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M.I.A. – AIM

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Flagge zeigen. Mathangi Arulpragasam ist der Pop-Act, den die jetzige Welt dringend dringend benötigt. Obgleich und gerade weil M.I.A. inzwischen zur Persona Non Grata im Mainstream-Pop geworden ist.

Den Migrationshintergrund, die Fluchtgeschichte der Familie, das alles hätte man hübsch zu einer Feel-Good-Story des Global-Pop stricken können, wenn M.I.A. nicht ständig anecken würde mit ihrem infektiösen Soundgebräu aus Hip-Hop, Electro, Dance, R’n’B und dem sogenannten World-Beat.

Anecken und anklagen. Dem Musikbetrieb schonungslos seine profitgetriebene Absicht vorhalten, zum Beispiel. Oder Verlogenheit in der westlichen Wertegesellschaft benennen. Terror in Europa? Je suis solidarisch. Terror in der arabischen Welt? Ach komm, schalt’ zum Fußball.

Vor vier Jahren dann, bei der Super Bowl Halftime Show mit Madonna, auf dem Höhepunkt ihrer Pop-Größe, der ausgestreckte Mittelfinger vor dem Millionenpublikum. Ein Sakrileg in den schizophren scheinheiligen Vereinigten Staaten. Brüste dürfen scheinbar mehr oder weniger aus Versehen entblößt werden, ohne das die Karriere knickt, aber Mittelfinger? Seitdem also keine große Bühne mehr für M.I.A., und seitdem nur folgerichtig, radikalisiert sich die Londonerin nur mehr.

Die unmittelbarsten Episoden im Vorfeld ihres fünften Albums „AIM“: Die Kontroversen um das großartige Musikvideo zu „Borders“ und ihre Kritik der einäugigen Solidarität von Pop-Stars mit der Black-Lives-Matters-Bewegung.

Da gibt es endlich wieder ein relevantes, wichtiges, klug und emotionsreich inszeniertes Musikvideo, ein Pop-Symbol zur überbordend wichtig gewordenen Flüchtlingsproblematik, und nicht nur ignoriert es MTV völlig und nominiert es nicht für irgendeine der sinnlosen Kategorien der MTV Video Music Awards, das war erwartbar vom Mainstream-Establishment, nein, der Fußballklub Paris St. Germain meint, es sei eine kluge Idee, gegen M.I.A. rechtlich vorzugehen, weil sie es wagt, ein Trikot des Klubs im Video zu tragen, auf dem der Sponsor Fly Emirates zum Slogan Fly Pirates abgeändert wurde.

Mindestens ebenso unfassbar realitätsfern war die Konsequenz aus einer von M.I.A. medial geäußerten Kritik an Beyoncé und anderen großen Pop-Playern: Deren Solidarisierung mit black lives matter wagte M.I.A. ein wenig überkritisch und unglücklich thematisch mit dem Vorwurf zu vermengen, keiner dieser Pop-Acts sage Syrian oder Pakistani lives matter. Die Konsequenz? M.I.A. wurde als Headliner des Londoner Afropunk Festivals gestrichen.

Nicht weil jemand zu viele Drogen nimmt, sich exzessiver Prostitution schuldig macht oder sonstwie bühnenuntauglich geworden ist, wurde einem Musiker eine vertraglich fest vereinbarte Auftrittsmöglichkeit verwehrt, und keine kleine, sondern wegen netzbeschmutzenden politischen Äußerungen. What a time to be alive.

Das Pop-Biz bekommt, was es verdient. Aus allen Rohren feuert M.I.A. auf „AIM“, angeblich ihr letztes Album, und schafft die locker politischste Pop-Platte des Jahres. Anohni ist Gefühlsduselei dagegen.

Bhangra-Rhythmen, Dancehall-Gedröhne, Hip-Hop-Raps: Die seltsam unbeholfene Genre-Bezeichnung World-Music ist bei M.I.A. endlich mal vollständig repräsentiert. Sounds von jeder Ecke des Planeten, und zwar keine romantischen, türmen, überbieten sich auf ihrem bisher beeindruckendsten Werk.

„Borders“, „Go Off“, „Bird Song“, „Visa“ sind allesamt nicht nur großartige Songs, es sind vor allem auch wichtige. Glaubst du wirklich, jemand flüchtet nur so zum Spaß, um dir den Beamtenjob wegzunehmen, fragt M.I.A. den westlichen Spießbürger, um gleichzeitig mit ihrem Album die Antwort zu geben.

Die Welt wird mit einem Musikalbum kein besserer Ort. Aber vielleicht kann man durch ein Musikalbum ein besserer Mensch werden. M.I.A. versucht es wenigstens.

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