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PVRIS (Credit Jörg Sädler/MusikBlog)

Es gibt keine Grenzen oder Beschränkungen – PVRIS im Interview

Manchmal klappt’s auch direkt. Mit der Veröffentlichung ihres ersten Albums „White Noise“ verschafften sich PVRIS jedenfalls im letzten November schon mal einen idealen Start. Der eigenwillige Mix aus Pop, Rock, Post-Hardcore und Synthie-Pop mit leichtem Achtziger Einschlag katapultierte die Band aus Lowell, Massachusetts quasi aus dem Stand auf die Rock ‚n‘ Roll Landkarte.

Begeisterte Kritiken, eine stetig steigende Fanbase und Award-Gewinne bei Kerrang! und Alternative Press als beste Newcomer waren die Folge. Seitdem haben Lyndsey Gunnulfsen, Alex Babinski und Brian Macdonald ihre eigenen Betten nur noch selten gesehen. Denn durch Vans Warped-Tour, Supporttouren mit anderen Bands und eigene Gigs in immer größer werdenden Hallen rund um den Globus waren PVRIS in diesem Jahr fast ständig auf Achse.

Aber von Tourmüdigkeit keine Spur. Denn beim MusikBlog-Interview vor ihrem Auftritt als Support für Bring Me The Horizon, zeigten sich Lyndsey Gunnulfsen und Brian Macdonald äußerst gut gelaunt. Wir sprachen mit ihnen über das Touren, das nächste Album, ihre musikalische Entwicklung, ihre Beziehung zueinander und einiges mehr.

MusikBlog: Ihr seid gerade mit Bring Me The Horizon zum ersten Mal länger in Deutschland unterwegs. Bemerkt ihr einen Unterschied zwischen dem amerikanischen Publikum und dem deutschen bzw. europäischen?

Lyndsey Gunnulfsen: Man hat schon den Eindruck, dass die Leute hier in Europa auch Bands die sie noch nicht kennen, mehr zu schätzen wissen. Sie genießen es. Es ist jetzt auch nicht so, dass man das in den Staaten nicht tun würde. Aber irgendwie spürt man immer, dass das Publikum denkt „Wir kennen nichts von ihnen. Hm, warten wir erst mal ab“. Hier sind die Leute schneller mit einem „Yes!“ dabei.

Brian Macdonald: Auch wenn die Leute hier noch nichts von dir gehört hat, reagieren sie genauso, als würden sie dich schon kennen.

Lyndsey Gunnulfsen: Sie sind viel offener und bereit sich neue Sachen anzuhören.

MusikBlog: Für eine Supportband ist es natürlich immer eine besondere Herausforderung, ein Publikum, das einen kaum kennt, in relativ kurzer Zeit mit seiner Musik rumzubekommen.

Brian Macdonald: Stimmt! Natürlich ist es das und es macht Spaß. Du hast nur dreißig Minuten und musst versuchen, in dieser Zeit jeden von dir zu überzeugen. Und wenn du dann beim letzten Song siehst wie jeder gut drauf ist und zu unserer Musik abgeht, dann ist das schon ein großartiges Gefühl. So etwas wie „Ok, wir haben sie!“.

Lyndsey Gunnulfsen: Sie hängen am Haken!

MusikBlog: Ziel erreicht und Job erledigt!

Brian Macdonald: Ja genau. Absolut! (lacht)

MusikBlog: Euer Leben muss sich seit der Veröffentlichung von „White Noise“ vor einem Jahr ziemlich verändert haben. Ihr wart seitdem fast ohne Pause auf Tour.

Lyndsey Gunnulfsen: Es war ein ziemlich arbeitsreiches Jahr. Wirklich absolut verrückt. Und nächstes Jahr wird es sogar noch mehr werden. Alle Erwartungen, die wir hatten, wurden bei Weitem übertroffen. Alles was jetzt kommt, sind für uns weitere Überraschungen. Wir haben keine Ahnung, was noch passieren wird, aber wir sind jetzt schon unendlich dankbar für alles, was wir erreicht haben.

MusikBlog: Dafür habt ihr natürlich neben Arbeit auch viel von eurem eigenem Leben in die Band investiert. Wie sieht es mit eurem Privatleben aus. Schafft ihr es noch, mit euren Familien und Freunden in Kontakt zu bleiben?

Brian Macdonald: Ja doch. Wir halten die Verbindung zu unseren Familien und engen Freunden zu Hause. Aber wenn wir auf Tour sind, dann ist das auch schon so, als wären wir eine Familie.

Lyndsey Gunnulfsen: Manchmal ist es schon schwierig, mit deinen Freunden weiter in Kontakt zu bleiben. Zu Hause schließen sie ihr Studium ab, fangen an zu arbeiten und machen andere erwachsene Dinge. Unser Leben sieht anders aus. Deshalb ist es manchmal schon nicht so einfach, sich weiter verständigen zu können. Aber die Leute, mit denen man schon als Kind befreundet war, wird man auch weiter lieben.

