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Wenn sich das Vorgänger-Album „Cape Forestier“ (2024) von Angus & Julia Stone noch an der Sound- und Gefühlswelt der 60er und 70er Jahre bediente, dann hat sich das Geschwisterpaar für „Karaoke Bar“ in die Neon-Welt der 80er verliebt. Ihr siebtes Album schickt das Publikum direkt in die Spielhalle aus einem Teenie-Film jener Zeit – samt kindlichem Kribbeln im Bauch, sobald der erste Highscore blinkt.

Die klangliche Neuerung des Albums liegt in zwei Zutaten: zum einen in deutlich verstärkten elektronischen Elementen – E-Gitarren-Riffs, glitzernde Synth-Linien und vereinzelte Vocoder-Spielereien. Zum anderen in einem Lo-Fi-Vocal-Effekt, der die beiden Stimmen immer wieder klingen lässt, als kämen sie durch ein altes Telefon – stellenweise charmant retro, meistens aber too much, da die Stimmen darin förmlich ertrinken.

Entstanden ist die Platte auf Reisen rund um den Globus, was man den Songs streckenweise auch anhört. Gesanglich harmonieren Angus und Julia enger als je zuvor, mal im Wechsel, mal oktaviert. Schön anzuhören, aber wer auf gesangliche Experimente gehofft hat, wird enttäuscht: Es bleibt bei vertrauter Geschwister-Chemie, große neue Wagnisse werden eher nicht eingegangen.

Der Titeltrack „Karaoke Bar“ eröffnet mit Geigenlinien und Klavier und klingt fast wie eine Lord-Huron-Nummer mit guter Hook – bis die Produktion gegen Ende in einem Klangbrei versinkt und der Song viel zu abrupt abbricht.

Bei „Monroe“ sorgen groovige Drums, funkige Gitarren und ein traumhaft verzerrtes Solo für gute Laune, während „Celestial Bodies“ mit vielen interessanten Ideen jongliert, am Ende jedoch seltsam flach bleibt.

Einflüsse von Tame Impala und Cage The Elephant sind unüberhörbar, bei „Brightest Place“ driftet der Vocoder-Gesang mitsamt Instrumental Richtung The 1975.

„Take Me Back To Japan“ und „The Cherry Farm“ setzen auf zuckersüße Synth-Linien, die eher an Owl City erinnern als an die Indie-Folk-Wurzeln des Duos.

Bei „The Cherry Farm“ wird mit Sing-Along-Parts und der Ansage, es werde schon alles gut, die Kitschgrenze überschritten – man verdreht die Augen, wippt aber trotzdem mit. Die eklektische Instrumentierung mit Flöte, Synths und Geigen erinnert phasenweise an Harry Styles‘ „Harry’s House“ (2022) – überall blitzen neue Klangfarben auf, allerdings ohne dass daraus wirklich Dramatik entsteht.

Eine große Spannungskurve gibt es auf dem Album nicht. Kein Song bricht aus, keiner geht unter, die Platte plätschert angenehm vor sich hin, bis sie irgendwann einfach vorbei ist.

Wer bereit ist, den eigenen Zynismus über den Zustand der Welt für eine Weile abzulegen, darf sich getrost von den unbeschwerten Wohlfühl-Zeilen und den verträumten Sounds aus der „Karaoke Bar“ einlullen lassen.

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