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Wir bleiben im Herzen immer eine Rockband – Biffy Clyro im Interview

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Als Biffy Clyro im letzten Jahr den Nachfolger ihres Doppelalbums „Opposites“ ankündigten, überraschte Frontmann Simon Neil mit einem ungewöhnlichen Vergleich. Den Sound des siebten Albums der drei Jugendfreunde beschrieb er als eine Mischung aus Deafheaven, Tears For Fears und Death Grips. Aber keine Sorge, „Ellipsis“ klingt weder nach Post Metal, New Wave oder progressivem Noise Rap. Stattdessen treibt die Band aus Schottland die Entwicklung des Vorgängers weiter voran, entfernt sich vom frickeligen Mathrock der frühen Alben, bastelt stattdessen an großen Stadion-Hymnen wie „Wolves Of Winter“ und hat mit „Re-Arrange“ und „Small Wishes“ auch waschechte Balladen im Gepäck. Simon Neils Vergleich bezog sich allerdings weniger auf das Songwriting als vielmehr auf die Produktion. Denn Biffy Clyro haben mit ihrem neuen Produzenten Rich Costey neue Wege gesucht, den typischen Stil des Trios in Szene zu setzen. Wir sprachen mit Bassist James Johnston über diese Sound-Experimente, Los Angeles als Aufnahmeort und die Einteilung ihrer Alben in Trilogien.

MusikBlog: Auf dem Cover eures neuen Albums liegt ihr zusammengerollt wie drei Föten im Mutterleib. Handelt es sich bei „Ellipsis“ um die Wiedergeburt von Biffy Clyro?

James Johnston: So fühlt es sich auf jeden Fall an. Nach den letzten Alben mit Produzent Garth Richardson und besonders dem in Sound und Umfang epischen Doppelalbum „Opposites“ war es nötig, noch einmal von vorne anzufangen, uns neu zu erfinden. Außerdem ist „Ellipsis“ bereits unser siebtes Album, da ist es wichtig, dass man neue Ideen ausprobiert, damit es sich anfühlt, als wäre man zum ersten Mal im Studio. Wir haben versucht, alle Tricks zu vergessen, die wir bisher gelernt haben, und stattdessen versucht, alles ein bisschen anders zu machen.

MusikBlog: War es schwer, eine neue Richtung für Biffy Clyro zu finden, nachdem ihr mit den 20 Songs des Vorgängers bereits so viele Richtungen ausprobiert habt?

James Johnston: Es ist relativ leicht, sich vorzunehmen, dass man in Zukunft alles anders macht. Es dann aber umzusetzen, ist die eigentliche Herausforderung. Man kann das nicht einfach so entscheiden, sondern muss nach neuen Wegen suchen, wie man schreibt und wie man aufnimmt. Gleichzeitig mussten wir alle eine ähnliche Idee davon haben, was wir auf dem siebten Album ausprobieren möchten. Nach zwei Jahren auf Tour mussten wir erst wieder lernen, wie man überhaupt ein normales Leben führt, bevor wir Inspiration für das neue Album suchen konnten.

MusikBlog: Euer erster Versuch, „Ellipsis“ zu schreiben, blieb dann ja auch recht erfolglos, weshalb Simon Neil zunächst an seinem Soloalbum arbeitete. Wann habt ihr dann begonnen, erneut zu schreiben?

James Johnston: Wir hatten bereits Ende 2014 ein paar Songs geschrieben, aber 2015 steckten wir dann in der Sackgasse. Stattdessen hat sich Simon dann seinem Solo-Projekt ZZC gewidmet. Das war genau der Funken, den wir benötigten, um unsere Kreativität wieder zu entfachen. Mit ZZC hat Simon sich aus seiner Komfortzone begeben – die Songs klingen ganz anders als Biffy-Songs. Gleichzeitig hat das Projekt wieder in ihm die Lust geweckt, anschließend eine Biffy-Platte aufzunehmen.

MusikBlog: Ihr experimentiert auf „Ellipsis“ mit einigen ungewöhnlichen Sounds. War das der Grund, warum ihr euch nach mehreren Alben mit Garth Richardson für Produzent Rich Costey entschieden habt?

James Johnston: Das war der Hauptgrund, warum wir mit ihm arbeiten wollten. Rich ist ein sehr kreativer Klang-Architekt, der immer neue Wege sucht, wie ein Instrument oder eine Stimme auch klingen könnten. Er hat so viele verschiedene Alben produziert – nicht nur Rock, sondern zum Beispiel auch ein Album von Fiona Apple. Er ist weder in einem bestimmten Genre zuhause, noch schreckt er davor zurück, sehr ungewöhnlich Klänge zu kombinieren. Mit seiner Hilfe fanden wir neue Wege, uns auszudrücken – eine neue Sprache für Biffy Clyro.

MusikBlog: Worin lag denn genau der Unterschied in der Zusammenarbeit mit Rich Costey?

James Johnston: Zunächst einmal ist uns klar geworden, dass der Sound aktueller HipHop-Alben aufregender ist als der Sound moderner Rock-Alben. Im Rap gibt es keine klaren Regeln, woher die Klänge stammen müssen, welche Instrumente verwendet werden oder ob überhaupt Instrumente verwendet werden. Dabei sollte es doch eigentlich Rock sein, der die Grenzen sprengt und neue Wege findet. Diesen Anspruch hatte Rock’n’Roll zumindest früher. Das war unser Ansatz, als wir „Ellipsis“ aufnahmen. Wir wollten ein wenig Chaos schaffen, Dinge durcheinander bringen. Warum nicht mal die Drums verzerren, statt immer nur die Gitarren? Also haben wir die Drums durch Gitarrenverstärker gejagt, um einen sehr dreckigen Klang zu erreichen, den wir dann aber beispielsweise auf nicht verzerrte Gitarren treffen ließen. Wir wollten mit Klängen experimentieren und deshalb war Rich der perfekte Partner, weil das auch sein Ansatz ist.

