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Wenn die Grenzen zwischen Klang und Körperlichkeit verschwimmen: Auf ihrem letzten Album „Something In The Room She Moves“ (2024) vertonte Julia Holter große Themen wie den Kreislauf des Lebens, Trauer und Mutterschaft in einer fließenden Ästhetik. Als Nachfolgealbum geht „Materia“ größtenteils aus denselben Songwriting-Sessions hervor und geht der Sache mit der Materie nochmal genauer auf den Grund.

Holter spielte schon früh mit einer gewissen Entrücktheit und einer Form von Ungreifbarkeit in ihren immer an Kammerpop gelehnten Indie-Pop- und Folk-Arrangements. Seit 2015 und „Have You In My Wilderness“ legen ihr dafür Musik-Kritiker*innen und Fans entschleunigender Erfahrungen Blumen auf die Fußmatte.

So überrascht es dann sogar etwas, dass Holter im Opener „The Laugh Is In The Eyes“ direkt mit ihrer eigenen Stimme startet und im – für Julia-Holter-Verhältnisse – recht eingängigen Setting loslegt. Aber es ist schon hier spürbar: Das Ziehen, das Fließen, das Pluckern, das immer wieder unvorhersehbar im Hintergrund kommt und geht.

Häufig sind die einzelnen Instrumente und Ursprünge der Klänge gar nicht mehr genau zu dechiffrieren, aber darum soll es auch nicht gehen. Holter versuchte mit ihren letzten Werken bereits, das Körperliche auch zu einer klanglichen Erfahrung zu machen und genau das geht „Materia“ ohne Rücksicht auf Eingängigkeit ein.

Im Herzen des Albums stehen die Schwestern-Songs „Materia 2“ und „Materia 3“, die sich in emotionale Kreise hochwinden, völlig anders und doch so gleich klingen.

Wer seinen Puls wenigstens für 35 Minuten von dem ewigen Lärm von Algorithmen und Schnelllebigkeit befreien kann, kann mit diesem Album wieder die typische Holter-Sanftmut eröffnen.

My Lost One“ macht das noch recht klassisch mit elfischen Background-Vocals und hypnotisierendem Meditationsgesang, bei Songs wie dem elektronisch zerfransten „Clepsydra“ oder dem immer wieder changierenden „My Twin“ wird es dann gewohnt abseitig und vielfältig.

Mit „Materia“ weitet sich Holters Welt um weitere, in ihren liebevollen Details flirrenden Kapitel. Ein meditativer Ausflug für den gesamten Körper.

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