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Wir sind ja keine Avatare – Hundreds im Interview

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Nach dem weltweiten Erfolg ihres gleichnamigen Debütalbums mit Einladungen zu wichtigen Festivals wie SXSW in Austin oder den Iceland Airwaves bringt das Hamburger Popduo Hundreds nun sein zweites Album heraus. Warum „Aftermath“ trotz aller Melodramatik leichter geworden ist, was das mit ihnen persönlich zu tun hat und warum die Musik im Theater am besten funktioniert – darüber redet das Geschwisterpaar Eva und Philipp Milner im MusikBlog-Interview.

MusikBlog: Ihr lasst angeblich lieber die Musik für euch sprechen, als darüber zu reden.

Eva: Das stimmt.

MusikBlog: Weil es darüber nichts zu sagen gäbe?

Philipp: Doch, doch. Und wir entziehen uns auch nicht jeder Diskussion darüber, gehören aber beide nicht zu der Sorte Künstler, die sich gern in den Vordergrund drängt.

Eva: Und ich selber mag es bei denen, die mir gefallen, auch nicht, alles über sie zu erfahren. Ein kleines Geheimnis um die Musik herum ist einfach schöner, deshalb haben wir gerade zu Beginn gesagt, erstmal sie statt uns sprechen zu lassen.

MusikBlog: Das hat sich jetzt geändert?

Eva: Ja, denn allein durch Facebook ist es ungeheuer schwer, als Personen hinter der Musik zu verschwinden. Trotzdem zeigen wir auf keinem Fall alles. Hundreds und die Geschwister dahinter sind und bleiben zwei völlig verschiedene Welten.

MusikBlog: Aber die Lieder haben schon mit euch persönlich zu tun?

Philipp: Natürlich, ganz viel sogar.

MusikBlog: Lernt man euch durch die Musik auch als Menschen kennen?

Eva: Nein, dafür müsstest du uns schon jenseits der Musik erleben. Unser Alltag ist davon zwar nicht entkoppelt; wir sind ja weder Avatare noch Kunstprodukte. Aber was ich zum Mittag gegessen und für Vorlieben habe, spielt darin keine Rolle. Vielleicht hat das auch mit dem Alter zu tun; jüngere Künstler gehen viel offener mit sozialen Medien und deren Offenbarungsmöglichkeiten um. Mit Anfang, Mitte 30 ist man da wohl noch anders sozialisiert. Trotzdem sind wir und unsere Texte aus einem Guss.

MusikBlog: Und erzählen eher Abstraktes oder Konkretes aus eurem Leben?

Eva: Definitiv Abstraktes, obwohl es viel mit mir zu tun hat. Um da die Distanz zu meiner Person zu bewahren, arbeite ich allerdings viel mit Metaphern.

MusikBlog: Aber auch mit der typischen Ich-Perspektive der Hamburger Schule.

Eva: (lacht) Die gibt’s auch, ja. Das Titelstück „Aftermath“ zum Beispiel erzählt von einem Brief, den ich an eine Freundin geschrieben habe, die ich kenne, seit wir sechs Jahre alt sind. Da geht es darum, dass ich oft von ihrem Elternhaus träume, in dem ich herumlaufe. Dabei spreche ich diese Freundin sogar direkt an, es bleibt aber eine eher märchenhafte Stimmung, nichts Konkretes. In diesem Spannungsfeld zwischen Realität und Poesie bewegen sich meine Texte oft.

MusikBlog: Drückt es sich bewusst durch eine gewisse Schwermut aus, die aus fast allen eurer Lieder spricht?

Philipp: Ich glaube schon, auch wenn es gewiss kein schwermütiges Album ist. Wir sind zwar beide ausgewiesene Melancholiker, aber nur musikalisch. Als Menschen können wir ziemlich fröhlich sein, als Musiker können wir gar nicht anders als melancholisch. Selbst ein Reggae klänge bei uns so; da können wir nicht aus unserer Haut.

MusikBlog: Obwohl „Aftermath“ im Vergleich zum ersten Album leichter klingt.

Eva: Ich würde sogar  sagen: Poppiger. Jedenfalls organischer, gerade zu Beginn. Zum Ende hin wird’s dann elektronischer und düsterer, also auch ein wenig schwerer.

MusikBlog: Trotzdem klebt man euch gern das eher leichte Label Elektro-Pop an.

Eva: Das ist aber auch okay. Zumal wir live ohne normales Band-Setup auf der Bühne stehen.

Philipp: Aber Elektro-Pop ist ja nicht nur 2raumwohnung, sondern auch Little Dragon, kann also zwischen leicht und schwer alles Mögliche sein.

