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Wir hingen nicht mit den Büffeln in Wisconsin herum – The Staves im Interview

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Jeder Musiker hat wohl schon einmal schwitzend unter der Studiodecke neue Songs ausgebrütet und die Stirn wiederholt in Falten gelegt. Die Aufnahmen eines Albums zerren mitunter an den Kräften und bringen selbst die erfahrensten Künstler kurzzeitig aus der Fassung. The Staves blieb ein Erlebnis wie dieses bei ihrem zweiten Streich „If I Was“ zum Glück erspart. Beinahe zufällig entstanden die neuen Stücke in Sessions, die alles andere als nervenaufreibend waren. Ihre Energie verwendeten die drei Engländerinnen dafür lieber, um mit ihrem Freund und Produzenten Justin Vernon von Bon Iver daheim in dessen Studio in Wisconsin die Lachmuskeln zu trainieren. Bevor sie sich versahen, steckten sie mittendrin im Entstehungsprozess des neuen Albums und ließen ihrer Kreativität, umgeben von der rauen Natur ihren freien Lauf. Wir hakten einmal bei den Schwestern nach, wie man es schafft, so ungezwungen zu arbeiten und ließen uns erläutern, weshalb Freundschaft dabei eine so bedeutende Rolle spielt.

MusikBlog: Nach aussen hin erweckt es den Anschein, ihr hättet beinahe mühelos euer zweites Album „If I Was“ aufgenommen. Nichts ist spürbar von eventuellen Anstrengungen. Ist die Entstehungsphase wirklich so angenehm verlaufen?

Emily: Wir haben uns immer gefragt, wie es Bands hinbekommen, auf so unkompliziertem Wege ein Album aufzunehmen. Jetzt wissen wir es! Der ganze Prozess rund um das Album war tatsächlich stressfrei und hat uns sehr viel Spaß gemacht. Wir konnten uns ganz darauf konzentrieren, uns kreativ zu entfalten und hatten mit keinerlei Hindernissen zu kämpfen. Ausserdem war es wundervoll, mit so vielen Freunden an der Platte zusammenzuarbeiten. Es gab weder untereinander noch im Umgang mit allen anderen Beteiligten irgendeine Art von Druck. Ich kann manchmal selbst nicht glauben, wie leicht es uns gefallen ist, dieses Album zu machen.

Jessica: Die kurze Dokumentation, die es über die Aufnahmen im Studio gibt, fasst die Stimmung vor Ort wohl am besten zusammen. Wir waren alle ein wenig aufgeregt, weil man sich nie sicher sein kann, was am Ende dabei herauskommt, aber wir gingen schnell in die Phase über, in der wir einfach nur noch Spaß an der Arbeit hatten. Wir genossen es so sehr, dass wir regelrecht traurig waren, als der letzte Handgriff getan und das Album fertig war.

MusikBlog: Gibt es ein Geheimnis, warum ihr nicht in die Falle getappt seid, euch mit dem zweiten Album zu verstricken?

Camilla: Das lag wohl am Bier! Das hat bedeutend dazu beigetragen, dass die Aufnahmen nicht den Bach runtergegangen sind. (lacht)

Emily: Nein, einmal ganz im Ernst – ich denke, die Studioatmosphäre hat viel dazu beigetragen. Es ist toll, an einem Ort aufzunehmen, der nicht nur ein reines Studio, sondern so viel mehr ist. Bei Justin (Vernon) aufzunehmen, war vor allem so eine großartige Erfahrung, weil an diesem Platz das Studio sowie die Unterkünfte vereint sind. Man muss nicht im Hotel wohnen. Alles strahlt sehr viel Behaglichkeit aus, und man muss sich nicht ständig mental darauf einstellen, „ins Studio zu gehen“. Das beeinflusst den Tagesrhythmus ungemein, und zwar auf eine sehr positive Art und Weise.

Für manche Künstler funktioniert diese strikte Trennung von Arbeits- und Wohnbereich, aber ich empfand die Verknüpfung beider Räume als reizvoll. So war man ununterbrochen geistig darauf eingestellt, sich in dieser spannenden Zone zu bewegen, in der einmal das neue Album zustande kommen sollte. Der Schalter im Kopf war automatisch an. Manchmal zwar eher unterbewusst, aber genau das ist das Schöne daran. Wir konnten uns mit einem Film ablenken und sind um Mitternacht zurück an die Arbeit gegangen, weil es uns eben so am besten passte. Kreativität kann man schließlich nicht beeinflussen.

