„It can’t rain all the time“ prophezeite Brandon Lee in „The Crow“ und auch der Mantel der Weltkrisen unserer Tage wird hoffentlich irgendwann löchrig, die für vertonte Dystopie bekannten Klez.e lüften jedenfalls schon mal durch.
Mit der Single „Call It Love“ hat die Band einen Teil der helleren Seite ihrer neuen Platte vorgestellt, fiel viel Licht auf den Sound der Vorveröffentlichung, was hier – wie in anderen ihrer aktuellen Songs – nicht unwesentlich mit der einen Person, mit der die Lichtung als Weite gilt, zusammenhängt.
Die Moll-Grundierung, mit der das Trio auf „Desintegration“ und „Erregung“ noch die seit der Adoleszenz durch das Leben getragenen Leiden unter dem Schatten des Zeitgeistes vertonten, bleibt auch ein Kernelelement von „Einmal Mehr Mit Dir Gegen Die Furcht“.
Der Bass tuckert nur eben nicht mehr ganz so belastet durch die Arrangements, und wenn die Saiten für „Melancholia“ brummen, hört sich der Hall auf Gitarre so an, wie Tobias Siebert hier textet: „Du bespritzt mich mit deiner Leichtigkeit“.
Die rhetorischen Kausalketten des Frontmanns sind dato kurz, ist zwischen Redundanz und Hedonismus wenig verklausulierter Inhalt zu vernehmen, drückt die Melancholie nicht mehr ganz so schwer auf die Schultern der Lyrics.
Die Synthies vom Einsteiger „Hymnus“ lassen das Stück schweben, nährt der einsetzende Gesang Zuversicht gepaart mit der Empfehlung, das Leben in seiner Kürze zu nutzen, im besten Fall mit einem Lieblingsmenschen zu teilen.
„Ich Seh Es An Mir“ fordert in Indie-Hit-Atmosphäre auch persönliche Systemkorrektur, leiser Dream-Pop füllt das „Mailied“ bis zum Rand mit Sehnsucht; die Schmetterlinge, die durch „La Boum“ flattern, reichen für mehr als nur einen Bauch; tief wühlt „Einer Mehr Im Zement“ in der Vergangenheit und den Umständen, um die Zukunft zu befreien.
„Die Welt wie eine Tontaube fliegt weit hinaus und alle halten drauf und einer trifft sie dann auch“ metaphorisiert „Im Herbst“ – wie sehr sich die Gegenwart auch im Sommer nach Novembergrau anfühlt: Klez.e spielen für die Zeit hinter dem Nebel.
