The Streets live in Mannheim – das weckt Erinnerungen an das Maifeld Derby 2019. Als Headliner lieferte Mike Skinner mit seiner Band damals die totale Ekstase, mit geköpften Champagnerflaschen, Bierbechern im Tiefflug, Stagedives und bissigem Humor. Ein Abriss galore, der die Erwartungen sieben Jahre später an selber Stelle hoch hängt.
Zum Wiedersehen kommt es im Rahmen des Zeltfestivals Rhein-Neckar, das mit The Streets seine zweieinhalbwöchige Konzertreihe eröffnet. Doch weil die Shows von Skinner & Co. immer einen gewissen Lotterie-Charakter besitzen, kommt es erstens anders und zweitens als man denkt.
Im Zentrum steht das Jubiläumsalbum “A Grand Don’t Come Free”, das für The Streets vor 20 Jahren den ultimativen Durchbruch bedeutet und britische Rapmusik nicht nur prägt, sondern international auf ein neues Level hebt.
Ganz im Stil des Albumcovers, steht im Zentrum des Bühnensettings eine kleine Bushaltestelle, die der Show ein gewisses Theater Flair verleiht. Skinner performt davor, gelegentlich darin sitzend und wahlweise daran angelehnt. In seiner Hand mal ein Bierbecher, mal der eigene Kopf, fast als wäre er unbeobachtet und ganz für sich.
Es ist die Projektionsfläche für die Show und das Working-Class-Drama der Platte gleichermaßen. Beim dritten Song “Not Addicted” malt Skinner mit Edding “The Streets Derby” an die Scheibe – in Erinnerung an das Festival und seinen Auftritt vor sieben Jahren.
Doch von 2019 ist der offizielle Albumteil des Abends weit entfernt. So stimmig das Bühnenbild auf Papier auch sein mag, so wenig trägt das Konzept für die Inszenierung. Die Duelle zwischen Skinner und Sängerin Roo Savill sind im Ton scharf, in der Darbietung zahm, wie sie da so gemeinsam in der Haltestelle sitzen. Bei den schwächeren Songs des Albums lahmt das Konzert regelrecht.
Sicher kultiviert das Album auch eine Form von Hip-Hop-Ballade, bei der Skinner Alltagspoesie in windschiefe Spoken-Word-Lyriks überführt und dafür im Vergleich zum Vorgänger “Original Pirate Material” ein Stück Krawall opfert.
Doch wenn selbst der ultimative Hit der Platte “Fit But You Know It” nicht so recht aus dem Quark kommt, offenbaren sich spätestens hier die Schwächen im Konzept.
Doch wer die Show schon abschreibt, verpasst das große Los, das mit “Turn The Page” vom Debütalbum beginnt und einen gänzlich neuen Charakter zeichnet. Plötzlich kommt die hervorragende Band zur Geltung, die Beats kicken standesgemäß und das halbgare Theater-Setting weicht einer echten Konzertperformance.
Ein Titel wie “Let’s Push Things Forward” wirkt dann fast programmatisch. Skinner wechselt vom grüblerischen, halb abwesenden Dramaturgen zum Entertainer aus dem Kirmes-Kiosk. “We make a horse race” sagt er mehrfach und lässt das Ganze dann proben.
Frauen im Publikum kreisen auf den Schultern ihrer Männer vor der Bühne. “That’s the track”, sagt er dann und begibt sich schließlich selbst auch den Schultern eines Fans und auf die abgesteckte Strecke.
Ein bisschen bizarr ist das durchaus, aber eben auch unterhaltsam. Denn vor, während und nach diesem Galopp, kommt die Show mit Songs wie “Don’t Mug Yourself” oder “Too Much Brandy” nicht mehr aus dem Tritt. Erst recht nicht, wenn auf der Ziellinie der Schlusssong “Take Me As I Am” nochmals die geballten musikalischen Qualitäten dieses Kollektivs unter Beweis stellt.
Am Ende zeugt der Abend aber vor allem davon, dass The Streets ihren ganz eigenen Kopf haben, den Mike Skinner kompromisslos durchsetzt. Sie sind bereit, ein Konzert auch zweimal um die Ecke zu biegen, was sie für künftige Liveshows noch unberechenbarer macht.









