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DZ Deathrays (Credit Matthias Rüby/MusikBlog)
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DZ Deathrays (Credit Matthias Rüby/MusikBlog)
DZ Deathrays (Credit Matthias Rüby/MusikBlog)

Kein Australier mag AC/DC – DZ Deathrays im Interview

DZ Deathrays, die im Sommer ihr zweites Album „Black Rat“ veröffentlichten, sind derzeit auf Tour (MusikBlog berichtete und präsentierte) mit einem grandiosen gestrigen Abschluß der Deutschland-Etappe. MusikBlog traf die sympathischen Jungs zum Interview, in dem sie uns erläuterten, wie es ist, in einer Kleinstadt aufzuwachsen, warum sie auch Dance DJs sein könnten und was AC/DC für sie bedeutet.

MusikBlog: Wie kommt man in einem Kaff namens Bundaberg in Queensland, Australien zum Musikmachen?

Shane Parsons: Wir wollten schon immer Musik machen und in Bands spielen. Sowas wie eine Musikszene gibt es in Bundaberg nicht, deswegen sind wir auch, so wie jeder, von dort weg und nach Brisbane gezogen. Ich habe mit 13 oder 14 angefangen, Gitarre zu spielen und kurz darauf in einer Schülerband gespielt. Dann sind wir zur Uni gegangen und ich habe ca. 2 Jahre in der Indie-Band eines Freundes gespielt.

MusikBlog: Wie entstand dann DZ Deathrays?

Shane: Die Musik mit der Uni-Band war ok, aber es war nicht ganz das, was ich machen wollte, ich wollte es etwas „heavier“. Simon und ich kannten uns schon aus Bundaberg, wir haben zusammen gewohnt und immer gemeinsam dort geprobt. So haben wir dann mit noch einem Freund die Band Denzel gegründet. Nachdem sich der Freund entschieden hatte, nach Frankreich zu gehen, hat Simon Schlagzeug gelernt und wir haben zu zweit als DZ Deathrays weiter gemacht.

MusikBlog: War es leicht am Anfang?

Shane: Überhaupt nicht. Wir haben sehr viele Absagen für Auftritte erhalten. Daher haben wir zunächst hauptsächlich auf Hausparties gespielt, was super war, man konnte hinfahren, trinken, spielen und dann dort übernachten. Aber nach und nach sind wir bekannter geworden. Und eines Tages kam Maggie Collins (eine bekannte Managerin in Brisbane, die auch die John Steel Singers betreut) nach der Show zu uns und sagte: „Ich möchte eure Managerin sein“. Und genau in dieser Nacht bekamen wir über einen Freund das Angebot, als Support für Crystal Castles zu spielen.

MusikBlog: Was ziemlich andere Musik ist.

Shane: Genau. Aber Crystal Castles hat uns ausgesucht. Sie hatten eine Liste mit verschiedenen Vorschlägen, aber sie wollten eine Punk-Band. Für uns war das großartig, wir hatten vorher nur in kleinen Räumen in Brisbane gespielt und nun spielten wir in Städten wie Melbourne vor 1.000 Leuten.

MusikBlog: Kommt daher auch eure Vorliebe für elektronische Musik?

Shane: Elektronische Musik haben wir schon immer gemocht. Als wir die Band gegründet hatten, haben wir überlegt, in welche musikalische Richtung es gehen sollte. Also haben wir alle Bands, wie die wir ungefähr klingen wollten, auf einen Zettel geschrieben und an den Kühlschrank geklebt. Auf der Liste waren z.B. Justice, also elektronische DJ Musik, aber auch Bands wie Death From Above 1979, The Bronx, Sonic Youth usw. Immer, wenn wir am Kühlschrank vorbei gegangen sind, haben wir versucht, uns in Erinnerung zu rufen, welchen Sound wir machen wollen. Den haben wir dann nach und nach entwickelt und versucht, ihn immer größer zu machen, so gut es eben mit einer Zwei-Mann-Band geht.

