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Peaches Christ Superstar – Münchner Kammerspiele

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Peaches, die gerade erst ihr neues Album „Rub“ veröffentlicht hat, setzt nun ihre „Peaches Christ Superstar“ Aufführung fort. Bereits 2010 startete sie nach einigen Anfangsschwierigkeiten mit ihrer Interpretation von Andrew Lloyd Webbers „Jesus Christ Superstar“. Lloyd Webber war nämlich von ihrem Vorschlag anfangs nicht begeistert und hat seine Zustimmung zunächst verweigert, worauf die geplante Show in Berlin abgesagt werden musste, was Peaches auf Twitter mit „Peaches Christ Superstar crucified before opening night“ quittierte.

Daraufhin lenkten Lloyd Webber und Tim Rice ein und die Uraufführung fand 2010 in Berlin statt, mit Hilfe des Theaterkombinats HAU (Hebbel am Ufer) als Co-Produzenten. Für Peaches ging damit ein Kindheitstraum in Erfüllung: „Als ich 16 war, habe ich mir das ganze Musical oft selbst vorgesungen, allein in meinem Zimmer. Es erzählt eine ganze Geschichte ohne gesprochenen Text, nur mit Gesang, im Stil einer Rockoper. Ich bin eine Performerin, meine Konzerte sind extravagant und spielen mit Übertreibungen. Dieses Projekt dagegen erlaubt mir auf alles zu verzichten.“

Seitdem wurde „Peaches Christ Superstar“ auch in Großbritannien aufgeführt, u.a. 2013 auf dem Meltdown Festival, das in dem Jahr von Yoko Ono geleitet wurde. Nun also die Aufführung in München, gestern fand die Premiere in den Münchner Kammerspielen statt. Statt Chilly Gonzales sitzt nun Mathias Susaas Halvorsen am Piano, alles andere unverändert in dieser minimalistischen One-Woman-Show.

Peaches erzählt entlang der Songs aus dem Musical die Geschichte der letzten Woche im Leben Jesu Christi, vom Einzug in Jerusalem bis zur Kreuzigung. Dabei singt sie alle Rollen selbst: Jesus und Maria Magdalena, die Jünger und die Pharisäer.

Von einer solchen Aufführung würde der Peaches-Kenner ein lautes, provokantes Spektakel mit wilden, wechselnden Kostümen erwarten. Das wäre jedoch sicher nicht durch die Zensur von Lloyd Webber und Tim Rice gegangen und war auch gar nicht Peaches‘ Ansinnen. Wie sie in Interviews mehrfach betonte, wollte sie keine ironische Interpretation.

Und so wechselt Peaches nur einmal das Kostüm, und zwar in der 20-minütigen Pause zwischen den zwei Akten. Nur zum Finale kommt etwas Show in diese reduzierte Version der Rockoper, als sie als Pilatus die 39 Peitschenhiebe in den benebelten Bühnenboden schlägt, begleitet von einem gesampleten Knall und gelbem Schweinwerferlicht; und als Peaches im Nebel nach unten in der Bühne verschwindet, um kurz darauf symbolisch ans Kreuz genagelt wieder nach oben zu kommen und in der Luft zu schweben. Die Menge, die Jesus‘ Tod fordert, dargestellt von tanzenden, bunt angezogenen Schauspielern (Highlight ein Akteur mit blauen Schuhen und blauer Stofftüte auf dem Kopf, der bereits vor Aufführungsbeginn an der Bar die Blicke auf sich zog), die vorher im Publikum saßen und dann auf die Bühne stürmten.

Da Peaches keine begnadete Sängerin ist, wie man auf ihren Alben unschwer feststellen kann und auch keine musikalische Neuausrichtung plante, konnte auch das kein Schwerpunkt der Darbietung sein. Und auch eine komödiantische Interpretation des Originals war nicht ihre Idee, obwohl das Wechseln der Rollen bei dem oder anderen Zuschauer zu Heiterkeit führte.

Nein, was Peaches gestern Abend geboten hat, war einfach eine sängerisch quantitativ gigantische Leistung (wie sie selbst sagte: „Ganz ungeschützt will ich mich dieser Aufgabe stellen, weil es möglich ist: eine Frage der Ausdauer und Stimme.“). Doch es war nicht nur sportlicher Ehrgeiz, Peaches hat uns auch mit dieser spartanischen Version ohne Ablenkung eine andere Perspektive auf ein weltbekanntes Musical geboten. Und das war nicht nur für sie außergewöhnlich und unerwartet.

So bleibt zwar ein leicht ambivalentes Gefühl beim Zuschauer, aber der große Respekt vor dieser stimmlichen Leistung und der Mut zu einer solchen „A-capella“-Version eines Musicals überwiegt und wird völlig zu Recht durch tosenden Beifall am Schluss und Standing Ovations bezeugt.

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