Protomartyr haben heute ihre neue Single „Sounds We Cannot Hear“ inklusive Musikvideo veröffentlicht. Der Song stammt von ihrem neuen Album „Hotel Usona“, das am 25. September via Domino erscheint.
Willkommen im Hotel Usona, einem Ort, der laut Protomartyr eher an ein heruntergekommenes Motel als an den amerikanischen Traum erinnert. Sänger Joe Casey hat sein Heimatland kurzerhand in ein Gebäude verwandelt, dessen beste Zeiten längst vorbei sind.
Jedes Zimmer bewohnt von einem eigenen Gespenst, jede Tür ein kleines Trauma. Schwere Kost, keine Frage – aber wer bei Protomartyr auf Leichtigkeit gehofft hat, war ohnehin bei der falschen Band gelandet.
Die neue Single „Sounds We Cannot Hear“ liefert den Soundtrack zu unserer kollektiven Erschöpfung: Scrollen, Starren, Wegdriften.
Casey seziert diesen Dauerzustand mit der trockenen Nüchternheit, die man von ihm kennt – kein moralischer Zeigefinger, eher ein nüchternes Protokoll des Wahnsinns.
Musikalisch bleibt sich die Band bei diesem neuen Werk vor allem darin treu, sich selbst nie zu genügen. Gitarrist Greg Ahee lässt sich diesmal von nahöstlichen Klängen und Exotica-Platten der Fünfzigerjahre inspirieren – eine weitere Schicht in einem Klanggebäude, das seine Spannung aus ständigen Verschiebungen bezieht.
Produziert hat Dave Fridmann in seinen Tarbox Road Studios, und man hört förmlich, wie viel Gewicht er den Songs verpasst hat.
Schon der Vorgänger, „Formal Growth In The Desert“ von 2023, bestand laut MusikBlog-Review aus 12 Songs düsterer Natur, „in deren Arrangements von der ersten Sekunde an eine spürbare Spannung erzeugt wird, auf deren Auflösung man meist vergebens wartet.“ Mit „Hotel Usona“ treiben Protomartyr diese Spannung nun auf die Spitze – lauter, wütender.
Wer noch Zweifel an der Statur der Band hegt, dem sei Iggy Pop empfohlen, der die Liner Notes zum Album verfasst hat. Er beschreibt Protomartyr nicht als Rock-Erlöser, sondern als vier Musiker, deren Beharrlichkeit zähle – Menschen, die sich lieber langsam einen eigenen Kosmos erspielen, als schnell zu triumphieren.
Zu der neuen Single gibt es ein Musikvideo mit Schauspieler Nate Varrone („The Bear“) in der Hauptrolle, das die klaustrophobische Stimmung des Songs bildgewaltig einfängt. Regie führten Danny Scharar und Harris Mayersohn, die darin zeigen, wie ein Mann in einem Sushi-Restaurant komplett durchdreht.
Erzählt wird aus drei Perspektiven gleichzeitig: klassische Kino-Bildsprache trifft auf Instagram-Storys und Überwachungskamera-Aufnahmen, als hätte jemand die Kontrolle über die eigene Erzählung ebenso verloren wie über die Nerven.
Ein Kniff, der gut zu einer Band passt, die sich ungern auf eine einzige Perspektive festlegen lässt.