MusikBlog: Inwiefern hatte DJ Musik Einfluss auf euch als Band?

Shane: Es hat keinen direkten Einfluss, auch wenn wir es immer noch gern hören. Aber zu Beginn der Band waren wir auf vielen DJ Festivals und waren sehr beeindruckt von der Art, wie DJs mit Build-Ups und Drops, also Höhen und Tiefen, agieren und wie die Leute darauf reagieren. Also, haben wir entschieden, in unsere Musik auch Dance-Elemente einfließen zu lassen.

MusikBlog: Dance-Music-Elemente im Punk-Rock?

Simon: Ja, zum Beispiel bei der Art, wie wir die Musik aufbauen oder bestimmte Schlagzeug-Elemente als zweiten Beat hinzufügen. Man kann so einen sehr viel größeren Sound erzeugen.

Shane: Wir haben ja als Zwei-Mann-Band nur Schlagzeug, Gitarre und Gesang zur Verfügung, daher suchen wir immer nach Wegen, unsere Musik interessanter klingen zu lassen. Unser zweites Album „Black Rat“ haben wir wie eine Dance-Platte aufgenommen. Unser Produzent hatte die Vorstellung, lockere Vibes mit straffem Beat zu verbinden. Also haben wir das versucht, indem wir einige Sachen gesampelt haben oder bestimmte Gitarren-Riffs in unterschiedlichen Höhen gespielt und dann übereinander gelegt haben. Die Songstruktur variiert oft, ganz so wie bei Dance-Music.

MusikBlog: War das der wesentliche Unterschied zur ersten Platte „Bloodstreams“?

Shane: Ja, auf jeden Fall. Das erste Album haben wir eher wie ein Live-Album eingespielt, während ich z.B. für „Black Rat“ Gitarre und Bass separat eingespielt habe. Damit klingt die Musik viel größer.

MusikBlog: Was ist mit den Rock/Punk-Einflüssen?

Shane: Der größte Einfluss auf uns war sicher Death From Above 1979. Wir waren bei dem Reunion-Konzert auf dem SXSW Festival im März 2011 und sagten uns, wenn sie es können, dann können wir es auch. Aber auch …And You Will Know Us By the Trail Of Dead mögen wir, wir waren früher oft auf ihren Konzerten. Kürzlich meinte auch ein Freund, wir klingen etwas wie Les Savy Fav aus L.A. Die hab ich mir dann angehört und mag sie seitdem sehr.

MusikBlog: Und die größte australische Rockband aller Zeiten?

Shane: Du meinst AC/DC? Wir sind mit AC/DC aufgewachsen. Ich liebe AC/DC. Aber ich denke, kein Australier mag AC/DC. Es ist kein Einfluss auf uns, höchstens deren Einstellung. AC/DC steht sehr stereotypisch für Australien: Du fährst mit deinem Pick-up Truck mit dem Hund hinten drauf in die nächste Kneipe und hörst dabei laut AC/DC (lacht).

MusikBlog: Hard-Rock ist dennoch wieder im Kommen, mit Bands wie Royal Blood, The Datsuns, usw.

Shane: Das stimmt, vor einigen Jahren war Hard-Rock nahezu tot. Aber jetzt gibt es viele Bands, mit denen wir teilweise auch verglichen werden, und das hilft uns natürlich.

MusikBlog: Denkt ihr schon an das nächste Album?

Shane: Ja. Aber wir wohnen jetzt in unterschiedlichen Städten, Simon noch in Brisbane und ich mittlerweile in Sydney. Wir können also nicht wirklich zusammen proben, aber wir nehmen die Sachen auf dem Smartphone auf und schicken es uns per E-Mail. Vielleicht nutzen wir diese Möglichkeiten mehr und vielleicht wird unsere nächste Platte elektronischer.

Simon: Oder wir werden einfach DJs.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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