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Sleaford Mods (Credit Roger Sargent)

Sleaford Mods – English Tapas – Fuck Off

Wenn man von Mods „motzen“ ableiten könnte, wäre dieser Teil des Bandnamens von Sleaford Mods Programm für die kompromisslose Wortwahl des für die Texte zuständigen Jason Williamson.

Allerdings gibt es für seine deutliche Sprache, für die er sich nicht anstrengen muss, denn er redet wie ihm die „Snout“ gewachsen ist, angesichts eines taumelnden UK-Empires auch genügend Gründe. Und das schon seit dem Prä-Brexit-Zeitalter, schließlich wütet das Duo, zu dem neben dem Sänger noch Musiker Andrew Fearn gehört, schon seit neun Alben durch die Niederungen britischer Sozialpolitik.

Wie bereits die EP im letzten Herbst erscheint das Album auf der Londoner Qualitätsmarke Rough Trade und setzt das Wachstum der Männer aus Nottingham fort, die sich ab dem 2013èr „Austerity Dogs“ sukzessive eine größere Anhängerschaft erspielten, mit einem Iggy Pop Like geadelt wurden und The Prodigy auf deren letzten Album verstärkten.

Die „English Tapas“ (Halbes mit Wurstbrät umhülltes hartgekochtes Ei, Chips und saure Gurke) sollen sinnbildlich für alle schwer verdaulichen Angebote aus Politik- und Lifestyle stehen. Wenn besungene Zustände dabei zwar zunehmend brisanter werden, bleiben Sleaford Mods musikalisch beim bewährten Konzept.

Hasstiraden sprudeln aus Williamson wie aus einem Feuerlöscher, mal augenzwinkernd, meist jedoch als volle Breitseite. In „Time Sands“ oder „I Feel So Wrong“ streift er den Grenzbereich zum Gesang, während dazu Basslines wummern, und Drum-Maschinen ihre Schneisen fräsen.

Der von Fearn programmierte minimalistische Soundspagat zwischen Hip-Hop und Post-Punk verrät oft erst im zweiten Hörgang perfektes Timing für den richtigen Effekt zur richtigen Zeit.

Nun ist die herbe Kritik an der gesellschaftlichen Großwetterlage nicht das Einzige, was es zu kommentieren gilt. Workout-Blender bekommen in „Army Nights“ ihr Fett weg, Möchtegern Online-Stars geht’s in „Just Like We Do“ an den Kragen, die Chancenlosigkeit der Unterschicht wird in „Cuddly“ besungen, eine Generalabrechnung mit der Menschheit gibt’s in „Drayton Manored“.

„English Tapas“ ist rau und ohne Aussicht auf ein Happy End. Egal, wie schnell es in Großbritannien oder sonstwo abwärts geht: die Zeit für ein deutliches „Fuck Off“ muss bleiben.

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