MusikBlog: „White Noise“ ist im letzten November rausgekommen. Ich denke mal, dass ihr die Songs inzwischen so oft gespielt habt, dass ihr sie inzwischen – wenn es sein muss – wahrscheinlich auch rückwärts spielen könnt. Habt ihr trotzdem noch mal in das Album reingehört und was denkt ihr jetzt darüber?

Lyndsey Gunnulfsen: Ich hab’s mir schon länger nicht mehr angehört. Der Grund ist, ich klinge da noch wie ein kleines Baby. Ich war so jung damals. Immerhin ist es jetzt schon zweieinhalb Jahre her, als wir „White Noise“ aufgenommen haben. Wir waren damals noch absolut grün hinter den Ohren. Und wenn ich es mir jetzt anhöre, dann gehen mir schon so Sachen durch den Kopf wie „Ah! Wieso hab‘ ich das so gesungen und nicht anders?“. Durch das viele Live-Spielen hat sich auch meine Stimme im Lauf der Zeit ziemlich verändert. So gesehen ist es schon etwas frustrierend, wenn ich mir das Album jetzt wieder anhöre. Aber wir lieben die Songs immer noch sehr.

MusikBlog: Gerade für dich als Sängerin und Performerin muss das viele Touren eine intensive Erfahrung sein.

Lyndsey Gunnulfsen: Absolut! Man bekommt Ausdauer und Stehvermögen, wenn man jeden Abend auf der Bühne steht. Und das hat natürlich auch einen ziemlichen Einfluss auf die Stimme. Es baut sie auf. Sie hat inzwischen einen ganz anderen Charakter bekommen.

MusikBlog: Eure erste EP war noch eher Post-Hardcore. Mit „White Noise“ habt ihr euren Sound in eine ziemlich andere Richtung entwickelt. Mehr Pop, Elektronik, Synthesizer. Wie kam’s?

Lyndsey Gunnulfsen: Vor zwei Jahren, als wir die EP rausgebracht haben, fing ich gerade an, mich mit diesen Elektronik-Sachen zu beschäftigen. Wir hatten auch schon begonnen, das in unsere Musik einzubauen. Also schon damals wollten wir es eigentlich machen. Aber irgendwie haben wir uns dann doch nicht getraut, denn in der Szene, in die wir reingewachsen waren, war Elektronik ziemlich verpönt. Und wir wollten nicht ausgeschlossen werden, indem wir trotzdem unser eigenes Ding machen. Wir hatten also damals ein bisschen Angst. Als wir dann unseren Plattenvertrag bei Rise Records bekommen haben und mit „White Noise“ anfingen, hat uns unser Produzent Blake Harnage das Vertrauen gegeben, das umzusetzen, was wir machen wollten. Er hat uns beigebracht, als Künstler zu denken und sagte uns „Ihr könnt wirklich alles machen was ihr wollt. Es gibt keine Grenzen oder Beschränkungen!“.

Brian Macdonald: So lange ihr damit glücklich seid?

Lyndsey Gunnulfsen: Ja genau! So lange ihr euch dabei gut fühlt und es echt und ehrlich ist. Das spricht schon für sich. Er hat uns einfach sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Sei es bei den Texten oder der Musik.

MusikBlog: Stimmt es, dass ihr die Songs für euer nächstes Album schon fertig habt?

Lyndsey Gunnulfsen: Das ist korrekt! Aber wir können noch nicht viel darüber erzählen. Unser Schwerpunkt liegt im Moment natürlich immer noch auf „White Noise“. Aber wir haben definitiv schon eine Menge neues Material, mit dem wir ganz zufrieden sind. Ich hoffe, es wird nicht mehr so lange dauern, bis wir das nächste Album angehen können.

MusikBlog: Du schreibst auch den größten Teil eurer Songs. Ich hab mal gelesen, dass du und dein Laptop quasi unzertrennlich seid. Selbst auf Tour bist du ständig damit beschäftigt.

Brian Macdonald: Das beantworte ich mal. Neulich hab‘ ich sie erwischt. Sie saß schnarchend vor ihrem Laptop. Die Augen zu. Ich hab sie gefragt „Lyndsey, bist du wach?“. Sie schreckte auf. „Ja, natürlich!“. (beide lachen) Ja, sie arbeitet ständig mit ihrem Laptop. Ich habe sie inzwischen schon an allen möglichen Orten rund um die Welt gesehen, wie sie an ihrem Laptop sitzt und ihren Kopfhörer auf hat. Sie arbeitet wirklich immer an irgendwelchen Ideen.

Lyndsey Gunnulfsen: Ich kann einfach damit nicht aufhören. Vielleicht stimmt ja bei mir irgendetwas nicht.

