Arab Strap haben vorgestern ihre neue Single „Glamour Magick“ veröffentlicht. Gestern ist das dazugehörige Musikvideo erschienen. Der Song stammt von ihrem neuen Album „Half-Told Tales“, das am 4. September via Rock Action erscheint.
30 Jahre Bandgeschichte, und Arab Strap feiern das nicht mit einer Jubiläumsshow im Samtblazer, sondern mit dem, was Aidan Moffat und Malcolm Middleton am liebsten tun: neue Musik machen.
Thematisch geht es in „Glamour Magick“ um die Frage, wie weit man geht, um jung auszusehen, wenn einen die eigene Handyoberfläche jeden Tag daran erinnert, wie alt man schon ist.
Moffat beschreibt eine Art Beauty-Eskalationsspirale von Koffeinshampoo über Zahnpasta bis zu Fettabsaugungen: „Neue Zähne, neue Haare, Lidstraffung, Lipofilling im Gesicht… Wie lange dauert es, bis nichts mehr wirklich von mir übrig ist?“
Klingt nach Body-Horror-Lyrics, ist im Kern aber eine bitterböse Satire auf die Wellness-Industrie im Zeitalter der sozialen Medien – entstanden aus dem Entsetzen, das Moffat beim endlosen Scrollen befiel.
Auf „Half-Told Tales“ dreht sich fast alles um Zeit, ums Älterwerden, ums Sterben – und trotzdem, sagt Moffat, stecke darin auch echte Freude, bewusst als Gegengewicht zum düsteren Vorgänger „I’m Totally Fine With It 👍 Don’t Give A Fuck Anymore 👍“ aus dem Jahr 2024.
Erinnert sei an jenes Album, auf dem sich Arab Strap laut MusikBlog-Review „deutlich genervt über Schwurbler und Nazis, über Wichtigtuer und Kapitalismus, über Rattenfänger und Trittbrettfahrer“ zeigten, während das Schlagzeug unentwegt poltere und der Fuzz-Bass sich durch die Luft schneide.
Diese Wut hat sich mittlerweile offenbar in eine Art abgeklärte Altersweisheit verwandelt, ohne dass Arab Strap dabei zahnlos würden.
Musikalisch spannt das Album einen enormen Bogen von Disco über Post-Rock und Spoken Word bis hin zu Metal, garniert mit Folk- und Electronica-Elementen – und bleibt trotzdem unverkennbar Arab Strap.
Und dann wäre da noch das Video zu „Glamour Magick“, wieder inszeniert von Regisseur David Arthur, der schon den Werwolf-Clip zu „Strawberry Moon“ drehte.
Ein ergrauter, verzweifelter Moffat liest miese Kommentare unter seinem Bartpflege-ASMR-Kanal und sucht Trost bei einer finsteren Schönheitschirurgin – assistiert von niemand geringerem als Gitarrist Dr. Malcolm Middleton.
Aus der OP wird ein blutiges Ritual, danach ist die Kreditkarte gesperrt, und weil auch das Ersatzzahlungsmittel nicht reicht, bezahlt Moffat am Ende mit seiner Seele. Schönheit hat eben ihren Preis.