MusikBlog: Gab es Songs, die sich während dieses Prozesses besonders stark verändert haben?

James Johnston: Einige Songs haben sich stark gewandelt. Zum Beispiel „People“, das Simon am Klavier schrieb und von dem wir sofort wussten, dass es ein starker Song ist. Aber als wir zu dritt im Proberaum daran feilten, wurden wir dem Stück nicht gerecht. Wir merkten, dass wir mit dem Song Hilfe und eine neue Perspektive brauchten. Im Studio haben wir dann jede Form von Routine vermieden. Wenn wir sonst zuerst Drums, dann Gitarren und am Ende Gesang aufgenommen haben, haben wir jetzt einfach mit dem Gesang begonnen und darum den Song entwickelt. Wir haben uns bemüht, dass zwei aufeinander folgende Tage im Studio nie genau gleich waren.

MusikBlog: Aber besteht dann nicht die Gefahr, sich in Experimenten zu verirren, wenn man jede Form von Routine vermeidet?

James Johnston: Ja, besonders mit Rich kann einem das schnell passieren. (lacht) Für Rich ist ein Song nie wirklich fertig, man kann immer noch etwas ändern. Nach sechs Alben wussten wir genau, worin wir gut sind. Wir können ein Rock-Album mit fetten Gitarren und Drums aufnehmen, aber das war uns dieses Mal zu naheliegend. Wenn man experimentiert, muss man sich auf seinen Instinkt verlassen. Wenn sich etwas aufregend anfühlt, sollte man es beibehalten, andernfalls sollte man es verwerfen. Manchmal verlangt das aber viel Geduld, weil man lange suchen muss, bis man diese Aufregung verspürt. Deshalb haben wir auch länger für das Album gebraucht, als wir zunächst erwartet hatten.

MusikBlog: Bei all diesen Veränderungen gibt es dennoch gewohnte Elemente auf „Ellipsis“, zum Beispiel den Kontrast zwischen Melodie und Wucht, Harmonie und Noise.

James Johnston: Genau, dieser Gegensatz hat den Sound von Biffy eigentlich von Beginn an definiert. Ich hoffe, wir sind darin besser geworden. Wir wollten mit diesem Album ja auch nicht verleugnen, wer wir sind oder was uns ausmacht, sondern lediglich diesen Sound weiterentwickeln und so das nächste Kapitel einläuten.

MusikBlog: Mit „Small Wishes“ habt ihr für das neue Album aber auch einen sehr traditionellen Song geschrieben, der beinahe wie ein Folk- oder Country-Klassiker klingt.

James Johnston: Mich erinnerte er zunächst vor allem an traditionelle schottische Folkmusik. Aber als wir dann das Piano ergänzten, erhielt der Song tatsächlich eine eher amerikanische Note. Es ist auch ein sehr melodischer Song, der viel fröhlicher klingt, als der Text vielleicht vermuten lässt. Ich mochte schon immer diesen Gegensatz, wenn traurige Themen in fröhliche Melodien verpackt werden.

MusikBlog: Schon euer letztes Album „Opposites“ war aufgrund der Länge und Ambition eine echte Herausforderung, nun habt ihr erneut Experimente gewagt. Braucht ihr solche Herausforderungen?

James Johnston: Ich glaube schon, dass man risikofreudig sein sollte. Es hat uns immer Freude bereitet, Menschen mit unserer Musik zu überraschen. Dafür muss man eben Risiken eingehen. Wir bleiben im Herzen immer eine Rockband, aber das bedeutet ja nicht, dass wir keine Balladen schreiben können, dass wir nicht auch mal in andere Genres schnuppern können.

MusikBlog: Ihr habt das Album erneut in Los Angeles aufgenommen. Was macht diesen Ort für euch so speziell?

James Johnston: Das hat zunächst eher technische Gründe, denn dort gibt es viele exzellente Tonstudios mit großartigem Equipment und auch viele gute Studiomusiker, falls man mal einen Pianisten oder einen anderen Instrumentalisten benötigt. Aber natürlich gibt es dafür auch emotionale Gründe. In Los Angeles herrscht eine sehr kreative Atmosphäre, es ist ein Ort mit Ambitionen und Geschichte. Dort sind viele großartige Alben entstanden, das motiviert dich, dein Bestes zu geben, um Teil dieser Geschichte zu werden. Natürlich gibt es auch die Kehrseite der Medaille, auf jede Erfolgsstory aus Los Angeles kommen zig geplatzte Träume und gescheiterte Pläne, die man dort natürlich auch wahrnimmt.

MusikBlog: Ihr habt in der Vergangenheit erklärt, dass ihr eure Alben in Trilogien einteilt. Ist also „Ellipsis“ der Start einer neuen Alben-Reihe?

James Johnston: Ich hoffe sehr, dass es so kommt. So sieht auf jeden Fall unser Plan aus. Wir wollten ein Album aufnehmen, das modern klingt und moderne Sounds in unser Universum integriert. Unsere letzten Alben orientierten sich eher an klassischen Rock-Sounds. Wir würden auch gerne weiter mit Rich arbeiten, denn er ist ein fantastischer Produzent und wir können noch viel von ihm lernen. Es ist natürlich immer schwierig, Prognosen für die Zukunft abzugeben. Aber hoffentlich ist das der Start einer neuen Trilogie und wir reden in ein paar Jahren über das zweite tolle Album mit Rich.

MusikBlog: Und das zehnte Album wird dann die nächste Wiedergeburt?

James Johnston: Genau! (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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