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Los Angeles ist eine Stadt der Extreme – The Wombats im Interview

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New York, London, Berlin: Großstädte stehen bei Bands und Musikern seit jeher hoch im Kurs. Doch der Schein trügt. Die glitzernde Fassade beginnt mehr und mehr zu bröckeln. Erst vor wenigen Wochen nahm sich Steven Wilson die Schattenseiten von London zur Brust („Hand.Cannot.Erase“). Kurz darauf ging die Jon Spencer Blues Explosion mit ihrer Heimatstadt New York hart ins Gericht („Freedom Tower: No Wave Dance Party 2015„). Auch die Wombats heben dieser Tage mahnend den Zeigefinger. Mit ihrem neuen Album „Glitterbug“ stehen die drei Briten kopfschüttelnd vor den Toren von Los Angeles. Auch in der Stadt der Engel scheint nicht alles Gold zu sein, was glänzt. Aber was steckt dahinter? Woher rührt diese plötzliche Abneigung gegen pulsierende Hochglanz-Ballungszentren? Wir verabredeten uns mit The Wombats-Drummer Dan Haggis, um der Sache auf den Grund zu gehen.

MusikBlog: Hi Dan, hast du schon das neue Steven Wilson-Album gehört? Oder die neue Scheibe der Jon Spencer Blues Explosion?

Dan Haggis: Nein, habe ich nicht. Warum fragst du?

MusikBlog: Weil sich gerade ein gewisser Anti-Großstadt-Trend anzubahnen scheint. Ähnlich wie ihr, ziehen auch Herr Wilson und die Mannen um Jon Spencer auf ihren neuen Studiowerken über Metropolen her. Woran liegt das?

Dan Haggis: Oh, das ist sehr interessant, und bestätigt mich in meiner Meinung, dass das Leben in Großstädten zur Verkümmerung von Seele und Geist führen kann. Woran das liegt? Nun, schuld daran ist das menschliche Grundverlangen nach Erfolg und Macht. In Metropolen wie New York, London oder Los Angeles wird diese Gier natürlich extrem befeuert.

MusikBlog: Inwiefern?

Dan Haggis: Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass eine Ansammlung von vielen Menschen auf engstem Raum einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn zur Folge hat. Das Gegenteil ist Fall. Die Leute ziehen sich zurück, machen ihr eigenes Ding und fahren die Ellbogen aus. Es geht dabei in erster Linie um die Angst, etwas zu verpassen, nicht mithalten zu können und am Ende als Letzter durchs Ziel zu laufen. Das ist ein gesellschaftliches Problem.

MusikBlog: Gab es einen bestimmten Moment oder eine explizite Zeitphase, in der euch das bewusst wurde?

Dan Haggis: Das fing während der Aufnahme unseres letzten Albums („This Modern Glitch“) an. Wir verbrachten damals viel Zeit in Los Angeles. Diese Stadt ist wirklich sehr inspirierend. In Los Angeles gibt es nämlich keine wirkliche Mittelschicht. Es ist eine Stadt der Extreme. Entweder man hat einen Pool im Garten oder sein Hab und Gut verteilt in drei Plastiktüten. Dazwischen gibt es nichts. Es ist schon erschreckend und völlig unmöglich, sich nicht an den Kopf zu fassen, wenn man durch die Straßen der Stadt spaziert.

MusikBlog: Euer Sänger Matthew hat sich in Los Angeles neu verliebt.

Dan Haggis: Ja, das hat er. Diese Beziehung hatte auch Auswirkungen auf den konzeptionellen Inhalt des neuen Albums.

MusikBlog: Sprechen wir hier jetzt  über eine Obdachlose oder über ein Starlet?

Dan Haggis: Oh, weder noch. Matthew hatte Glück. Keine Obdachlose. Aber auch kein Starlet.

MusikBlog: Also eine Ausnahmeerscheinung?

Dan Haggis: (lacht) Absolut.

MusikBlog: Er blieb dann noch eine Weile länger in Los Angeles, während ihr wieder zurück nach England geflogen seid. Danach habt ihr euch dann via Skype und Co ans Songwriting gemacht?

Dan Haggis: Ja, so ähnlich. Das war natürlich ungewohnt für uns alle, aber es hat super funktioniert. Das meiste wurde per Mail ausgearbeitet. Wir haben uns gegenseitig Song-Ideen zugeschickt. Heutzutage bedeutet eine räumliche Entfernung ja keinen Stillstand mehr. Für Matthew war diese Phase in L.A. aber unheimlich wichtig. Und für das Album natürlich auch. So haben wir eine fiktionale Liebesgeschichte in das eigentliche Konzept mit einbinden können. Das macht die ganze Sache natürlich noch etwas spannender und lebhafter.

MusikBlog: Ihr habt auch in punkto Sound Neues ausprobiert. Asiatische Elemente und Disco-Beats hört man auf euren alten Alben eher weniger raus.

Dan Haggis: Ja, das stimmt. Wir sind alle in den Neunzigern aufgewachsen. Da war es klar, dass wir irgendwann eine Brücke schlagen würden.

MusikBlog: Kam es in den Neunzigern aber auch zu einem Hype um fernöstliche Klänge?

Dan Haggis: Nein, ich glaube nicht. Die asiatischen Einschübe auf unserem neuen Album stammen von einem Synthesizer, den ich mir vor einigen Monaten in Japan zugelegt habe. Mit dem Gerät habe ich viele Stunden verbracht. Du glaubst gar nicht, was da für skurrile Sounds rauskommen. Die musste ich natürlich mit der Welt teilen.

MusikBlog: Apropos Welt: Ihr wart vor kurzem bereits mit dem neuen Material live unterwegs. Ihr habt auch hierzulande einige Shows absolviert. Wie sieht es denn mit weiteren Auftritten im Herbst oder Winter aus? Werdet ihr eure deutschen Fans in diesem Jahr noch einmal beglücken?

Dan Haggis: Das ist durchaus möglich. Momentan arbeiten wir noch an Terminen. Einige Europa-Dates stehen ja schon fest. Eigentlich wollten wir ja auch zeitgleich mit der Veröffentlichung des neuen Albums auf Tour gehen. Aber leider hat sich der Mix des Albums etwas in die Länge gezogen. Ich denke aber, dass sich die meisten Leute trotzdem darüber gefreut haben, neue Songs von uns live zu hören, auch wenn das Album erst dieser Tage veröffentlicht wird. Im Herbst kann dann jeder endlich mitsingen. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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