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Da prallen ganz verschiedene Kultureindrücke aufeinander – All We Are im Interview

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Vor zwei Jahren debütierten All We Are mit einem Album, das Fans von Bands wie Glass Animals und The xx begeistert in den Hände klatschen ließ. Dieser Tage meldet sich das Multikulti-Trio aus Liverpool endlich mit dem Nachfolger „Sunny Hills“ zurück. Und man höre und staune: Auf sonnigen Gipfeln hüpfend, präsentiert sich die Band musikalisch nahezu komplett runderneuert.

Psychedelische Krautrock-Anleihen vereinen sich mit Post-Punk-Einwürfen zu einem großen Ganzen, das bei eingefleischten Anhängern der ersten Stunde für weit aufgerissene Augen sorgt. Wir trafen uns mit Drummer Rich O’Flynn in Berlin zum Interview und plauderten über neue Sounds, musikalische Antworten auf globale Fragen und die alltägliche Selbstprüfung vor dem eigenen Spiegelbild.

MusikBlog: Rich, normalerweise gehören Fans, die von Beginn an dabei sind immer zu den größten Support-Eckpfeilern einer Band. Wie sieht es diesbezüglich bei euch aus? Wie wichtig sind dir die Leute, die euch schon von der ersten Stunde an begleiten?

Rich O’Flynn: Diese Menschen sind mir natürlich sehr wichtig, keine Frage. Aber ich denke, ich weiß worauf du hinaus willst. (lacht)

MusikBlog: Und zwar?

Rich O’Flynn: Du spielst auf unsere neue musikalische Ausrichtung an, oder?

MusikBlog: Exakt. Die sorgt im Kreise eurer Fans nämlich für viel Gesprächsstoff.

Rich O’Flynn: Das kann ich gut verstehen. Wir waren, ehrlich gesagt, selbst ein wenig überrascht, als wir nach der ersten Songwriting-Woche jede Menge Songs auf dem Tisch hatten, die irgendwie total anders klangen. Aber wir haben uns dann gefragt: Was wollen wir? Um was geht es uns? Wollen wir das, was wir haben hegen und pflegen und auf Teufel komm raus durch die Zukunft schleifen? Oder wollen wir uns einfach auf unser Bauchgefühl verlassen und den Moment so nehmen wie er sich gerade darstellt?

Wir haben uns dann für Letzteres entschieden. Und wir fühlen uns richtig gut dabei. Es ist ja jetzt auch nicht so, als würde eine Rock-Band plötzlich Synthie-Pop-Songs aufnehmen. Es ist immer noch eine große Verbindung zu unserem ersten Album vorhanden. Wir sind das Ganze diesmal nur etwas lauter und rauer angegangen.

MusikBlog: Du erwähntest gerade euer Bauchgefühl. Was denkst du, war der Auslöser für dieses Gefühl?

Rich O’Flynn: Das ist schwer zu beantworten. Wie ich schon sagte, wir waren selbst überrascht. Ich denke, dass das sich momentan ausbreitende Weltchaos eine große Rolle gespielt hat. Wenn man sich dieser Tage hinsetzt und Songs schreibt, dann fällt es einfach schwer, nicht irgendwie aus der Haut zu fahren.

Wir stecken ja mittlerweile alle mittendrin. Wir reden nicht mehr über Kriege und Terror in fernen Welten. Das Chaos breitet sich vor der eigenen Haustür aus. Und dieses Bewusstsein fließt natürlich auch in die Musik mit ein. Man will mehr denn je gehört werden. Und da bietet es sich natürlich an, die Regler etwas mehr aufzudrehen.

MusikBlog: Inwieweit wird so ein aufkommendes Gefühl noch zusätzlich beflügelt, wenn die Verantwortlichen aus verschiedenen Ländern kommen?

Rich O’Flynn: Da kochen viele unterschiedliche Emotionen hoch. Ich meine, Norwegen, Brasilien, Irland: Da prallen natürlich ganz verschiedene Kultureindrücke aufeinander. Vor allem lässt uns unsere Herkunft aber das große Ganze viel intensiver überblicken. Man kommt viel schneller auf einen gemeinsamen globalen Nenner.

MusikBlog: Würdest du dir wünschen, dass in Zukunft noch mehr Bands und Künstler das aktuelle Tagesgeschehen verstärkt in ihre Musik mit einbeziehen?

Rich O’Flynn: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Uns war es einfach nur wichtig, das Dunkle, das gerade seine Bahnen zieht mit einem entsprechenden musikalischen Gegenentwurf zu konfrontieren. In unserem Fall hat das Aufdrehen der Regler geholfen. Andere wählen vielleicht den entgegengesetzten Weg. Man kann natürlich auch mit ruhigen Klängen zum Nachdenken anregen.

MusikBlog: Aber wie sieht’s inhaltlich aus? Passiert da momentan genug, um aufzurütteln?

Rich O’Flynn: Mehr geht natürlich immer. Manchmal hat man schon den Eindruck, dass der die eine oder andere Band scheinbar in einer komplett anderen Welt lebt. Aber, wie gesagt: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Mitunter kann vermeintliche Verdrängung in Form von aufgebauschter Feierlaune auch Kraft spenden. Wir haben uns aber für einen anderen Weg entschieden.

Wir wollen das, was wir erleben, sehen und fühlen auch ungefiltert nach draußen tragen. Wir wollen auch unserer musikalischen Entwicklung keine Steine in den Weg legen. Wenn wir in zwei Jahren das Gefühl haben, wieder komplett anders klingen zu wollen, dann werden wir das auch durchziehen. Wichtig ist nur, dass man sich abends mit einem guten Gefühl vor den Spiegel stellen kann. Und das können wir. Nur darum geht es.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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