Giant Rooks sind (neben Milky Chance) der größte Indie-Act Deutschlands und das auch international. Dem dritten Album „If Heaven Exists, This Might Be It“ hört man die Größenordnung der Band im Guten wie im Schlechten an. Aber wenn schon Headliner-Indie, dann gerne so.
Das Quintett aus Hamm spielt seit dem Release des Debütalbums „Rookery“ (2020) Jahr um Jahr in größeren Hallen. Mittlerweile stehen sogar Konzerte in anderen Ländern an, der Export dieses fraglos international klingenden Sounds funktioniert also.
Keine große Überraschung, denn was die GIant Rooks machen, ist handwerklich sauber, klingt immer wieder richtig groß und hat gleichzeitig auch so gut wie keine Ecken, an denen sich typische Radio-Hörer*innen stoßen würden. Wenn Giant Rooks auf Heavy Rotation ist, wird es wenige aufgeregte Anti-Kommentare geben.
Für das dritte Album zog sich die Band jetzt aber erstmal nach Großbritannien zurück und tüftelte dort an einer Platte, die möglichst organisch klingen soll, die für Gemeinschaft in einer isolierten Zeit steht, die über Liebe und Verlust singt. Oder anders gesagt: Giant Rooks doing Giant Rooks things.
„If Heaven Exists, This Might Be It“ geht in Sachen Songwriting und Melodien oft den einfachen, vorhersehbaren Weg. Das, was gut vor großem Publikum funktioniert, wird gespielt. Hymnische Mitsing-Refrains, aufbauschende Bridges, maximal intensive Emotionen jeder (im Radio gestatteten) Art.
So weit, so belanglos. Aber: Unter diesem Deckmantel verkauft dieses Album richtig gute Indie-Ware, wenn man es denn zulässt. Immer wieder wird es politisch, nahezu existenziell. Es geht um alles, sagen auch die Giant Rooks.
„The Future Is Cancelled“ ist so abgründig, wie der Titel verspricht und hier drücken die Chöre am Ende bei all der Finsternis da draußen auch schon mal stark auf die Tränendrüsen.
„Blood On The Dashboard“ ist eine für diese Band ungewöhnlich direkte Ansage gegen die erstarkende Rechte mit Zeilen wie „They blame it on the immigrant running for his life“ oder gegen Sweatshops.
Passend dazu wird es immer wieder düster, nicht alle Songs öffnen sich der folkigen Unbekümmertheit (auch wenn das mit Tracks wie dem funky „Baby, Please“ auch noch auf der Platte bleibt), sondern lassen die Abgründe auch mal im Raum stehen.
Diese neuen Facetten stehen der Band um den Ausnahme-Sänger Fred Rabe hervorragend. Das Kleinod der Platte traut sich dann sogar an ganz neue Stimmungsbilder: Gemeinsam mit der französischen Sängerin Solann webt sich „The Waves“ ganz zärtlich nach vorne, die Synthies sind eher Electronica als Indie, die Texte eher philosophisch als Format-Radio.
Am Scheideweg zwischen Hymnen für große Bühnen und stilvollen Sound-Erweiterungen gehen die Giant Rooks einfach beide Wege. Eine spannende Entscheidung.
