Bo Ningen - IIIBo Ningen waren schon immer ein kleines Phänomen. Hüftlange Haare, extrovertierte Kleidung und vor allem ihr experimenteller Sound lassen die Band geheimnisvoll wirken. Auf ihrem dritten Studioalbum “III” testen sie erneut die Grenzen des musikalisch Möglichen.

Wie gewohnt eröffnet Sänger Taigen Kawabe die Platte in “DaDaDa” mit einigen Gesangseskapaden. Seine feminin anmutende Stimme begibt sich schnell in die höchsten Höhen, während die Band um ihn herum an ihren Instrumenten lospoltert.

Im ersten Augenblick mutet dies disharmonisch an. Im Verlauf von “III” fügen sich die Melodien jedoch zusammen und bilden eine Achterbahnfahrt bei der sich Explosionen und Ausbrüche mit langsameren Songs abwechseln. So folgt beispielsweise auf das breitbeinig rockende “CC” (inklusive Screams) das ruhige “Mukaeni Ikenai”, das als gitarrenlastige Downtempo-Nummer verbucht werden kann. Doch die Idylle wird schon bald durch “Maki-Modoshi” gestört, in dem die Klampfen aufheulen. “Mitsume” schließt sich an und zieht sich wieder etwas stärker in den Psychedelic Rock zurück.

In ein Genre einordnen lassen sich Bo Ningen somit nicht. Obwohl sie gemeinhin als Vertreter des modernen Psych-Rock gelten, begeben sie sich auch in die Gefilde des Punk, Metal, Screamo und Post-Rock.

Dass die Texte fast vollständig auf Japanisch vorgetragen werden (nur ab und zu fließt das Englische ein, etwa wenn Jehnny Beth von Savages oder Roger Robinson von King Midas Sound mit einsteigen), verschafft dem Album eine zusätzliche Mystik. Sowohl Text, als auch Klang bleiben stellenweise unverständlich.

“III” endet so wie es begonnen hat: abrupt. Der letzte Song “Kaifuku” bricht einfach ab und lässt den Hörer mit dem Gefühl zurück, nicht zu wissen, wie sich dieses Album einordnen lässt. Schlussendlich gefällt allerdings genau das an “III”: das Unangepasste, das Trotzige, das Laute und Wütende, das Nicht-in-die-Charts-kommen-Wollende.

Dazu passt es, dass sich die vier in London lebenden Japaner partout nicht in eine Schublade pressen lassen und das vertonen, wonach ihnen der Sinn steht. Und wenn dieser Sinn nach brachialen Songs verlangt, dann sei es so. Bequem ist “III” zu keiner Zeit.

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