MusikBlog: In eurem Fall auch ein wenig theatralisch.

Eva: Warum?

MusikBlog: Zum Beispiel, weil ihr auf der aktuellen Tour allein in vier Theatern auftretet.

Eva: Das folgt weniger einer bestimmten Dramaturgie als dem Bedürfnis, den Zuhörern etwas Besonderes zu bieten wie eine gemütliche Atmosphäre im kleinen Rahmen, die Theater leichter erzeugen können. Das ist eher ein Geschenk an unsere Fans. Aber die Konzerte werden dort nicht grundsätzlich anders verlaufen als in normalen Clubs. Nur eben intimer. Und natürlich bestuhlt. Wobei mir stehendes Publikum schon dadurch näher ist, dass es Bewegung hat und Dynamik. Musik braucht beides, um eine Verbindung zum Publikum aufzubauen.

MusikBlog: Warum löst ihr die dann wieder ein Stück weit durch die englische Sprache?

Eva: Es stellt sich immer die Frage, warum man nicht in seiner Muttersprache singt, die weit mehr Möglichkeiten offenbart, sich auszudrücken. Aber ich habe es versucht, vor langer Zeit, als es Hundreds noch gar nicht gab. Das klang einfach wie Blumfeld, also zu nah an mir, das wollte ich vermeiden, obwohl ich selber leidenschaftlich gern Musik mit deutschen Texten mag.

MusikBlog: Nämlich?

Eva: Ich bin noch immer ein riesengroßer Fan von Tocotronic, die wird mein Musikgeschmack nie abschaffen. Aber als Sängerin reinigt das Englische meine Gedanken und frischt sie auf.

MusikBlog: Sofern man nicht für jeden Gedanken ständig im Dictionary klebt.

Eva: Das tue ich nicht, keine Sorge, obwohl ich immer eins dabei habe. Dennoch sammle ich schöne englische Worte und spiele damit. Das ist fast ein Sport von mir geworden.

MusikBlog: Der auch einen gewissen Zugang zum internationalen Markt schafft oder?

Philipp: Das ist zwar keine strategische Entscheidung, aber ein angenehmer Nebeneffekt. Mit deutschen Texten wären wir wohl weder zu den Iceland Airwaves noch SXSW in Austin eingeladen worden.

Eva: Trotzdem hat die Sprache vor allem mit mir und meinem Ausdrucksbedürfnis zu tun. Wir sind da nicht marktwirtschaftlich motiviert.

MusikBlog: Hat eine Band wie Boy, deren Gesang ähnlich klingt wie euer, den Weg bereitet für deutsche Bands im Ausland?

Eva: Witzigerweise haben die als Vorband von uns gespielt, aber es stimmt schon: Boy haben nach langer Zeit mal wieder gezeigt, wie erfolgreich deutsche Bands international sein können. Das ist auch super für alle anderen wie uns. Boy kommen ja sogar in Japan und den USA gut an.

MusikBlog: Ihr allerdings auch.

Eva: Aber noch nicht in dem Maße.

MusikBlog: Hält man euch im Ausland überhaupt für Deutsche? Euer Gesang ist wie der von Boy ja praktisch akzentfrei.

Eva: Unterschiedlich. Ich wurde schon gefragt, aus welchem Teil New Yorks ich denn stamme, aber es gibt da schon einen deutschen Akzent, wie ich finde.

MusikBlog: Hat es eine Bedeutung, dass Boy und Hundreds beide – zumindest teilweise – aus Hamburg stammen?

Eva: Es hat eine Relevanz für unser Lebensgefühl und Entstehen. Philipp ist zwar ins Wendland gezogen, aber auch wenn die Übungsraumproblematik in Hamburg immer größer wird und unsere Infrastruktur zusehends in Berlin ist, werde ich der Stadt immer treu bleiben.

MusikBlog: Ist die immer noch eine wichtige Startrampe für Indiebands?

Eva: Schon, weil mich Berlin zu sehr verwirrt hätte. Hamburg hat trotz aller Möglichkeiten – anders als Berlin – eine gewisse Ruhe, um sich zu entwickeln.

MusikBlog: Inwiefern tun Hundreds das noch – sich entwickeln?

Philipp: Also wir haben uns live gerade vergrößert und treten jetzt mit Schlagzeuger auf. Aber nur auf der Bühne. Ansonsten bleiben Hundreds Hundreds.

MusikBlog: Was hat es mit dem Namen eigentlich auf sich?

Eva: Den habe ich geträumt, als wir gerade auf der Suche nach einem Bandnamen waren. Wir haben uns in diesem Traum immer weiter vervielfacht. Und Philipp meinte dann nur: Hundreds.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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