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The Ministry Of Wolves – Happily Ever After

Nach der Pflicht folgt nun die Kür. Erst im März erschien das Debüt des All-Star-Ensembles „The Ministry of Wolves“ um den musikalischen Leiter des Dortmunder Schauspielhauses Paul Wallfisch, in dem außer ihm noch Alexander Hacke , Mick Harvey und Danielle de Piciotto mitwirken. Komponiert und arrangiert wurde die Musik als Soundtrack zur dortigen Aufführung „Republik der Wölfe“, einer grimmigen Adaption von Märchen der Gebrüder Grimm.

Losgelöst von dem Bühnenstück präsentierte das Bandprojekt die Stücke im Frühjahr auf einer Tournee, wo im Verlauf der Konzerte den Besuchern weiteres unveröffentlichtes Material präsentiert wurde. Einiges davon findet sich jetzt zusammen mit Stücken des Vorgängers in deutscher Übersetzung sowie als Alternativ-Versionen vom diesen ersten Album als „Happily Ever After“ den Weg in den Vertrieb. Neben der CD wird es eine exklusive, auf 500 Stück limitierte Doppel-Vinyl Ausgabe geben, die wahlweise in schwarz oder gelb zu haben ist.

Die Aufnahmen sind Liebhaber–Stücke geworden, die es in sich haben, allein wegen des eröffnenden „12 Princess“, im Original „Die zertanzten Schuhe“, wird sich der Sammler entschädigt fühlen und der Erst-Hörer begeistert sein. Als Moritat angeboten, singt beziehungsweise erzählt Hacke hörbar berauscht über beinahe vierzehn Minuten den Werdegang des Märchens und klingt dabei manchmal wie Bob Dylan auf „The Times They Are A-Changin“. Im Background seufzt dazu der sonore Herrenchor „He will understand“in bester Bad Seeds Manier. Großartig klingt das, der Rest der Platte ist dann willkommene Zugabe.

Für Kinder, die sich partout nicht gruseln wollen, hat Danielle di Piccotto die dunkle Geschichte von der weißen Schlange parat, die dazu eingespielten schrägen Voice-Fetzen klingen so surreal wie Frank aus Donnie Darko. Zur Sicherheit oder für mehrsprachig aufwachsende Kinder gibt es das Stück später noch einmal im Englischen. Vom hervorragenden Deutsch des Mick Harvey konnte man sich auf der Tour am Merchandising-Stand überzeugen, hier hat sein charmanter Akzent natürlich andere Aufgaben und zwar, die Moral der Geschichte vom „Froschkönig“ korrekt wieder zu geben. Auch Rapunzel ist sein Part, die traurige Love-Story interpretiert er in seiner typischen Mischung aus Bar-Jazz und Chanson.

Was beim bereits auf dem Erstlingvertretenen „Red Riding Hood“ anders sein soll, bleibt nicht schlüssig nachvollziehbar, einzig auffällig ist die um 3 Sekunden kürzere Dauer. Aber egal, das ausgiebige Auskosten der Möglichkeiten von Gitarren-Verzerrer und Feedback-Effekten durch die Musiker hält auch in der Wiederholung die Spannung hoch. Wallfisch klimpert dazu wild die Tasten und erinnert noch einmal angenehm an den Live-Auftritt der Band als er im Stile eines Nick Cave Avatars über die Tasten raste.

Schon während der Konzerte war das von Hacke wie im Wahn vorgetragene „Rumpelstilzchen“ ein absoluter Höhepunkt, diese Stimmung hat es auch auf die Konserve geschafft, Hacke keift, zischt, faucht, säuselt und lässt „Just like a fish on a hook dance the dance of death“ alle am Spaß, den er dabei hat, partizipieren. Das bisher ebenfalls noch unveröffentlichte Stück „The Wonderful Musician” schließt die Platte und klappt als melancholische Ballade das Märchenbuch zu.

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