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SOHN – Rennen – Weltuntergang mit Beats, Bass und Synths

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So schnell wie er im Herbst 2013 aus dem Nichts auftauchte, grandiose Songs releaste, Fach- und Liebhaberpublikum begeisterte und kurze Zeit später sein Debütalbum „Tremors“ veröffentlichte, so schnell wurde es auch wieder still um ihn: SOHN.

Der gebürtige Londoner und frühere Wahlwiener heißt im wahren Leben Christopher „Toph“ Taylor. SOHN ist nach Trouble Over Tokyo sein nächstes erfolgreiches Klangprojekt und es soll ganz für sich stehen. Lange Zeit wusste man daher gar nicht so genau, wer sich eigentlich dahinter verbirgt. Und dann die Funkstille – war SOHN etwa erneut nur als kurzlebiges Projekt angelegt worden?

Doch diesen Sommer gab es endlich ein Lebenszeichen, ein „Signal“. Und es war nicht nur die vielversprechende Verheißung auf ein neues Album, sondern ein kleiner Paukenschlag. Denn SOHN konnte für das Musikvideo von „Signal“ die Schauspielerin Milla Jovovich gewinnen – aber das nur als Randnotiz.

SOHN ist ein großartiger Sound-Designer, der mit den düstersten Klangfarben malt. So fremd das klingen mag, aber es sind Dinge wie leere Gläser, Küchenutensilien, Wände, Böden, Sandgeriesel, Hölzer und auch die Dancemusik der 90er Jahre und R’n’B-Einflüsse, die sich auf seiner Farbpalette wiederfinden. Damit gestaltet er den Hintergrund seiner Songs, überlädt sie nahezu mit Soundeffekten.

So erhebt sich ein gewaltiges Gebirge aus Bass, Beats und Synths, auf das er dann behutsam, mit feinstem Pinselstrich seine Stimme legt, glasklar wie ein Bergsee. Diese Stimme benutzt Taylor nicht nur als Melody-Maker, sondern auch als Rhythmus-Instrument. Er zerhackt sie, verfremdet sie, sampelt sie, legt sie übereinander und lässt sie sich in scheinbar niemals endenden Loops wiederholen.

Das war schon auf dem alten Album so, das ist auch auf dem neuen so. „Rennen“ heißt es und man fragt sich zunächst einmal: warum? Gab es bei seinem Debüt „Tremors“ noch eine Art übergeordnetes Thema, Isolation, so scheint dieses Mal der rote Faden verblasst zu sein.

Bei „Tremors“ war für SOHN klar, es muss notwendigerweise mit dem Song „Tempest“  beginnen – denn der stelle die verschiedenen Schichten des Albums vor. Wie soll man das bei „Rennen“ verstehen, wenn der erste Track „Hard Liquor“ heißt?

„Hard Liquor“ ist eine Bombe von einem Song. Er schlägt ein, ergreift das Trommelfell, lässt den Kopf im Takt bouncen, crescendiert sich nach oben – und endet abrupt, ohne einen Ohrwurm zu hinterlassen. Gedankenexperiment:

Man stelle sich während des Hörens von „Hard Liquor“ einen alkoholabhängigen Zombie auf der Suche nach Hochprozentigem vor: „Need that hard liquor, baby, every day / Just give me that hard liquor / And it will be okay.” Über die Geister in seinem Kopf hat er schon bald keine Kontrolle mehr und rutscht schließlich in einen betäubenden Rausch ab. Es funktioniert. Einer der besten Tracks auf „Rennen“.

Rausch. Betäubung. Lähmung. Vielleicht ist das der rote Faden des Albums. Legt man SOHNs Songtexte neben seinen Twitter-Feed, lassen sie sich mehr und mehr politisch lesen. Nicht konkret oder pointiert, sondern auf ein großes Ganzes bezogen: Globalisierung, Digitalisierung, doch vor allem die Menschheit anklagend und Weltuntergangsszenarien beschreibend wie in den Titeln „Conrad“ („As the ice is melting, merging with ocean / All our eyes are open and we’re looking out to sea / And I’m hibernating, shut down and waiting / For another summer living in denial / I can feel it coming, we can never go back“) oder „Proof“ („We believe in a system / but everybody knows, it’s wrong / and I can’t do this to the world, I love / I hope, I can’t go on / I hope, I proof myself wrong”).

Im Mittelteil plätschert das Album dann ein bisschen vor sich hin. Es gibt keine großen Ausreißer mehr. Insbesondere der Song „Rennen“ ist sehr zurückgenommen. Der Rhythmus wird hier nicht durch treibende Beats und düsteren Bass erzeugt, sondern durch eine sanfte, gedämpfte Klaviermelodie.

Das durchgehend langsame Tempo des Albums erreicht hier einen Tiefpunkt. Monotone Melancholie. Und wieder ist es da, das Gefühl der Schwere, der Trägheit. Ist es vielleicht das, was SOHN uns sagen will: Wir schauen weg, wir ignorieren die Zeichen der Zeit, wir sind träge. Und ehe wir uns versehen, ist es zu spät, sich aufzubäumen und es gibt nur noch eins: Rennen.

Doch es braucht diese Momente des Innehaltens in „Rennen“. Denn genau sie sind es, die den Kontrast erzeugen, der SOHN so stark macht: sanftes Dahingeplätscher gepaart mit BABÄääämWHaWHooom!

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