole-Jazz, Dixieland, zart besaiteten wie auch rauen Rhythm and Blues, Deep-Soul und Voodoo-Funk. Aus dieser Reichhaltigkeit bedient sich seit 2011 die charismatische Sängerin Tarriona Ball unter dem Namen Tank And The Bangas und bindet altes Musik-Erbe in moderne Konstruktionen voller Pep ein, so auch auf „The Last Balloon“.
Die Besetzung hat sich gegenüber den neun Gründungsmitgliedern massiv gewandelt. An Konstanten sind nur Etienne Stoufflet am Saxophon und Norman Spence II als Gitarrist und Teilzeit-Keyboarder geblieben.
Der Plattentitel soll wohl – als Witz – darstellen, dass es sich bei dem Album um eine Trilogie mit „Green Balloon“ (2019) und „Red Balloon“ (2022) handeln würde.
Tank bewegt sich auf ihrem fünften Album, das ihr viertes beim Jazz-Major Verve ist, inmitten von R&B, Neo-Soul, Urban-Electro-Versatzstücken und gelegentlichen gerappten Strophen mit Hip Hop-Koloratur – auch in den Beats.
Zwischen Novelty-Pop mit stimmungsfördernden „hey-ho“-Samples nach jeder Zeile in „Ain’t That Deep“ und pulsierenden Elektro-Pump-Beats mit repetitiven, flächigen und hymnischen Strukturen bei „Don’t Count Yourself Out“ macht sich wenig vom New Orleans-Funk des Vor-Vorgängers „Red Balloon“ bemerkbar.
Allenfalls das Fernbeziehungs-Lied „Move“ kündet von dieser Spielart. Tank And The Bangas arbeiteten dieses Mal mit einer stattlichen Zahl an Gästen, und mit ihnen sickern andere Subgenres ein oder rücken aus dem bisherigen Hinter- in den jetzigen Vordergrund.
Alternative-Folk-Aktivistin Dawn Richard, R&B-Promi Lucky Daye und Lounge-Jazzerin Ledisi zählen zu den international bekanntesten Persönlichkeiten, die hier für Features erscheinen. Zusammen mit HaSizzle optiert Tank in „Go Your Own Way“ sogar für Auto-Tune. Ungewöhnlich für sie.
„No Invite“ packt Tanks geballte Rap-Spit-Kompetenz aus. Sie hat einen guten Flow und überzeugt auf ganzer Linie. Beabsichtigt war das Stück übrigens als Rock-Trap-Crossover.
„Jealous“ lässt Boom-Bap mit feinsten Missy-Elliott-artigen Grooves vom Stapel, und Tanks langjährige Background-Vokalistin Jelly Joseph umrahmt den Sprechgesang der Chefin mit versiertem Gesang.
Auch der treibende Elektro-Pop „Nighttime“ lässt neben smoothem Soul-Vortrag fürs Rappen Platz. Die Namen David Shaw, Sänger von The Revivalists, und Austin Brown, bisher schon Produzent und Co-Autor mancher Tank-Songs und von Tracks ähnlicher Künstlerinnen, werden als Feature-Namen hervorgehoben.
Während „Honeycomb“ zum Teil in Retro-Manier den Soul der Siebziger traktiert und dafür den US-weit gut gebuchten Künstler Akeem Ali an Bord holt, findet auch hier abschnittsweise raunender Sprechgesang statt.
An der Seite von Ledisi entsteht bei „Whole World“ purer Neo-Soul. In „Oh Boy“ hört sich Tank passender Weise so maunzig wie Macy Gray an, die einst entscheidende Impulse für Neo-Soul als Welle und Marktnische setzte.
Tank And The Bangas präsentieren ein schönes Potpourri aus Spielarten der Offbeat-Welt, die sich meist durch weiche und warme Gestaltung auszeichnen. Nachdruck und Würze lässt die Band aber ebenso wenig zu kurz kommen.
