Beim New Yorker C2C Festival staunte das Publikum vergangenen Monat nicht schlecht über den Auftritt der lokalen Experimental-Rocker YHWH Nailgun (gesprochen „Yah-Way“ Nailgun). Denn die angekündigte Premiere ihres zweiten Albums „Magazine“ war nach knapp 11 Minuten schon wieder vorbei.
Nun die Bestätigung: Der Auftritt war weder ein Jux noch bloßer dramatischer Effekt. Die zehn Titel geben einfach nicht mehr Laufzeit her. Der längste knackt gerade so die eineinhalb Minuten (der Opener „Ghost Of Love“), der kürzeste verpufft nach gerade einmal einer halben (der Titeltrack „Magazine“).
Was sie alle gemeinsam haben: Sie exerzieren ihre Ideen konsequent durch. Außer „Magazine“, das tatsächlich mitten in einem Wort abbricht, fühlen sich alle Songs komplett an.
In kurzen Dosen stöhnt Sänger Zack Borzone ins Mikrofon, während Saguiv Rosenstock an der Gitarre und Jack Tobias an den Synthesizern geräuschhaft aneinander vorbei und über einander hinweg spielen. Reicht dann auch.
Sicherlich hätte die Band (nicht zu verwechseln mit der belgischen Black-Metal-Band YHWH) auch das Zeug dazu, normale Rock-Songs zu schreiben. Besonders Schlagzeuger Sam Pickard schürt durch sein eingegroovtes Spiel des Öfteren die Erwartung eines geraderen Songverlaufs.
Aber das wollen die vier Musiker halt nicht. Sie reißen dieses Potenzial ein paar wenige Sekunden lang an und biegen dann radikal ab. Der Umweg führt sie über alle möglichen klanglichen Alpträume, für die es an passenden Vergleichen mangelt.
Trotzdem der Versuch einer Annäherung: Suicide, Einstürzende Neubauten und Xiu Xiu spielen eine Jam-Session in einer Industriebrache… Trifft es auch nicht so ganz, denn nach dieser Beschreibung könnte man eine Pointe erwarten.
Stattdessen bieten YHWH Nailgun bitteren Ernst. Wozu und weswegen wissen wahrscheinlich nur sie selbst, denn auch die Texte lesen sich genauso, wie die Musik klingt – wie die Transkripte wahnsinniger Halluzinationen.
Aber der Ernst ihrer Gesten ist schließlich genauso wichtig, und alleine die Albumlänge reicht da schon als starkes Statement. Damit lassen die New Yorker Hoffnungen aufkeimen, dass es sie tatsächlich noch gibt: Die großen, verqueren und wahrhaftigen Avantgardisten.
