Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages
Fyfe (Credit Sophie Harris Taylor)

Fyfe – The Space Between

Diesen Jungen sollte man sich merken! Aber wie denn, wenn er alle paar Jahre seinen Künstlernamen wechselt? Verschuf er sich als David’s Lyre zwischen 2010 und 2012 ertmals Gehör, vor allem durch Ellie Goulding-Coversongs, galt seine erste EP als Fyfe „Solace“ als Geheimtipp der Indie-Szene.

Nun erschien nach „Control“ sein zweites Album “The Space Between”. Es ist gut. Es ist frisch. Musikalisch interessant, elektronisch experimentell. Textlich tiefgründig.

Auf “The Space Between” beschäftigt sich Fyfe, der mit bürgerlichem Namen Paul Dixon heißt, mit den letzten zwei Jahren seines Lebens. Vier nahe Menschen hat er verloren, drei Neffen sind geboren. Ein Album von Tod, der Geburt, mit allem dazwischen – “The Space Between” – mit dem Abschiednehmen, der Verzweiflung, der Hoffnung, dem Leben.

Die Platte ist eine gelungene Mischung aus Melancholie und Antrieb. Die Stimme klar, sanft, zerbrechlich. Es ist ein trauriges Album, das nie traurig wirkt.

Der Brite konnte für seinen Zweitling zwei namhafte Künstler für Kollaborationen mit an Bord holen: der neuseeländische Star Kimbra und das niederländische Pop-Duo Klyne. Das verhilft Fyfe vielleicht zu mehr Reichweite und Bekanntheit, doch sowohl die Nummer drei “Belong” (feat. Kimbra) wie auch die Folgenummer “Closer” (feat. Klyne) fallen zum Rest des Albums ab.

Die verbleibenden neun Songs hat Fyfe selber komponiert, geschrieben und produziert und dabei sollte er auch bleiben. Das Resultat: ein intimes, schüchternes, großartiges Meisterstück.

Als Star möchte sich Paul Dixon nicht sehen, wie er Musikblog vor gut zwei Jahren im Interview verriet. Deshalb wohl auch die Pseudonyme. Und vor allem der Wechsel der Pseudonyme. Es lasse ihm einen kreativen Freiraum – sowohl nicht unter seinem richtigen, wie auch mit immer neuen Namen zu arbeiten.

Name hin, Pseudonym her, Hauptsache, der 27-jährige bleibt so gut, wie er heute ist. Denn sowohl der Opener “Cold Air”, wie auch der Folgesong “Love You More” oder Titel acht “Rosa” überzeugen durch instrumentale Einfachheit und kompositorische Gewandtheit.

So sind die Grundelemente Piano oder Keys mit Drummachine und klarem Gesang. Der Rhythmus jedoch immer etwas verschoben oder verschleppt. Mal hinkt die Stimme hinterher („Love You More“), mal das Klavier („Rosa“) und immer finden sie wieder zusammen zu einem musikalischen Genuss.

Vor allem in “Rosa” hat man das Gefühl, den Space Between auch mal zu spüren. Das Klavier langsam und schwebend, die Drummachine leicht und verspielt. Darüber seine Stimme, als würde ihn nichts aus der Ruhe bringen können. Die vier Minuten sind in keinem einzigen Moment langweilig oder zäh.

Gut, dass der einzige Song, der etwas Geschwindigkeit vorzuweisen hat, “Stronger”, gleich nach den beiden Gast-Nummer platziert ist. Denn musikalisch geschieht in diesen beiden nicht sehr viel, so dass drei Minuten zu einer Ewigkeit werden können.

Rhythmus und Rhythmusverschiebung in “Stronger” wecken auf und holen einem zurück in seine eigene musikalische Welt, die man dann in “Relax” relaxt genießen kann.

Oder in “Borders” mit Fyfe über ein Leben ohne Grenzen sinniert – so verträumt der Wunsch, so verträumt seine Stimme.

Dieses Album macht – trotz der traurigen Thematik – Lust auf mehr. Lassen wir uns überraschen, mit was der talentierte Brite in Zukunft nachlegen wird. Oder unter welchem Namen. Hauptsache er tut es.

Schreibe einen Kommentar