Brian Macdonald: Klar. Das wird es wohl sein! (beide lachen)

Lyndsey Gunnulfsen: Ich kann eben nichts dagegen machen. Wenn ich nicht irgendetwas Produktives gemacht habe, denke ich mir abends „Was hast du eigentlich mit dem Tag angestellt?“ und es frustriert mich dann komplett. Ich muss immer etwas machen. Egal, ob es visuelle Sachen sind oder Musik.

Brian Macdonald: Du kannst dich mit ihr unterhalten und plötzlich hört sie etwas oder hat eine Idee und verschwindet dann direkt, um es festzuhalten und später etwas darauf zu machen. Das ist schon cool.

Lyndsey Gunnulfsen: Aber ihr seid genauso kreativ. Alex hat eben an etwas gearbeitet. Und du doch auch.

Brian Macdonald: (raunt zu Lyndsey) Ja, ja absolut geheime Sachen.

Lyndsey Gunnulfsen: Schon klar! Top secret! (lachen)

MusikBlog: „White Noise“ hat euch einen ziemlich guten Start verschafft. Das Album bekam sehr gute Kritiken, eure Gigs wurden größer und von Kerrang! und Alternative Press habt ihr den Newcomer-Award bekommen. Schon keine schlechte Sache so für den Anfang.

Lyndsey Gunnulfsen: Als das Album rauskam, hatten wir wirklich keine Ahnung, was passieren würde. Dass es so gute Kritiken bekommen hat und so enthusiastisch besprochen wurde und unterstützt wurde, war schon unglaublich.

Brian Macdonald: Ich erinnere mich noch. Als wir letztes Jahr in Seattle gespielt haben, bekamen wir für das Merchandise zum ersten Mal das fertige Album. Ich habe eine CD rausgenommen und dachte mir „Irgendjemand wird sie heute Abend kaufen. Und er wird sie dann komplett hören. Von Anfang bis Ende“. Das war schon ein cooler Moment.

MusikBlog: Wenn man schon mit dem ersten Album so viel erreicht, stellt sich natürlich die Frage, wie man weiter am Ball bleiben kann. Spürt ihr so etwas wie Druck, wenn ihr an das nächste Album denkt?

Lyndsey Gunnulfsen: Ja und Nein. Die Arbeitsmethode, die wir bei unserem ersten Album hatten „Steck dich nicht selber in eine Schublade und mach das, mit dem du dich wohl fühlst“, wird auch für unser zweites Album gelten. Und das spricht schon für sich selbst. Und wir hoffen und drücken uns die Daumen, dass es genauso gut ankommen wird. Aber wir sind wirklich stolz auf das, was wir schon erreicht haben.

Brian Macdonald: Es macht einfach ziemlichen Spaß, das zusammen zu machen. Wir werden einfach ein Album aufnehmen und dann sehen, was passiert.

MusikBlog: Durch das viele Touren seid ihr natürlich auch ständig zusammen. Wie würdet ihr eure Beziehung zueinander beschreiben?

Brian Macdonald: Wir arbeiten wirklich gut zusammen und sind inzwischen wirklich so gute Freunde, dass es schon mehr wie eine Familie ist. Ehrlich gesagt, sind mir noch nie Gedanken in der Richtung gekommen „Oh Mann, der geht mir jetzt total auf den Nerv!“. Inzwischen kennen wir uns so gut, dass wir wissen, wenn jemand mal alleine sein will. Oder wenn wir zusammen abhängen wollen.

Lyndsey Gunnulfsen: Wir können unsere Stimmungen inzwischen sehr gut lesen und wissen, wann jemand mal reden will oder sich über irgendetwas ärgert. Menschlich gibt es bei uns eine sehr gute Dynamik. Sowohl in der Band, als auch in der Crew. Brian ist ein sehr positiver Mensch und außerdem sehr witzig. Er bringt uns immer gut drauf. Alex ist eher etwas zurückhaltend und ruhiger. Und ich bin da quasi in der Mitte. Die Balance zwischen uns Dreien ist wirklich ziemlich gut.

Brian Macdonald: Es funktioniert!

MusikBlog: Berühmte letzte Frage: Gibt es irgendetwas, das ihr als Band unbedingt erreichen möchtet? Habt ihr bestimmte Ziele im Auge?

Lyndsey Gunnulfsen: Ja! Aber wir werden sie niemals verraten. (lacht) Aber es gibt da schon Einiges. Eigentlich sogar eine Menge. Aber so viel können wir sagen, dass wir alles was wir uns selbst und als Band vorgenommen hatten, auch schon erreicht haben. Also, von jetzt an ist einfach alles möglich!

Brian Macdonald: Eine positive Einstellung.

MusikBlog: Wie wär’s damit, größer als die Beatles zu werden?

Lyndsey Gunnulfsen: (lacht) Wer weiß? Warum nicht?

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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