Jessica: Draussen war der Winter über uns hereingebrochen und wir haben uns drinnen im Haus emsig ans Werk gemacht. Wir hätten in der klirrenden Kälte ohnehin nicht viel mehr machen können. Es war schon etwas Besonderes, sich an einen wie diesen Ort zurückzuziehen und an neuen Songs zu arbeiten. Ich glaube auch, dass es nicht so unerheblich für das Ergebnis war, dass wir fernab unserer Heimat England waren. Natürlich gibt es keine Sprachbarriere in Wisconsin und das Essen ist dem zu Hause auch ähnlich, aber es tat dennoch ungemein gut, sich in der Gewissheit zu wägen, eben nicht in England aufzunehmen. Das hat uns dazu verholfen, ein wenig durchzuatmen und uns noch genauer darauf zu konzentrieren, was wir da eigentlich machen.

MusikBlog: Habt ihr euch sofort in Wisconsin wohlgefühlt?

Jessica: Ja, wir mochten die Gegend von Anfang an. Der Charakter ist sehr ländlich und es gibt überall Weiden mit Kühen. Die gucken einen den ganzen Tag an und registrieren jede noch so kleine Bewegung. Es gibt auch viele Rehe, aber von denen bekommt man nicht so viel mit. Die Bezeichnung „friedlich“ trifft es da ganz gut. Justins Haus bzw. Studio war mitten im Nirgendwo. Am besten haben uns wohl aber die Menschen in Wisconsin gefallen. Wir hingen ja nicht mit den Büffeln vor Ort herum. (lacht)

Camilla: Die Menschen in Wisconsin sind so freundlich und bodenständig. Nicht alle Leute, die am Album beteiligt waren, kamen aus der Gegend, aber man wusste instinktiv immer genau, ob man einen Einheimischen vor sich hatte oder nicht. Sie sind so großzügig und meilenweit davon entfernt, überheblich zu sein.

Jessica: Mich haben die Einwohner ihrer Art nach ein wenig an Hobbits erinnert. Viele von ihnen sind richtige Landburschen, die einfach unheimlich nett zu einem sind. Die Mentalität ist im Vergleich zu der in Metropolen ganz anders. In New York wären wir nicht so viel Herzlichkeit begegnet.

Emily: Es herrscht eine wunderbare Kameradschaft untereinander, die wir zum Glück auch kennenlernen durften.

MusikBlog: War diese ebenso wichtig wie die technischen Möglichkeiten, auf die ihr im Studio zurückgreifen konntet?

Jessica: Das ist eine sehr gute Frage. Meistens legen Künstler sehr viel Wert darauf, wo sie aufnehmen, welches Equipment sie benutzen und wen sie für die Aufnahmen verpflichten können. Das ist natürlich wichtig, aber eben auch nicht alles. Es gehört weitaus mehr dazu, als Fachkompetenz zu besitzen, wenn man eine gute Platte machen möchte. Was nützt einem der beste Studio-Bassist, wenn dieser nicht zum restlichen Vibe und vor allem den anderen Musikern passt? Man kann nur etwas von Bedeutung erschaffen, wenn auch über die technische Ebene hinweg eine besondere Beziehung untereinander vorhanden ist. Als Künstler kann und will man seine Songs und schon gar nicht seine Emotionen mit jedem teilen. Dazu gehört Vertrauen und auch viel Mut. Wir waren bei den Aufnahmen zu „If I Was“ von vielen lieben Menschen umgeben, die gewillt waren, mit ganzem Herzen mit uns an den Songs zu arbeiten. Darüber hinaus haben sie fest an uns geglaubt, was ein tolles Gefühl ist.

Camilla: Wir haben es sehr genossen, uns nicht auf die Suche nach einem geeigneten Produzenten begeben zu müssen. Schon bei unserem ersten Album hat sich alles einfach so ergeben und so war es auch dieses Mal. Wir steckten auf Einladung von Justin zusammen mit ihm in seinem Studio und realisierten zunächst nicht einmal, dass wir überhaupt dabei waren, ein Album zu machen. Das hat sich fast wie von selbst ergeben.

MusikBlog: Produzenten sind nicht selten wahre Charakterköpfe. Wie würdet ihr Justin beschreiben?

Emily: Er gibt einem als Musiker die nötigen Freiheiten, das zu tun, was einem im tiefen Inneren vorschwebt. Zudem ist er unheimlich enthusiastisch und nimmt sich gerne deinen Vorschlägen an, egal wie absurd sie auch klingen mögen. Für ihn ist das ein ganz wichtiger Teil seiner Arbeit.

