Gestern ist der Original-Soundtrack zu dem neuen Christopher-Nolan-Film „The Odyssey“ von Ludwig Göransson erschienen. Darauf findet sich der Closer-Track „When I’m Home“, eine Kollaboration von James Blake, Travis Scott und Göransson.
Wer nach dem Abspann des neuen Christopher Nolan Films sitzen bleibt, wird mit „When I’m Home“ belohnt – einem gut fünfminütigen Stück, das sich Zeit lässt, bevor es seine volle Wirkung entfaltet.
Travis Scott liefert seine Zeilen mit jener rauen Melancholie, die man von ihm kennt, diesmal aber deutlich zurückgenommener als sonst und textlich näher an Homers Vorlage, als man es erwarten würde.
Sinnvoll ist das ohnehin: Nolan erklärte kürzlich, warum ausgerechnet ein Rapper in seinem Antikendrama auftaucht: Er wollte auf die mündliche Erzähltradition Homers verweisen, die er als eine Verwandte des modernen Rap begreift.
Eine steile These, die aber erstaunlich gut aufgeht, wenn man Travis Scott in der Rolle eines Barden durch Troja stolpern sieht, eine Rolle, die er auch im Film selbst übernimmt: zu Beginn als Geschichtenerzähler, später noch einmal kurz.
Für den melodischen Teil sorgt James Blake, der seinen ganz eigenen Geisterklang mitbringt, der sich seit Jahren wie ein Nebel über fremde Produktionen legt.
Erst im März dieses Jahres veröffentlichte er sein aktuelles Album „Trying Times“, über das es im MusikBlog-Review heißt: „Diese Platte ist James Blake von seiner besten Seite.“
Genau das bringt James Blake nun auch in „When I’m Home“ ein, während Ludwig Göransson die Fäden zusammenhält. Der Schwede, der schon den Rest des Scores komponierte, lässt den Song aus dem Nichts wachsen – erst kaum hörbar, dann dichter, bis am Ende fast orchestrale Wucht entsteht.
Ganz neu ist die Verbindung zwischen Travis Scott und Nolan übrigens nicht: Schon für „Tenet“ lieferte er 2020 mit „The Plan“ einen Beitrag, ebenfalls produziert von Göransson.
Diesmal reiht sich der Track als Abspannsong in den Soundtrack ein, der noch ein weiteres popkulturelles Detail am Rand bereithält: Samantha Morton, im Film als Zauberin Circe zu sehen, ist auch stimmlich auf dem gleichnamigen Song vertreten – die einzige weitere Musik-Kollaboration neben „When I’m Home“.
Wer Matt Damon als Odysseus, Tom Holland als Telemachos und Anne Hathaway als Penelope in einem modernen Antikenspektakel sehen wollte, bekommt also nicht nur ein Staraufgebot, sondern auch einen Soundtrack, der Homer und Hip-Hop unter einen Hut bringt.
