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Erasure (Credit Doron Gild)

Liebe, Leidenschaft und Vertrauen – Erasure im Interview

Wer sich mit international erfolgreicher Pop-Musik aus den Achtzigern beschäftigt, der stolpert irgendwann zwangsläufig über die Namen Andy Bell und Vince Clarke. Unter dem Erasure-Banner zogen die beiden Briten einst durch die Welt, verkauften Millionen Platten und verzauberten die Pop-Anhängerschaft mit Dancefloor-Hymnen wie „Sometimes“, „Ship Of Fools“ und „Drama!“.

Gut dreißig Jahre später sind Erasure immer noch am Start. Demnächst geht es gar gemeinsam mit Robbie Williams auf große Stadien-Tour. Mit den Songs ihres brandneuen Studioalbums „World Be Gone“ wollen Andy Bell und Vince Clarke beweisen, dass sie es immer noch drauf haben. Die Pop-Welt ist gespannt. Wir trafen uns mit Andy Bell zum Interview und sprachen über Erfolgsgaranten, alte Sounds und die pure Vorfreude.

MusikBlog: Andy, ihr seid jetzt seit über dreißig Jahren im Business unterwegs. Acht von zehn Bands „überleben“ meist nur die ersten fünf Jahre. Was ist eure Erfolgsformel?

Andy Bell: Liebe, Leidenschaft und Vertrauen: Das sind die drei Eckpfeiler, ohne die nichts funktioniert. Man muss das, was man tut, lieben. Man muss dafür eine Leidenschaft entwickeln, die dich jeden Tag aufs Neue antreibt. Und man muss den Leuten, mit denen man eng zusammenarbeitet, bedingungslos vertrauen. Wenn man hinter diesen drei Punkten dicke Kreuzchen setzen kann, dann klappt das auch.

MusikBlog: Gab es in den vergangenen drei Jahrzehnten auch mal Phasen, in denen die drei Eckpfeiler bröckelten?

Andy Bell: Natürlich scheint nicht jeden Tag die Sonne. Es gab viele Höhen und Tiefen. Das gehört einfach dazu. Ich bin momentan beispielsweise wieder in einer glücklichen Beziehung. Das ist ein großer Teil des Fundaments, auf dem man das Glück im Leben bettet.

Als der Partner, den ich davor hatte starb, ging es mir sehr dreckig. Das war eine Zeit, in der ich viele Dinge hinterfragt habe. Das Leben ist wie eine Achterbahnfahrt. Es geht nicht immer nur aufwärts. Während unserer letzten Stadion-Tournee mit David Bowie hatte ich auch oft schlechte Laune. Das Publikum war teilweise richtig eklig zu uns. Da hingen zahlreiche homophobe Gewitterwolken über den Bühnen. (lacht) Das war kein Zuckerschlecken.

Und dann gab’s natürlich auch immer mal wieder Perioden, in denen der Erfolg ausblieb. Das lässt sich über einen Zeitraum von mehr als dreißig Jahren auch nicht vermeiden. Aber alles in allem sind wir glücklich und zufrieden. Wir sind immer noch da. Nur das zählt. Und wir haben ein neues Album am Start, auf das wir richtig stolz sind.

MusikBlog: „World Be Gone“ heißt das gute Stück. Ihr klingt dieser Tage nicht mehr ganz hibbelig wie in den vergangenen fünf Jahren („Snow Globe“, „The Violet Flame“). Das neue Album erinnert in puncto Sound und Tempo eher an eure Anfangstage. War das so geplant?

Andy Bell: Naja, das hat sich eher so ergeben. Ich denke, dass uns die derzeitigen Geschehnisse auf der Welt geleitet haben.

MusikBlog: Inwiefern?

Andy Bell: Wenn man dieser Tage vor die Tür guckt, dann kann einem schon Angst und bange werden. Und dieses eher getragene Gefühl der Ohnmacht überträgt sich natürlich auch auf die Musik. Das Leben und die Musik: Das gehört ja irgendwie zusammen.

MusikBlog: Was bereitet dir denn am meisten Sorgen?

Andy Bell: Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen soll. Es brennt überall lichterloh. Aber ich denke, dass die Musik einen Teil dazu beitragen kann, dass die Menschen wieder aufwachen. Unser Album beispielsweise schürt ja keine Tristesse. Es ist immer noch ein Pop-Album, das sowohl musikalisch als auch textlich Positives anregt. Die Songs sind nur nicht mehr ganz so schnell wie in den vergangenen Jahren. Das ist eigentlich der einzige Unterschied.

MusikBlog: Denkst du, dass es einfach sein wird, ein ausgelassenes Party-Publikum wie das von Robbie Williams zum Nachdenken anzuregen?

Andy Bell: Das ist gar nicht unser Bestreben. Wir werden nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf die Bühne gehen und die Leute davon abhalten, eine gute Zeit zu haben. Wir sind genauso Pop wie Robbie. Und da ändern auch zwei oder drei kritischere Songs nichts.

Man sollte aber vielleicht auch mehr unter die Oberfläche gucken. Sicher, die Leute werden feiern und tanzen. Sie werden lachen und vor Rührung weinen. Aber sie werden auch merken, dass sie mit ihren Gefühlen nicht alleine sind. Da werden zehntausende Menschen sein, die dieselben Emotionen teilen werden.

Und das ist der Punkt. Zusammenhalt und das große Ganze: Das wird die Botschaft sein, die diese Menschen mit nach Hause nehmen werden. Und wenn sie davon nur ein Bruchteil mit in ihren Alltag nehmen, dann haben wir unheimlich viel erreicht.

MusikBlog: Eure letzten Stadion-Dates sind schon Jahrzehnte her. Schlottern euch schon ein bisschen die Knie?

Andy Bell: Nein, gar nicht. Das wird ein Fest. Wir haben keine Angst. Da ist nur pure Vorfreude.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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