Seit 2014 reiten die Gebrüder D’Addario auf der Retrowelle des Sixties-Gitarren-Pop. Die beiden, die als The Lemon Twigs bekannt sind, haben nicht nur einen Broadway-Hintergrund. Sie sind auch Multiinstrumentalisten und legen Wert auf eine starke Bühnenpräsenz.
Auf ihrem mittlerweile sechstem Studioalbum „Look For Your Mind!“ lassen sie nun auch ihre Live-Musiker mehr am Entstehen teilhaben. Eva Chambers von Tchotchke, Danny Ayala und Reza Matin halfen mit, den authentischen Sixties-Sound zwischen Beatles, den Hollies und The Byrds entstehen zu lassen.
Dabei finden sich auf den 14 Titeln neben eingängigen, melodischen Popsongs auch Ausflüge zum Glamrock und den komplexen Arrangements der Beach Boys. Dem Jangle Pop bleiben die Lemon Twigs jedenfalls treu.
Der zweite Track „2 Or 3“ kommt als klebrig süsse Teenromanze ums Eck, das folgende „Nothin But You“ setzt mit arhythmischen Drums auf die Macht der Akkorde und den feinen Gesang, der sich zum Chorus mehrstimmig inthronisieren lässt, aber doch nicht an den bläserunterstützten Melodienrausch des anschließenden „Gather Round“ heranreicht.
Die knackigen Spielzeiten sind ebenso retro, wie es die gesamte Instrumentierung ist. Auch wenn sich einzelne Synthieparts finden, bleiben Titel wie der astreine Hüftwackler „I Just Can´t Get Over Losing You“ zuckersüßer 60s Beatpop. Das harmonische Gedudel bleibt gut im Ohr hängen.
Aber von Titeln wie dem schmissigen „Fire And Gold“ oder dem tanzwütigen „Bring You Down“ würde man sich schon eine lockerere Handbremse wünschen.
Wirklich überzeugen kann das vorletzte „My Heart Is In Your Hands“, das seine Jingle-Jangle-Rhythmik nutzt, um den Refrain feuerwerksgleich am Retrohimmel explodieren zu lassen.
Andere Titel hingegen fabrizieren Ihre Harmonien scheinbar nur, um den mehrstimmigen Refrain zu stützen. So wankt „Mean To Me“ zwischen Retro-Charme und totaler Belanglosigkeit. Das instrumental überzeugende „Yeah I Do“ krankt an seinem Faselgesang, so dass man es bei „I Hurt You“ schon mit der Angst bekommt. Glücklicherweise bleibt es bei dieser einen harmlosen Songwritingballade, die mit einem brauchbaren Refrain und 80s Poprhythmen aufwarten kann.
Brauchbar ist auch „You´re Still My Girl“, dessen klassisches Beatpopkonstrukt sämtliche 60s Gesangsklischees zu einem Chorus von höchster Eingängigkeit verwurstelt.
Auf hohem Stimmlevel bewegt sich „Joy“ durch Balladengefilde, die weicher instrumentiert sind als es der Gesang stimmlich spülen kann. Gut, dass der Closer „Your True Enemy“ nochmal wachrüttelt und die beste gitarrengestützte Bridge des Albums aufbietet, um das Album gebührend zu beschließen.
Der besondere Retro-Charme der Lemon Twigs bleibt auch auf „Look For Your Mind!“ erhalten, dazu weichen die Titel zu wenig vom bekannten Popschema ab. Textlich reicht es durchaus tiefer, als es die Titel selbst vermuten ließen, die Stärke der Band bleibt dennoch das Refrain-Arrangement. Launig anzuhören ist „Look For Your Mind!“ allemal.
