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First We Take Berlin Festival 2014

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Was die Fashion Week für die Modewelt ist, ist die Berlin Music Week für all diejenigen, die lieber Tag für Tag Musik in sich aufsaugen möchten. Und das am besten live mit einem dazugehörigen Terminkalender, der eigentlich kaum dafür ausgelegt ist all die verschiedenen Veranstaltungen zu fassen, die sich im Programm tummeln. Sich bei dem Überangebot aus Showcases und musikalischen Themenabenden zu entscheiden, fällt schwer und grenzt in der Umsetzung beinahe an Leistungssport.

Als wäre das Berlin Festival nicht genug in Sachen Unterhaltung, sorgen schon zwei Abende vorab Dutzende von internationalen Bands in der Stadt dafür das Publikum auf das große Event am Wochenende einzustimmen bzw. ihm in weitaus intimerer Atmosphäre die Gelegenheit zu geben eine Vielzahl von Bands auszuchecken. Nach wie vor versteht sich First We Take Berlin, der kleine Bruder des Berlin Festivals, als Newcomer-Schmiede, in der auch weniger bekannte Bands eine Plattform bekommen.

Hat man sich dann doch einmal durch das immense Programm gewühlt und sich einen Schlachtplan für den Abend zurechtgelegt, muss man auf dem Weg in die jeweils teilnehmenden Clubs rund um Kreuzberg und Friedrichshain höchstens ein paar schnelle Füße aufweisen und unter Umständen Ellenbogen mitbringen, um sich von einem Konzert zum nächsten durchzuschlagen. Selbst auf den Straßen herrscht reger Trubel und es liegt ein allgemeines Gefühl von großer Unternehmungslust in der Luft, wenn man die Scharen an Menschen betrachtet, die es von einem Konzert zum nächsten zieht.

Das Bi Nuu steht dabei einen ganzen Abend lang im Zeichen der französischen Musikkultur und fährt unter dem Motto „French Connection“ eine Handvoll Künstler aus unserem Nachbarland auf, die uns regelmäßig mit frischen Pop-Klängen versorgen. Dabei wird aber besonders im Rahmen dieser Veranstaltung schnell deutlich, dass die zeitgenössische französische Musiklandschaft mehr als den oftmals zu uns rüber schwappenden Dream-Pop-Sound zu bieten hat.

Allen voran bricht am ersten Abend von First We Take Berlin der französische Musiker Talisco mit dieser Tradition und stellt im Rahmen des Festivals erstmals auf deutschem Boden Songs aus seinem noch diesen Monat erscheinenden Debütalbum „Run“ vor. Als erstes Signing vom wieder auferstandenen Label Virgin Records knüpft Jérôme Amandi, wie er mit bürgerlichem Namen heisst, mit seiner „My Home EP“ aus dem letzten Jahr nun auf LP-Länge daran an. Die darauf zum Ausdruck kommenden Sehnsuchtsmomente und das Gefühl von Weite entfalten sich auch im doch begrenzten Club-Raum des Bi Nuu. Taliscos Songs sind regelrecht von einer inneren Aufbruchsstimmung getrieben, die die dreiköpfige Live-Band auf der Bühne mit einer energiegeladenen Performance unterstreicht. Bisweilen tigert Amandi mit weit aufgerissenen Augen umher, aus denen großer Tatendrang spricht. Ein Künstler,  den man ab sofort auf dem Radar behalten sollte.

Jemand, der bereits in den einschlägigen Medien für Furore sorgt, ist der Engländer Adam Bainbridge, der unter dem Namen Kindness bereits vor zwei Jahren mit seinem Debüt „World, You Need A Change of Mind“ auf sich aufmerksam machte. Was dieser bei seinen Shows an Funk-Appeal und schwungvollem Soul-Pop ausstrahlt, lässt selbst den größten Tanzmuffel mit den Füßen wippen. Kindness selbst gibt auf der Bühne leichtfüßig den Ton an, indem er grazil und losgelöst zugleich seine im feinen Anzug steckenden Beine über die Bühnenbretter fliegen lässt. Den Hut mit breiter Krempe lässig auf dem Kopf balancierend, stürmt er mitten im Set sogar kurzzeitig in die Zuschauermenge, um dort unmittelbar den Bewegungsdrang zu steigern und den Kontakt zu seinen Fans zu suchen. Sein Auftritt grenzt fast schon an ein Happening mit großem Unterhaltungsfaktor, dem sich an diesem Abend nur schwer jemand entziehen kann. Zwischendurch tankt Kindness Energie und füllt die angegriffenen Reserven mithilfe einer „Stage Banana“. Nur, um dann im nächsten Moment erneut die Tanzlust zu schüren und im großen Finale der Show die in schwarzen Lackschuhen zappelnden Füße unbändig zu bewegen.

Kurz danach legen es auch Zoot Woman darauf an, die immer weiter voranschreitende Nacht dafür zu nutzen, das Astra mit ihrem Elektro-Pop zu versorgen und den Zuschauern jeglichen Anflug von etwaiger Müdigkeit auszutreiben. Das funktionierte dank ihres Sets, bestehend aus Klassikern wie „Hope In The Mirror“, „It’s Automatic“ oder „Grey Day“, ausnahmslos gut. Doch auch Songs ihres gerade veröffentlichten Albums „Star Climbing“ konnten sich inmitten dieser Fülle an älterem Material behaupten und lieferten den Beweis dafür, dass die live nur noch als Duo bestehende Band noch längst nicht müde geworden ist. Johnny Blake untermauert als Frontmann zwar weiterhin seinen Status als eher zurückhaltenden Musiker und punktet live lieber mit musikalischen statt verbalen Ansagen, aber angesichts solch eines Sets bedarf es auch nicht vieler Worte.

Die diesjährige Ausgabe von First We Take Berlin bot, wie schon in den Jahren davor, auch dieses Mal eine Fülle von vielen sehenswerten und spannenden musikalischen Abenteuern, auf die man sich ohne mit der Wimper zu zucken einlassen wollte. Eigentlich ein wenig dekadent, was die Berlin Music Week einem da so verführerisch und ausladend auf dem Silbertablett serviert. Auch wenn es immer heisst, die Musikbranche wäre auf dem absteigenden Ast, bleibt nach Events wie solchen ein durchaus positiver Eindruck zurück, der vor allem deutlich zeigt, dass auch „die Kleinen“ den so wichtigen und nötigen Raum zugesprochen bekommen.

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