Jessica: Ausserdem spielt es bei ihm eine entscheidende Rolle, dass er nicht nur ein Produzent, sondern in allererster Linie selbst ein praktizierender Musiker ist. Dadurch ist er auch so darum bemüht, intensiv auf deine Bedürfnisse und Wünsche einzugehen, wenn es ums Eingemachte geht. Es war ihm von Anfang an bewusst, dass wir diese Freiheit brauchten, um uns fallen lassen zu können. Ich schätze sein Verständnis sehr.

Emily: Abgesehen davon ist er ein extrem lustiger Kerl! Wir haben uns so oft mit ihm schlapp gelacht. Teilweise sind wir in Tränen ausgebrochen, weil wir vor lauter Belustigung nicht anders konnten. Er hat manchmal eine Art zu reden drauf, die einen sofort zum Lachen bringt.

Camilla: Er hat einen tollen Humor. Überhaupt war es gar kein Problem, in diesem Umfeld auch einmal kontroverse Witze zu reissen. Da lagen wir alle gut auf einer Wellenlänge.

MusikBlog: Hat sich eure musikalische Beziehung untereinander in Hinblick auf das neue Album in irgendeiner Form verändert oder ist das Schwesternband, das euch zusammenhält, nach wie vor ähnlich gespannt?

Jessica: Ich glaube, das Band zwischen uns ist mit den neuen Songs noch stärker geworden als jemals zuvor. Schon allein deswegen, weil wir uns alle auf diesem Album ein Stück mehr geöffnet haben. Wir haben untereinander einen noch tieferen Einblick in unsere Seelen bekommen. Es gibt Dinge, die man nur mit Menschen teilt, die einem am nächsten stehen und das sind in dem Fall wir drei. Das macht es auch so schön, zusammenzuarbeiten. Ich würde sogar soweit gehen, auch Justin mit in unseren kleinen Kreis aufzunehmen. Als Geschwister sind wir es von klein auf gewöhnt, in der Gegenwart unserer Geschwister zu singen, aber es ist dann doch noch einmal etwas anderes, so intime Dinge vor jemandem zu singen, den man vergleichsweise nicht so lange kennt. Als Schwestern kennen wir uns gegenseitig sehr gut, aber wir mussten definitiv lernen, eine Band zu sein. Durch die verschiedenen Tourneen und die Erfahrung des ersten Albums sind wir immer näher an diesen Punkt herangekommen. Viele Bands müssen dagegen erst einmal lernen, eine Familie zu sein. Bei uns ist es genau gegensätzlich.

Emily: Mittlerweile müssen wir uns oft selbst daran erinnern, Privates von Beruflichem zu trennen. Man verfällt sonst einfach zu schnell in den Arbeitsrhythmus.

Jessica: Wir verbringen unheimlich viel Zeit miteinander, aber geben uns auch unsere Freiräume, wenn nötig. Da gab es noch nie Probleme. Es ist doch ganz normal, dass man auch einmal getrennt von den anderen etwas machen möchte oder sich eine Auszeit gönnt.

MusikBlog: Ihr habt die Zeit in Wisconsin einmal als „Schulausflug ohne Eltern“ beschrieben. Anders gesagt, es ging also nicht immer ganz so zivilisiert zu?

Emily: In diesem Punkt sind wir schuldig. Ein Album aufzunehmen, heisst auch immer, sich in einer Art Ausnahmezustand zu befinden. Wenn man auf Tour geht, ist es ähnlich. Der Tourmanager wird zu einer Art Ersatzpapa und stellt die Regeln auf, die man halbwegs befolgt, aber teilweise eben auch ein wenig ignoriert. Selten geht man nach einer Anweisung so früh ins Bett wie gewünscht, weil man am nächsten Tag früh aufstehen muss.

Camilla: Im Studio zu arbeiten, heisst auch, den kreativen Freiraum ein wenig auszudehnen. Es gibt so gut wie keine Regeln, an die man sich halten muss, also lebt man für kurze Zeit in dieser Zwischenwelt, in der man nur seinen eigenen Gesetzen folgt.

Jessica: Unser Aufenthalt bei Justin hatte manchmal etwas von einem College-Erlebnis, so wie man es aus den Filmen kennt. Wir waren in Mehrbettzimmern untergebracht und schliefen in Doppelstockbetten. Abends sind wir dann manchmal lachend die Korridore entlang gerannt und haben in unserer kindlichen Naivität ein wenig verrückt gespielt. Bis jemand dadurch geweckt wurde und uns verbal dazu verdonnerte, ruhig zu sein. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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